Eigenes mobiles Betriebssystem: Russland will sich von Android und iOS lösen

Redaktion 21. Mai 2015 0 Kommentar(e)

Seit der Ukraine-Krise hat sich das Verhältnis zwischen Russland und dem Westen stark abgekühlt, manch einer redet gar von einem zweiten Kalten Krieg. Dieser Konflikt scheint sich jetzt auch auf den IT-Sektor zu übertragen: Russland möchte ein eigenes mobiles Betriebssystem entwickeln, um Android und iOS Zuhause den Rang abzulaufen und weniger abhängig von westlicher IT zu sein. 

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Von Jolla stammt auch das Jolla Phone, das ebenfalls mit Sailfish OS läuft.

Von Jolla stammt auch das Jolla Phone, das ebenfalls mit Sailfish OS läuft.

Basis des neuen Systems soll das Sailfish OS des finnischen Herstellers Jolla sein. Das Betriebssystem ist Open Source und ging aus MeeGo hervor, das seinerzeit aus Nokias Maemo und Intels Moblin hervorging, bevor Nokia bei MeeGo im Zuge des Sprungs auf Microsofts Windows Phone den Stecker zog. Anfang des Monats sollen sich Mitarbeiter Jollas bereits mit Vertretern der russischen Technologiebranche getroffen haben, um eine Zusammenarbeit auszuloten, berichtet die russische Zeitung RBC. Nach dem Willen des russischen Kommunikationsministers Nikolai Nikiforow soll sich Russlands Abhängig von westlichen Technologien innerhalb der nächsten zehn Jahre auf 50 Prozent reduzieren. Derzeit liege der Anteil westlicher Technik in Russland bei 95 Prozent. Angesichts der Tatsache, dass das Riesenreich mit Ausnahme von natürlichen Rohstoffen keine nennenswerte Industrie besitzt, sollte der hohe Anteil nicht überraschen.

0,5 Prozent Marktanteil fĂĽr Sailfish

Derzeit beläuft sich der Markanteil von Sailfish OS in Russland auf bescheidene 0,5 Prozent. Damit liegt das OS sogar noch hinter Windows Phone und Blackberry. Präsident Putin muss also viel Rubel in die Hand nehmen, um seinen Bürgern das geplante OS schmackhaft zu machen. Trotz des mageren Marktanteils ist Jolla aber kein Unbekannter auf dem russischen Markt, da das Unternehmen bereits mit dem russischen Internetkonzern Yandex zusammenarbeitet. Dieser betreibt einen App Store für Sailfish OS.

Vor einem Jahr forderte Nikiforow westliche Softwarefirmen bereits auf, ihren Quellcode offenzulegen, sodass die russische Regierung prüfen könne, ob es Backdoors oder andere Schwachstellen im Code gebe, wie es einst Edward Snowden behauptete. Neben anderen Unternehmen widersetzen sich auch Apple und der deutsche Softwarehersteller SAP dieser Aufforderung. 

Auch Finnland gehört zum Westen

Dass die russische Regierung nun ausgerechnet das finnische Unternehmen Jolla und Sailfish OS für seine Pläne auserkoren hat, macht aber etwas stutzig. Finnland mag zwar kein Nato-Mitglied sein, westlich ist das Land aber allemal und Mitglied in der EU, hat den Euro als Währung und nimmt regelmäßig an westlichen Militäroperationen teil. So ganz zu Ende gedacht hat der Kreml diese Strategie wohl nicht.

Was glaubt ihr: Wird sich Russland von westlicher Technik emanzipieren können? 

Quelle: RBC (via ZDnet)

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