Mickrige Gewinnmargen: So bieten Android-Hersteller dem Smartphone-Krösus Apple die Stirn

Redaktion 23. März 2015 8 Kommentar(e)

Apple ist der Krösus der Smartphone-Branche: Im vierten Quartal 2014 schnappte sich der iPhone-Hersteller knapp 89 Prozent aller Gewinne, die weltweit mit Smartphones erwirtschaftet wurden. Zusammen kamen alle Android-Hersteller auf geradezu lächerliche 11 Prozent. Wie können Samsung, HTC & Co. ihre Gewinne wieder steigern? Drei Strategien, um wieder etwas mehr vom Smartphone-Kuchen abzubekommen. 

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Haben Apples Vorsprung in Sachen Smartphone-Gewinne deutlich ausgebaut: Das iPhone 6 & 6 Plus.

Haben Apples Vorsprung in Sachen Smartphone-Gewinne deutlich ausgebaut: Das iPhone 6 & 6 Plus.

Um diese schier unglaubliche Zahl mal etwas zu verdeutlichen: Von jedem US-Dollar Gewinn, den die gesamte Smartphone-Branche in Q4/2014 weltweit erwirtschaftete, strich Apple 88,7 Cent ein. Im Gegenzug mussten sich alle Android-Hersteller – also HTC, Samsung, Sony und andere – die verbliebenen 11,3 Cent teilen, errechnet das Marktforschungsunternehmen Strategy Analytics. Im Vergleichszeitraum 2013 betrug das Verhältnis noch 70,5 Prozent vs. 29,5 Prozent für Apple. Die Rekord-Umsätze der neuen iPhones haben dem Hersteller also ordentlich Geld in die Kasse gespült und den Vorsprung ausgebaut. Die Zahlen sind noch imposanter, wenn die Marktanteile der Betriebssysteme verglichen werden: Im vierten Quartal 2014 betrug der Marktanteil von Apples iOS laut den Marktforschern von IDC nur 19,7 Prozent, während Android auf 76,6 Prozent kam. Apples Marktanteil ist demnach knapp viermal niedriger als der von Android, dennoch erwirtschaftet das Unternehmen aus Cupertino mit Abstand die meisten Smartphone-Gewinne.

Laut Neil Mawston, Executive Director von Strategy Analytics, könnten die sinkenden Gewinne der Android-Hersteller bald auch Google in Alarmbereitschaft versetzen. Er argumentiert, dass wenn die Gewinnmargen von Samsung, HTC, Sony etc. weiter in den Keller gehen, sich die Unternehmen nach Alternativen zu Android umgucken werden und möglicherweise auf Windows Phone, Tizen oder Firefox OS setzen könnten. Das ist, mit Verlaub, Quatsch. Die geringen Gewinnmargen der Android-Hersteller haben nichts mit dem mobilen Betriebssystem an sich zu tun. Android wird von Google kostenlos abgegeben und billiger als kostenlos gibt es nun mal nicht.

Das Google-OS fällt als Schuldiger an der Misere also weg. Doch woran liegt es, dass die verschiedenen Android-Hersteller so wenig Gewinn an ihren Smartphones machen? Drei Strategien, um steigende Gewinne zu erzielen:

Software-Optimierungen statt neuer Hardware

Zunächst verkauft Apple vergleichsweise alte Hardware zu extrem teuren Preisen. Dass die veraltete Hardware in der Alltagsnutzung keine nennenswerten Unterschiede aufweist, ein iPhone mit Dual Core-Prozessor also genauso schnell arbeitet wie ein High-End-Androide mit Achtkern-Chip, liegt an der optimalen Abstimmung zwischen Soft- und Hardware der Apple-Geräte. Für 99 Prozent der Nutzer ist es egal, wie viele Kerne der Prozessor ihres Smartphones besitzt, solange es stets flüssig läuft. Android-Hersteller sollten sich also vom Specs-Rennen verabschieden und stattdessen die Software-Optimierung großflächig angehen. So könnten sie vergleichsweise alte Hardware-Komponenten verbauen, die günstig im Einkauf sind, um damit ihre Gewinne zu steigern.

Weg vom billigen Plastik

Die Verarbeitungsqualität ist ein weiterer enorm wichtiger Punkt, den Apple der Android-Konkurrenz voraus hat. Man kann über den angebissenen Apfel sagen, was man will: Die Verarbeitungsqualität ist über jeden Zweifel erhaben. Dasselbe kann man nicht vorbehaltlos über die Hersteller im Android-Sektor sagen. Natürlich, ein HTC One (M9) ist ein formschönes und hochwertiges Stück Technik. Und selbst Samsung geht mit dem Galaxy S6 jetzt die Haptik-Mängel seiner vergangenen Flaggschiffe an und verbaut Metall und Glas. Alles schön und gut. Doch das kommt alles auch reichlich spät – zumindest im Fall von Samsung, dem Primus unter den Android-Herstellern. Zudem fällt die Verarbeitungsqualität spürbar ab, sobald man einen Blick auf das restliche Smartphone-Portfolio der Android-Hersteller schaut: In der Einsteiger- und Mittelklasse ist quietschendes Plastik an der Tagesordnung. Sicher: In diesem Segment kann man aufgrund der niedrigen Preise kaum hochwertige Materialien wie Metall oder Glas verbauen. Aber es gibt immer noch einen Unterschied zwischen wertigem Kunststoff und billigem Plastik. Nur allzu oft entscheiden sich die Hersteller leider für letzteres und schaden damit ihrer eigenen Marke.

Ökosystem: Lasst uns alle Geräte vernetzen!

Kommen wir zum Schluss zum Mehrwert. Es ist fast schon zum heulen, wie leichtfertig die Android-Hersteller ihre Möglichkeiten verstreichen lassen, einen echten Mehrwert zu entwickeln. Apple bietet Smartphones, Tablets und Computer an. Doch was bietet beispielsweise Samsung alles an? Smartphones, Tablets, Computer, Kühlschränke, Drucker, Fernseher, Blu-Ray-Player und und und. Das gleiche gilt, mit manchen Einschränkungen, auch für LG und beispielsweise Sony. Würde man all diese Gerätekategorien sinnvoll miteinander vernetzen, dass ich über mein Samsung-Tablet also auch meinen Samsung-Kühlschrank steuern kann, hätte man ein schlagkräftiges Ökosystem, mit dem Apple nicht mithalten könnte. Davon ist bisher allerdings fast nichts zu sehen.

Fallen euch noch weitere Strategien ein, womit Android-Hersteller ihre Gewinne steigern könnten? 

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