Krank und unproduktiv durch Smartphones?

Hartmut Schumacher 28. November 2015 0 Kommentar(e)

Smartphones und stĂ€ndige Erreichbarkeit können krank machen. Völliger Verzicht ist zwar keine Lösung. Wichtig fĂŒr berufliche ProduktivitĂ€t und gute Gesundheit ist jedoch der richtige Umgang mit Smartphones und Ă€hnlichen GerĂ€ten.
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Die stĂ€ndige Erreichbarkeit per Smartphone oder Tablet auch in der Freizeit kann zur Erschöpfung oder aber sogar zum Burnout fĂŒhren. (Foto: 5demayo)

Die stĂ€ndige Erreichbarkeit per Smartphone oder Tablet auch in der Freizeit kann zur Erschöpfung oder aber sogar zum Burnout fĂŒhren. (Foto: 5demayo)

53 mal am Tag aktivieren wir durchschnittlich unser Smartphone (laut einer Untersuchung der UniversitÀt Bonn). Und unterbrechen dadurch alle 18 Minuten unsere gegenwÀrtige TÀtigkeit.

Der TÜV Rheinland weist warnend darauf hin, dass diese stĂ€ndigen Unterbrechungen dazu fĂŒhren, dass es vielen Menschen schwer fĂ€llt, sich lĂ€nger auf eine Aufgabe zu konzentrieren. Dadurch leidet auch die QualitĂ€t ihrer Arbeit.

Hinzu kommt: Wenn Mitarbeiter jederzeit fĂŒr berufliche Anfragen erreichbar sind, fallen dadurch die fĂŒr die Gesundheit wichtigen Entspannungsphasen weg. Dies kann zu Erschöpfung fĂŒhren oder aber zum Burnout. Iris Dohmen, Betriebspsychologin beim TÜV Rheinland, erlĂ€utert: „Der völlige Verzicht auf digitale Medien ist nicht die Lösung. Im Beruf wie im Privatleben sind sie wertvolle Hilfsmittel: Sie unterstĂŒtzen beispielsweise bei der Terminverwaltung und stellen den Kontakt zu Kollegen und Kunden, aber auch zu Freunden und Verwandten sicher. Was wir brauchen, ist ein intelligenter Umgang mit dem Smartphone. Das bedeutet, auch bewusst Zeiten der Nichterreichbarkeit einzuhalten. Eine wichtige Grundlage dafĂŒr sind klare Vereinbarungen zum Umgang mit den digitalen Medien.“

„Immenser ProduktivitĂ€tsverlust“

Der TÜV fordert, dass die Unternehmensleitung ihren Mitarbeitern eindeutig mitteilen soll, welche Erreichbarkeit sie von ihnen erwartet. Und auch mit gutem Beispiel vorangeht. Denn wenn diese Regelungen von den Arbeitnehmern nicht eingehalten werden, wenn sie also beispielsweise auch am Wochenende oder im Urlaub E-Mail bearbeiten, so ist das fĂŒr die Unternehmen langfristig nicht von Vorteil: Fehlende Regenerationszeiten können vielmehr dazu fĂŒhren, dass engagierte und leistungsorientierte Mitarbeiter erkranken und langfristig ausfallen.

„Der ProduktivitĂ€tsverlust ist immens, und die Krankheitswelle wird die Unternehmen teuer zu stehen kommen“, prognostiziert Alexander Markowetz, Juniorprofessor fĂŒr Informatik an der UniversitĂ€t Bonn.

„FĂŒhrungskrĂ€fte sollten Mitarbeiter ansprechen, die immer wieder durch stĂ€ndige VerfĂŒgbarkeit auffallen, und sie darin bestĂ€rken, sich Erholungszeiten zu gönnen“, lautet daher der Ratschlag von Iris Dohmen.

Wichtig fĂŒr die Gesundheit sei es, dass sich Anspannung und Entspannung langfristig ausgleichen. Wie die Erholungsphasen konkret auf den Arbeitstag verteilt werden, das hĂ€ngt vom typischen Arbeitsaufkommen ab. Bei internationalen Projekten oder Konzernen könne es beispielsweise durchaus sinnvoll sein, dass Arbeitnehmer spĂ€t abends oder morgens frĂŒh erreichbar sind. Denn wenn in diesen Zeiten das Bearbeiten von E-Mail im Unternehmen generell untersagt sei, dann werde dies von den Betroffenen als zusĂ€tzliche Belastung empfunden, weil es die Zusammenarbeit mit Kollegen in anderen Zeitzonen erschwert.

„Der ProduktivitĂ€tsverlust ist immens, und die Krankheitswelle wird die Unternehmen teuer zu stehen kommen“, warnt Alexander Markowetz, Juniorprofessor fĂŒr Informatik an der UniversitĂ€t Bonn. (Foto: Barbara Frommann / Uni Bonn)

„Der ProduktivitĂ€tsverlust ist immens, und die Krankheitswelle wird die Unternehmen teuer zu stehen kommen“, warnt Alexander Markowetz, Juniorprofessor fĂŒr Informatik an der UniversitĂ€t Bonn. (Foto: Barbara Frommann / Uni Bonn)

Regeln auch im Privatleben

Auch im Privatleben kann es sinnvoll sein, Spielregeln fĂŒr die Nutzung von GerĂ€ten wie Smartphones festzulegen. Möglich seien Vereinbarungen wie: „Bei gemeinsamen Mahlzeiten bleibt das Smartphone ausgeschaltet.“ Oder: „Ein Tag am Wochenende ist gemeinsamen Unternehmungen ganz ohne digitale Medien vorbehalten.“

Dazu wieder Iris Dohmen vom TÜV Rheinland: „Teilnehmer in unseren Seminaren berichten unter anderem darĂŒber, dass sie sich selbst ĂŒberlisten, indem sie freitags oder vor dem Urlaub ihr Smartphone im Schreibtisch einschließen. So kommen sie gar nicht erst in Versuchung, in der Freizeit die E-Mails zu checken. Diese zeitweise digitale Abstinenz wird als sehr entspannend empfunden.“

Ein Tag am Wochenende ganz ohne Smartphones und Ă€hnliche GerĂ€te ist laut dem TÜV Rheinland gut fĂŒr die Gesundheit. (Foto: TÜV Rheinland)

Ein Tag am Wochenende ganz ohne Smartphones und Ă€hnliche GerĂ€te ist laut dem TÜV Rheinland gut fĂŒr die Gesundheit. (Foto: TÜV Rheinland)

Quellen: TÜV Rheinland, UniversitĂ€t Bonn

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Hartmut Schumacher   Redakteur

Hartmut ist ganz vernarrt in Smartphones und Tablets. Allerdings hielt er auch schon Digitaluhren fĂŒr eine ziemlich tolle Erfindung. Er betrachtet Gedankenstriche als nĂŒtzliche Strukturierungsmittel – und schreibt nur gelegentlich in der dritten Person ĂŒber sich selbst.