Britischer Premier will verschlĂŒsselte Messenger verbieten lassen: Das Ende von WhatsApp, Threema & Co.?

Redaktion 14. Januar 2015 1 Kommentar(e)

Die Toten waren noch nicht kalt, da versuchten einige bereits, aus den niedertrĂ€chtigen AnschlĂ€gen auf das französische Satiremagazin „Charlie Hebdo“ Kapital zu schlagen. Ein besonders perfides Beispiel dieser PietĂ€tlosigkeit kommt jetzt aus Großbritannien: Premierminister David Cameron will jetzt mit Verweis auf die Terrorabwehr jeden verschlĂŒsselten Messenger verbieten lassen. 

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In England bald ein Relikt der Vergangenheit? Der britische Premierminister will verschlĂŒsselte Messenger wie WhatsApp verbieten lassen.

In England bald ein Relikt der Vergangenheit? Der britische Premierminister will verschlĂŒsselte Messenger wie WhatsApp verbieten lassen.

Wie konnten die AttentĂ€ter es schaffen, trotz Polizeischutz in die Redaktion von „Charlie Hebdo“ einzudringen und ein Blutbad anzurichten? Agierten sie alleine oder auf Befehl von grĂ¶ĂŸeren Terrororganisationen wie ISIS oder Al Kaida? Gibt es ein grundsĂ€tzliches Integrationsdefizit unter muslimischen Einwanderern? Und wie lassen sich solche GrĂ€ueltaten in Zukunft verhinden? Es wird wohl noch Jahre dauern, die AnschlĂ€ge, die Frankreich vor genau einer Woche erschĂŒtterten, aufzuarbeiten. Das hĂ€lt einige geschmacklose Zeitgenossen aber nicht davon ab, bereits jetzt aus dem Schock und der Trauer politisches Kapital schlagen zu wollen. So auch Großbritanniens Premierminister David Cameron, der die AnschlĂ€ge in Paris dazu nutzen will, um seine Überwachungsvorstellungen durchzusetzen.

Nur mit Durchsuchungsbefehl

„Wollen wir in unserem Land wirklich Kommunikationswege erlauben, die im Extremfall selbst mit einem Durchsuchungsbefehl des Innenministers nicht abgehört werden können?“, fragt der Premier. FĂŒr den Fall, dass er bei den Unterhauswahlen am 7. Mai 2015 wiedergewĂ€hlt werde, versprach Cameron, sich fĂŒr schĂ€rfere Überwachungsgesetze in Großbritannien einzusetzen. Als Rechtfertigung wird, wenig ĂŒberraschend, das Attent auf die französische Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ herangezogen, die laut Cameron eine bessere Überwachung notwendig machen. Damit schlĂ€gt sich der Torrie-Politiker auf die Seite von Andrew Parker, seines Zeichens Chef des britischen Gehemdienstes Mi5, der bereits am Tag des Anschlages die Wichtigkeit von Abhörmaßnahmen betonte: „Das Abfangen von Kommunikation ist ein wichtiger Teil der Werkzeugsammlung der Sicherheits- und Geheimdienste“, sagte Parker.

Sorgen, dass schĂ€rfere Gesetze die PrivatsphĂ€re der BĂŒrger aushöhlen, zerstreute Cameron: „Ich möchte erneut betonen, dass das nur passieren kann, wenn der Innenminister persönlich einen Durchsuchungsbefehl unterschreibt. Wir haben wahrscheinlich ein besseres Kontrollsystem fĂŒr diese sehr aufdringlichen Maßnahmen als jedes andere mir bekannte Land.“ Sollte Cameron mit seinem Anliegen durchkommen, wĂ€re es das faktische Todesurteil von beliebten Diensten wie WhatsApp, Threema oder auch Apples iMessage. Sie alle verwenden eine VerschlĂŒsselung, die es fĂŒr Sicherheitsbehörden schwer bis unmöglich macht, die Kommunikation zwischen einzelnen Teilnehmern zu ĂŒberwachen.

Backdoors stehen fĂŒr alle offen

Die Messenger mĂŒssten entweder aus Großbritannien abziehen, was kaum vorstellbar ist, oder spezielle Backdoors fĂŒr die Behörden einrichten, um ein Mitlesen im Extremfall möglich zu machen. Genau hier liegt aber Krux: LĂŒcken, die die Überwachung ermöglichen, bleiben in der Regel nicht geheim, sondern werden irgendwann auch entdeckt. Dann könnten sie auch von Kriminellen oder dem Westen feindlich gesinnten Staaten ausgenutzt werden. Eine SicherheitslĂŒcke, die nur die „Good Guys“ zur Überwachug nutzen, gibt es nur im MĂ€rchen. Weiterhin ist es ziemlich geschmacklos, wenige Tage nach den AnschlĂ€gen von Paris solche Debatten anzustoßen. Über bessere und ausgeklĂŒgeltere Möglichkeiten, solche Gewalttaten zu verhindern, muss mit Sicherheit gesprochen werden. Und ja, auch wenn es unpopulĂ€r ist: Vielleicht ist dazu auch ein Mehr an Überwachung nötig. Vielleicht. Doch diese Diskussion sollte mit kĂŒhlem Kopf und dem nötigen Abstand gefĂŒhrt werden. Nicht 7 Tage nach den AnschlĂ€gen von Paris.

Was meint ihr: Ist fĂŒr die Sicherheit mehr Überwachung notwendig? 

Quelle: The Independent (via Cnet) Artikelbild: Vaughan Leiberum

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