Wieso Samsung keinen Alleingang ohne Google-Apps und Play Store wagen wird

Redaktion 23. Juli 2013 3 Kommentar(e)

Plant Samsung einen Alleingang mit Android? Neuste Gerüchte legen nahe, dass der Hersteller Google den Rücken kehren wird. Aber wie viel Wahrheit steckt wirklich darin? 

Es kann niemals gesund sein, wenn ein einziger Hersteller einen ganzen Markt dominiert. Derzeit ist Samsung die unbestrittene Nummer 1 unter den Android-Herstellern. Das südkoreanische Unternehmen verkauft nicht nur die meisten Smartphones, es streicht auch fast 95 Prozent aller Gewinne ein, die mit dem Verkauf von Android-Smartphones erzielt werden. HTC, Sony, LG und Co. dürfen sich die Krümel teilen, die Samsung ihnen übrig lässt. Nicht wenige fürchten daher, dass Samsung zu mächtig werden und mit Android einen Alleingang wagen könnte.

Aber eine Scheidung von Google sieht einfacher aus, als es tatsächlich ist.

Schon seit einiger Zeit kursieren Gerüchte, Samsung könnte auf die von Google entwickelten Apps verzichten und einen Alleingang mit Android wagen. Derzeit wird die erste Entwicklerkonferenz, die Samsung Ende Oktober in San Francisco abhalten wird, als Anstoß für solche Vermutungen genommen. Vorbilder für so einen, in der Fachsprache genannten „Fork“, gibt es viele. In China gibt es unzählige Smartphones, die auf Android laufen, aber ohne die wichtigen Google Apps daherkommen. Der bekannteste Vertreter eines Forks ist aber mit Sicherheit Amazon. Die Kindle Fire-Tablets des weltweit größten Versandhändlers laufen alle auf einem von Amazon sehr angepassten Android und kommen ohne die Google Apps wie GMail, Youtube, den Play Store usw. daher.

Könnte Samsung also, bei der Marktmacht, die das Unternehmen hat, auch einen Alleingang wagen? Eher unwahrscheinlich.

Die erste große Entwicklerkonferenz Samsungs ist Stein des Anstoßes

Die erste große Entwicklerkonferenz Samsungs ist Stein des Anstoßes

Zwar werden die Smartphones und Tablets des Herstellers schon seit jeher auch mit eigenen Apps ausgestattet, die die Google-Pendants teilweise ersetzen. Aber einerseits handelt es sich hier um eher unwichtige Anwendungen wie beispielsweise der Kalender. Andererseits erreichen sie bisher nie die gleiche Qualität wie die Apps aus dem Hause Google. Wer zieht denn schon S-Voice der Sprachsuche aus Google Now vor?

Eine ganz andere Geschichte wäre es, wenn man von einem Samsung-Smartphone auf einmal keinen Zugriff mehr auf Google Mail, Youtube oder den Play Store hat. Da kann Samsung noch so viel in sein Werbebudget pumpen und noch so bekannt sein: Software sells Hardware, wie eine alte Weisheit sagt und wenn man keinen Zugriff mehr auf die Hunderttausenden von Apps aus dem Play Store hat, werden auch die Samsung-Smartphones wie Blei in den Regalen liegen.

Der Aufbau eines alternativen App Stores bedarf Zeit und Geld und ist außerdem mit großen Hürden verbunden. Samsung muss alle wichtigen Entwickler nicht nur davon überzeugen, ihre Apps auch in einem möglichen Samsung App-Store einzustellen, sondern sie dort auch zu pflegen und ihnen gute Refinanzierungsmöglichkeiten anbieten. Gerade bei den kostenpflichtigen Apps ist die Bezahlung immer ein Knackpunkt. Google hat hier in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht, mittlerweile kann man die Apps nicht nur bei den meisten Anbietern auch über die Mobilfunkrechnung bezahlen, sondern auch über die Google Play Geschenkkarten.

Gerade mit ihnen schärft Google das Bewusstsein dafür, dass der Play Store, immerhin erste Anlaufstelle für Apps und damit Lebensquelle für jedes Smartphone, Geräte- und Providerunabhängig und Google der wahre Herrscher von Android ist. Des weiteren stellt sich auch die Frage des doppelten Kaufs von Apps. Wieso sollte jemand, der sich z.B. für 4,49 Euro Grand Theft Auto: Vice City auf seinem Galaxy S4 gekaut hat, für das gleiche Spiel auf seinem Samsung Galaxy S5 mit integriertem Samsung App-Store nochmal bezahlen? Diesen Hürden müsste sich Samsung stellen und für jeden wichtigen Mobilfunkmarkt eine Infrastruktur schaffen, die Google bereits hat.

So schnell wird sich Samsung also nicht von Google lösen können, selbst wenn es wollte. Google sitzt hier immer noch eindeutig am längeren Hebel. Denn auch ein möglicher Alleingang Samsungs wäre ja nicht von heute auf morgen erledigt, sondern ein langwieriger Prozess. Natürlich würde der Internetgigant dann Gegenmaßnahmen ergreifen, z.B. die bisher enge Zusammenarbeit mit Samsung einschränken, andere Hersteller bevorzugen und noch mehr als es die bisherigen Gerüchte schon erahnen lassen, auf Motorola zu setzen.

Was haltet ihr von den immer wieder aufkehrenden Gerüchten, Samsung könnte Google den Rücken kehren und mit Android sein eigenes Ding durchziehen? Echte Gefahr oder doch nur Theater im Sommerloch? Eure Meinung dazu in die Kommentare! 

Quelle: The Verge (via Google Watchblog)

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