Amazon Underground: Hier kannst du tausende Euro an Android-Apps sparen

Peter Mußler 27. August 2015 4 Kommentar(e)

Amazon beerdigt seine populäre „Gratis-App des Tages“ – stattdessen bietet der Onlinehändler ab sofort ein neues Geschäftsmodell namens „Amazon Underground“ an. Dort erhalten Nutzer kostenlosen Zugang zu Apps, Spielen und In-App-Käufen, die laut Amazon mehrere tausend Euro wert sein sollen. Der Preis für dieses Geschäft: Überwachung. 

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Gerüchte über eine Art „App-Flatrate“, die nicht nur regulär kostenpflichtige Apps anbietet, sondern auch In-App-Käufe abdeckt, sind bereits im März aufgekommen. Damals wurde bei „Unlocked“, wie der Dienst heißen sollte, allerdings über eine monatliche oder jährliche Gebühr spekuliert, die der Nutzer hätte entrichten müssen. Die Koppelung mit Amazon Prime lag hier auf der Hand. Dem ist aber nicht so, wie aus der Ankündigung des neuen Services hervorgeht.

Bei „Amazon Underground“ handelt es sich um im Grunde um die reguläre Amazon App, die auf Android neben Apps auch den Zugriff auf den VoD-Service Prime Instant Video und andere auf Amazon erhältliche Produkte bietet. Einen kleinen Unterschied gibt es dann aber doch, denn die Anwendung hat auch einen Reiter namens „Underground Apps“ an Bord. Dort sind alle kostenlosen Apps und Spiele aufgelistet (sichtbar unter der Kennzeichnung „Actually Free“), die der neue Dienst beherbergt.

Und mit kostenlos ist auch tatsächlich auch kostenlos gemeint: denn selbst Anwendungen, die sich regulär über In-App-Käufe finanzieren, bieten dort ihre Zusatzinhalte vollkommen kostenlos an. Die Dating-App Lovoo beispielsweise lässt sich somit komplett gratis nutzen, ohne Coins kaufen müssen. Gleiches gilt für den Goat Simulator oder Angry Birds Slingshot Stella und viele weitere Apps. Hochkarätige Titel, die sonst vergleichsweise viel Geld kosten, jedoch bei Amazon Underground kostenlos zu haben sind: OfficeSuite Professional 8, Sparkasse+ oder auch DuckTales Remastered, das im Play Store mal eben mit 7,49 Euro zu Buche schlägt.

App-Entwickler werden pro Nutzungsminute bezahlt

Und wo ist der Haken, fragt ihr? Der liegt in der Überwachung, die für manch Datenschutz-sensiblen Nutzer zu viel sein kann. Denn natürlich wollen auch die App-Entwickler nicht umsonst arbeiten. Amazon bezahlt sie nach dem neuen Geschäftsmodell nicht mehr nach dem Download, sondern danach, wie oft und wie lange ihre Anwendung genutzt wird. Das bedeutet im Umkehrschluss: Amazon überwacht bis ins Detail das Nutzungsverhalten. In Deutschland, so die Kollegen von Golem, bezahlt der Versandhändler pro Nutzungsminute 0,18 Cent. Das macht in der Stunde dann 10,8 Cent. Wenn eine App oft verwendet wird, beispielsweise bei Spielen, kann da pro Nutzer tatsächlich eine Menge zusammenkommen. Bei anderen Apps hingegen, die nur hin und wieder verwendet werden, dürfte dieses Bezahlmodell eher zu Verlusten bei den teilnehmenden Entwicklern führen

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Welche Vorteile zieht Amazon aus dem Modell?

Interessant ist außerdem die Frage, welche Vorteile Amazon selbst aus diesem Modell zieht – immerhin hat ja auch das von Jeff Bezos gegründete Unternehmen, das seit kurzem wegen seines schlechten Arbeitsklimas in der Kritik steht, kein Geld zu verschenken. Ein Ziel dürfte wohl ohne Zweifel sein, mehr Nutzer in die Amazon-App zu lotsen. Dort angekommen, so möglicherweise das Kalkül, könnten sie dann beim Stöbern durch die Gratis-Apps auch auf Filme, Bücher oder andere kostenpflichtige Produkte stoßen, die Amazon anbietet – und kurzerhand zuschlagen.

Amazons Underground-App herunterladen

Da Google keine alternativen App-Shops im Play Store erlaubt, muss die Underground-App manuell heruntergeladen werden. Dazu mit dem Smartphone auf amazon.de/underground gehen und die APK-Datei herunterladen. Unter Umständen muss im Vorfeld in den Geräteeinstellunegn die Installation aus „unsicheren“ beziehungsweise „unbekannten“ Quellen erlaubt werden. Im Anschluss kann die Option aber wieder rückgängig gemacht werden. Besitzer eines Kindle Fire-Tablets (HD und HDX) erhalten die App automatisch.

Quelle: Amazon

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Peter Mußler   Redakteur

Als Ästhet beschäftigt er sich gerne mit formschönen Geräten und Überschriften, so geschmeidig wie ein poliertes Alugehäuse. Als Redakteur für die Magazine des CDA-Verlags taucht er in die Tiefen der Recherche aber auch ab bis zum Grund. Denn: Eine Überschrift alleine macht noch keinen Artikel.