Lobola-Calculator

Michael Derbort 22. März 2015 0 Kommentar(e)
Lobola-Calculator Androidmag.de 1 1 Sterne

Der moderne Europäer fragt die vermeintliche Liebe des Lebens ob wohl eine gemeinsame Zukunft denkbar sei und erwägt je nach Antwort die Traumhochzeit oder den Sprung vor den Zug. In Afrika sieht die Sache deutlich anders aus. Kein Vater rückt seinen Nachwuchs für lau raus. Da muss kräftig geblecht werden, bevor der Spross in den Hafen der Ehe einfahren kann – genannt Lobola. Und da auch Afrikaner innovative Menschen sind, gibt es zur Berechnung eine App. (kostenlos; ohne In-App-Käufe)

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Selbstversuch

Ich starte einen Versuch an mir selbst. Da ich zunächst davon ausgegangen bin, dass hier nur die Frauen feilgeboten werden, stülpe ich mir die Pippi-Langstrumpf-Perücke vom letzten Fasching übers Hirn und klemme mir zwei Wassermelonen unters T-Shirt, um die Sache authentischer zu gestalten. Doch holla! Was sehe ich da? Auch der Wert des Ehegatten kann so rechnerisch ermittelt werden.

Machen wir das also mal: Kochkünste? Hm … sagen wir mal, der Hunger treibt’s rein. Größe und Gewicht – das verschweigen wir an dieser Stelle lieber. Und wie ist das Oberstübchen bestückt? Tja, ein kleiner Schlauberger bin ich schon. Finde ich. Glaube ich. Hoffe ich.

Und nun das Ergebnis: Bebend warte ich auf die Zahlen und hoffe innigst, dass die Schwiegereltern in spe doch mehr rausrücken, als ein Meerschweinchen. Und siehe da: Ganze sechs Kühe würden den Besitzer wechseln. Nur: Wie kriege ich die Viecher in meiner Einraumwohnung unter und was werden die Nachbarn sagen?

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Seltsame Dinge geschehen

Andere Länder, andere Kulturen. Das nehmen wir jetzt einfach mal so hin. Dass diese App hier in Europa solch ein Getöse ausgelöst hat, ist schwer nachzuvollziehen, zumal der afrikanische Entwickler deutlich gemacht hat, dass es sich eigentlich nur um einen Jux handelt.

Besonders originell ist er trotzdem nicht. Erneut betätige ich mich als Partykiller und stelle dieses digitale Wunderwerk als vermeintlichen Spaß bei der nächsten geselligen Runde vor. An die anschließend folgenden mitleidigen Blicke habe ich mich inzwischen gewöhnt. Ein ernsthafter Austausch von landwirtschaftlichen Nutztieren wurde jedenfalls von niemandem erwogen. Auch mich fasziniert die App nur am meisten, wenn ich mir die erforderlichen Berechtigungen anschaue. Ungefährer Standort? Ja, das wird für die Braut wichtig sein, damit sie mich rasch wieder einfangen kann. USB-Speicherinhalte abrufen und löschen? Telefonstatus und Identität? Das ist aber ein neugieriger kleiner Racker, den ich mir da auf das Handy geladen habe. Was tut der Mensch nicht alles für sechs Kühe …

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Fazit

Ehepartner-Wertermittlung – was bei einem Gebrauchtwagen funktioniert, kann auch bei einer längerfristigen Bindung nicht falsch sein. Oder?

Ha, kleiner Test: Wie viele sind jetzt wieder aufgesprungen und blasen zum großen Shitstorm, weil die Seite im Duden fehlt, in der das Wort „Ironie“ definiert wird? In Wahrheit ist das Ding völliger Quatsch und hat folgerichtig in dieser Woche den Sprung in die Appsurd-Rubrik geschafft. Noch Fragen?

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