Wie mit dubiosen Gewinnmeldungen Geld gemacht wird

25. November 2015 0 Kommentar(e)

Jeder hat schon einmal eine Spam E-Mail erhalten. Die meisten Nutzer sind für diese Art von Angriffen inzwischen sensibilisiert. Doch in der letzten Zeit landen die ungewollten Nachrichten verstärkt auf dem Mobiltelefon.

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G DATA hat sich eine solche Nachricht einmal vorgenommen und ist den Spuren der Daten gefolgt. Wichtig: Dieser Artikel bezieht sich auf einen konkreten Fall, in dem einzelne Firmen als Lockvogel fungieren. Weder Rewe noch Apple sind in diese geschilderten Aktionen involviert. Ihre Markennamen werden von den Betreibern dazu missbraucht, der Aktion einen vertrauenswürdigen Anstrich zu verpassen und durch die Popularität mehr Aufmerksamkeit zu erregen.

Alles beginnt mit einer SMS In unserem Fall wird ein vermeintlicher Gratis-Einkauf bei Rewe versprochen. Angeblich wurden wir gezogen und haben 500 Euro für den Einkauf zur Verfügung. Nicht schlecht. Wir sind natürlich interessiert daran.

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Sofort fällt auf, dass die Absender es mit der deutschen Rechtschreibung nicht allzu genau nehmen – „HerzlicheRn Glückwunsch“ heißt es hier. Überhaupt ist die Wortwahl in der Nachricht nicht vertrauenerweckend, aber die Initiatoren versuchen sich aus Kostengründen auf eine SMS-Länge, 160 Zeichen, zu begrenzen. Für den Empfänger der Nachricht kann die Sprache schon ein erstes Alarmzeichen sein. Auch die angegebene URL erweckt keinen allzu seriösen Eindruck, denn sie ist ganz eindeutig keine offizielle Seite von Rewe.

Aber wie kommen die zu meiner Telefonnummer?

Es gibt ganz unterschiedliche Möglichkeiten: Sie probieren einfach Mobilfunknummern aus dem Zielland aus und hoffen, eine hohe Trefferzahl zu bekommen. Oder sie kaufen Listen von Nummern, ähnlich wie E-Mail Spammer Listen mit Adressen kaufen. Oder aber die Handybesitzer haben selbst dazu beigetragen, dass ihre Nummern in falschen Händen landen, etwa via App.

Jedenfalls wird der Besucher auf der Seite von einem weiteren Angebot überrascht: Eine Art Glücksrad suggeriert, dass zu einem Rewe Gutschein gleich noch ein Preis hinzukäme: Ein iPhone 6S oder eine Apple Watch.

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Was kostet das?

Auch wenn der Klick gratis war, die ganze Aktion ist das natürlich nicht – wir müssen bezahlen, mit unseren Daten. Wir werden aufgefordert, diese einzugeben. „Dies ist ein Service der Telemark D.O.O.“ bekommen wir angezeigt. Nach einem Klick auf „Gewinndaten eingeben“ werden wir auf eine neue Hauptseite geleitet, den myquizplanet.de.

In vier Schritten müssen wir die Teilnahme bestätigen. Wir geben Name und E-Mail-Adresse in. Und der Betreiber der Webseite, die United Customer Service GmbH darf hierfür unsere Angaben an Sponsoren und Partner weitergeben, die benannt sind und zu deren Fragen wir Angaben machen. Diese dürfen uns dann kostenlose Produktmuster zusenden.  Wir geben u.a. folgende Daten ein: Geschlecht, Vorname und Nachname, E-Mail Adresse Geburtsdatum, Straße und Hausnummer und sogar die Mobilfunknummer.

Und dann werden wir im nächsten Schritt auch noch nach unseren Präferenzen befragt – in 23 Fragen.

Nach dem letzten Schritt ist das „Gratis-Geschenk“ zu einem „kleinen Geschenk“ verkommen. Es besteht aus einem Gutschein aus dem „exklusiven Partnernetzwerk“. Das hat nichts mit dem versprochenen Rewe-Gutschein oder gar dem Technik-Gadget zu tun, was uns noch immer auf der Webseite im Banner entgegenstrahlt.

G-Data hat ein wenig hinter die Kulissen des Gewinnspiels geschaut und öffentlich verfügbare Informationen über die beteiligten Firmen eingeholt (siehe Abbildung):

Das angedeutete Netz der beteiligten Firmen ist schon beachtlich dafür, dass es eigentlich nur um ein Gewinnspiel geht. Und alle Beteiligten haben natürlich ein Interesse daran, aus der Aktion Gewinn für sich zu ziehen. Der Preis pro Adresse variiert in Deutschland stark. Vergleiche im Internet geben Preise von 0,12€ bis 1,60€. Zusatzinformationen würden natürlich auch hier extra berechnet werden, sofern sie verfügbar sind.

And the winner is…

… ganz sicher nicht der Nutzer, der seine Daten eingegeben hat. Egal wie hoch die Gewinnchance für den ausgelobten Preis in der Realität auch ist, die Angabe zu so vielen persönlichen Daten in Verbindung mit Informationen über Vorlieben und Meinungen zu ausgewählten Themen sind ein hoher Preis.

Daher: Unverhoffte Gewinnmeldungen von unbekannten Absendern bitte kritisch beäugen. Geben Sie keine persönlichen Daten auf undurchsichtigen Gewinnspielseiten ein. Bzw. geben Sie immer nur die absolut notwendigen Daten an. Lesen Sie das Kleingedruckte!

Quelle: G-Data

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Harald Gutzelnig   Herausgeber

Harald hat eigentlich als Herausgeber und Geschäftsführer des hinter dem Portal stehenden Verlags gar nicht viel Zeit Artikel zu schreiben, aber es macht ihm so viel Spaß, dass er dafür sogar ab und an aufs Schlafen verzichtet. Er hofft natürlich, dass dieser Schlafentzug seinen Artikeln nicht anzumerken ist.

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