Kindergärten brauchen mehr Tablets. – Im Ernst?

Hartmut Schumacher 31. Januar 2015 2 Kommentar(e)

Benötigen Kindertagesstätten tatsächlich eine bessere Ausstattung mit Tablets und anderen digitalen Medien? Oder sollten kleine Kinder doch eher möglichst wenig Berührung mit derartigen Geräten haben? – Experten aus unterschiedlichen Lagern haben recht verschiedene Meinungen zu diesem Thema.
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In Deutschland besitzen über die Hälfte der Familien mit Kindern im Vorlesealter ein Tablet. (Foto: Schau hin)

In Deutschland besitzen über die Hälfte der Familien mit Kindern im Vorlesealter ein Tablet. (Foto: Schau hin)

Ein Drittel der Kinder im Alter von zwei bis drei Jahren verwendet bereits regelmäßig digitale Medien, und zwar hauptsächlich Tablets und Smartphones. Bei den vier- bis fünfjährigen Kindern sind es dann schon knapp 60 Prozent.

Die Nutzung derartiger Medien steigt dabei schnell an: Im Jahr 2012 besaßen knapp ein Viertel der Familien mit Kindern im Vorlesealter ein Tablet. 2013 traf dies bereits auf über die Hälfte der derartigen Familien zu.

Einen ausführlicheren Artikel zu diesem Thema findest du in der aktuellen Ausgabe Januar 2015 der Zeitschrift „Baby und Familie“, die kostenlos in Apotheken erhältlich ist.

Kinder gezielt an digitale Medien heranfĂĽhren

Die Mediensituation zuhause werde laut der Zeitschrift jedoch nicht in den Kitas und Kindergärten widergespiegelt: Häufig gelte dort noch ein CD-Player als digitale Spitzenausstattung. Medienexperten sprächen sich zunehmend dafür aus, Kindertagesstätten besser mit digitalen Medien auszustatten und die Kinder gezielt an diese Medien heranzuführen. Die „digitale Kluft“ zwischen Elternhaus und Kita müsse geschlossen und diese Technik sinnvoll in den Alltag der Kindertagesstätten integriert werden.

Smartphones und Tablets sind nichts fĂĽr Kinder unter drei Jahren

Andere Experten haben eine etwas unterschiedliche Meinung: Die American Academy of Pediatrics und die Canadian Society of Pediatrics sind übereinstimmend der Auffassung, dass Kinder im Alter bis zu zwei Jahren keine Berührung mit derartigen Geräten haben sollten. Im Alter von drei bis fünf Jahren sei eine Nutzungsdauer von einer Stunde pro Tag vertretbar, im Alter von sechs bis 18 Jahren dann zwei Stunden pro Tag. Zu den negativen Auswirkungen von zu viel Beschäftigung mit digitalen Geräten gehörten bei Kindern unter anderem Aufmerksamkeitsdefizite, Fettleibigkeit und Schlafmangel.

Ähnlich sehen das die Experten von „Schau hin“, einer gemeinsamen Initiative des deutschen Familienministeriums, des Telekommunikationsunternehmens Vodafone, der öffentlich-rechtlichen Sender Das Erste und ZDF sowie der Programmzeitschrift TV Spielfilm. Sie empfehlen, dass Kinder unter drei Jahren generell noch kein „mobiles Mediengerät“ in die Hand bekommen sollten. Ein eigenes Handy sei ab neun Jahren sinnvoll. Ein Smartphone sei erst für Kinder ab elf Jahren geeignet. Und etwa eine Stunde Handy-Nutzung sei im Alter zwischen 11 und 13 Jahren „völlig ausreichend“.

Erst ab dem Alter von drei Jahren sollten Kinder Smartphones und Tablets in die Hände bekommen. (Foto: Schau hin)

Erst ab dem Alter von drei Jahren sollten Kinder Smartphones und Tablets in die Hände bekommen. (Foto: Schau hin)

Quellen: Wort & Bild Verlag, The Huffington Post, Schau hin

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Hartmut Schumacher   Redakteur

Hartmut ist ganz vernarrt in Smartphones und Tablets. Allerdings hielt er auch schon Digitaluhren für eine ziemlich tolle Erfindung. Er betrachtet Gedankenstriche als nützliche Strukturierungsmittel – und schreibt nur gelegentlich in der dritten Person über sich selbst.