10 x Zukunft von WhatsApp: Bald ein Dienst für alle Fälle?

Peter Mußler 5. Juni 2016 0 Kommentar(e)

Trotz der Vertrauenskrise durch das Bekanntwerden von Sicherheitslücken vor wenigen Jahren hat WhatsApp stets Nutzer dazugewinnen können. Mittlerweile steht man bei über einer Milliarde WhatsApper. War’s das, der größte Messenger und aus? Vor allem wenn WhatsApp auch Geld verdienen möchte, muss sich das kalifornische Unternehmen einfallen lassen. Wir verraten, was die nächsten Jahre alles bringen werden.

Schon lange hat WhatsApp die SMS als mobiles Textmedium erster Wahl abgelöst. Quasi kostenlos lässt sich über die App unendlich chatten, auf Bilder und Videos zur Illustration seiner Botschaften muss man ebenso wenig verzichten wie auf Audiodateien und zur Organisation von Aktivitäten mit Freunden oder Arbeitskollegen lassen sich buchstäbliche Grüppchen bilden. Ein Jahr nach der Übernahme durch Facebook Anfang 2014 erfolgte die Erweiterung um die lange herbeigesehnte Telefoniefunktion, Skype wurde somit fast überflüssig. Damit ist aber noch lange nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. Die Anwendung soll nicht nur bei den Nutzerzahlen, sondern auch bei ihren Fähigkeiten wachsen und sich dabei grundlegend verändern: WhatsApp könnte mehr werden als ein ­Messenger – nämlich eine universelle Schnittstelle zwischen Nutzern und Unternehmen.

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„Was wir wollen? Vor allem nützlich sein.” Das sagt WhatsApp-Gründer und -Chef Jan Koum.

Wir haben WhatsApp-Gründer und -Chef Jan Koum bei der Podiumsdiskussion auf der Digital Life Design-Konferenz vor Kurzem in München zugehört und sagen Ihnen, was er erzählt hat – und auch, was er verschwiegen hat. Wir geben die 10 Antworten auf die Frage, wohin sich WhatsApp entwickeln wird.

1. Dateien in allen Formaten anhängen

Noch muss man sich bei Anhängen auf Lieder, eigene Audioaufzeichnungen, Fotos und Videos beschränken. Wenn WhatsApp aber die E-Mail verdrängen will, müssen auch PDFs und Dateien anderer Formate zu verschicken sein. Bislang geht das nur mit Extra-App, das dürfte sich aber ändern.

2. Nichts mehr übersehen

Ein kleiner, aber wichtiger Schritt hin zur „E-Mail light“: Wenn Sie eine WhatsApp-Nachricht gelesen haben, verschwindet sie in der restlichen Masse. „Als ungelesen markieren“ wäre hier ein nützliches Feature.

3. Bestellungen aufgeben

In Nippon nichts Neues, bei uns schon: Einkaufsliste per Messenger an den Supermarkt schicken, der stellt alles zusammen und liefert die Waren gleich nach Hause. Die Ware ist dabei fast egal, das Prinzip ist immer gleich: Shops hätten eine WhatsApp-ID, dieser schickt man sein Begehren. Eine eigene App oder E-Mails würden dadurch überflüssig.

4. Nicht nur hören, sondern auch sehen

Dem reinen Textmessaging folgte das Verschicken von Bildern, danach konnte man mit WhatsApp auch telefonieren. Einer der ­nächsten Entwicklungsschritte ist eigentlich unweigerlich die Video-Telefonie.

5. Überall reservieren mit Chatbot-Funktion

Wenn am anderen Ende immer noch ein Mensch sitzen muss, ist gerade bei der kommerziellen Kommunikation der Vorteil einer Textnachricht nicht allzu groß. Toll sind da sogenannte Chatbots, also Dialogsysteme, die verstehen, was das menschliche Gegenüber möchte. So könnten in Theater oder Restaurant Plätze reserviert oder auch ein Taxi bestellt werden. Die Uhrzeit ist egal, der Bot ist stets wach.

„Was ich sicher sagen kann: WhatsApp wird für Privatkunden auch weiterhin nichts kosten, keine Werbung anzeigen und auch keine Spam-Nachrichten überbringen.”

Jan Koum, WhatsApp-Gründer und -CEO auf der DLD Konferenz 2016 in München

6. Bezahlen und Geld überweisen

Keine unwahrscheinliche Erweiterung stellt die Verknüpfung von WhatsApp mit einer Kreditkarte dar. Damit könnte man in Onlineshops leichter bezahlen. Der japanische Konkurrent Line bietet eine solche Funktion in reduzierter Form bereits. Nicht auszudenken, wenn per WhatsApp so direkt Geld verschoben werden könnte. Einige moderne Banken-Apps bieten so etwas bereits an; der Messenger könnte dann auch deren Job übernehmen. Entscheidend für den Erfolg dürfte das Thema Sicherheit sein.

7. Freunde zum gemeinsamen Spielen einladen

Auch WhatsApp könnte sich wie sein japanischer Konkurrent „Line“ mit Multiplayer-Games verknüpfen. Line lässt die Spieler Tags, also die Spieler-Identitäten versenden und Freunde zum gemeinsamen Zocken einladen. Auch für Fans von Spielkonsolen könnte das Verschicken einer digitalen Visitenkarte interessant sein.

8. Individualisieren von App-Design und Emojis

Je mehr WhatsApp in das persönliche und tägliche Leben eingebunden wird, desto größer wird auch das Bedürfnis, den eigenen Charakter in der Bedienoberfläche wiederzufinden. Die Lösung: Customizing. Der Einfluss der Nutzer auf die Gestaltung der für die Messenger-Kommunikation so wichtigen Emojis könnte auch wachsen. In speziellen Shops könnten sie angefertigt werden.

9. Nutzer selektiv zulassen mit Friend-Funktion

Prinzipiell ist es so: Wer Ihre Telefonnummer kennt, kann Ihnen per WhatsApp Nachrichten schicken (sofern Sie die App installiert haben). Manchmal sind diese aber alles andere als erwünscht. Sie können dann zwar den Kontakt blockieren, der Schaden ist aber vielleicht schon da. Ein Ansatz wäre, zuerst durch beidseitiges Einverständnis „Freunde“ zu werden, bevor ein Chat begonnen werden kann.

10. Kalender-Funktion für Gruppen

Die eingangs zitierten Gruppen werden gerne genutzt, um Aktivitäten zu koordinieren: sei es der Kinobesuch mit ein paar Arbeitskollegen, Fußball mit Freunden oder die Probe mit den Bandmates. Damit ein gefundener Termin dann auch von keinem verschlafen wird, wäre eine Fixierung von Datum und Uhrzeit mit Erinnerungsfunktion für alle WhatsApper praktisch.

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Peter Mußler   Redakteur

Als Ästhet beschäftigt er sich gerne mit formschönen Geräten und Überschriften, so geschmeidig wie ein poliertes Alugehäuse. Als Redakteur für die Magazine des CDA-Verlags taucht er in die Tiefen der Recherche aber auch ab bis zum Grund. Denn: Eine Überschrift alleine macht noch keinen Artikel.