Überwachung: Deutsche Gerichte zurückhaltend, Einzelhandel in der Offensive

Daniel Kuhn 17. Juli 2013 0 Kommentar(e)

Big Brother is watching you – zumindest immer öfter. In einer neuen Statistik ist nun ans Tageslicht gekommen, dass die deutschen Gerichte die Überwachung des Internetverkehrs bisher nur äußerst selten anordnen. Dagegen könnte der Einzelhandel bald zu ähnlichen Mitteln wie Online Shops greifen um das Verhalten der Kunden zu beobachten – Smartphones mit WLAN sei Dank.

infografik-Überwachung

George Orwell hatte in 1984 ein Szenario geschildert, in dem jeder Bürger vom Staat überwacht wird. In Zeiten des PRISM-Skandals scheint dies bereits Realität zu sein, allerdings nur seitens der NSA – der deutsche Rechtsstaat gibt sich hier noch deutlich zurückhaltender. Laut einer neuen Statistik wurde von deutschen Gerichten 2011 in 5.516 Verfahren eine Überwachung der Telekommunikation angeordnet, was einen Anstieg von 65 Prozent gegenüber dem Jahr 2000 bedeutet. Daraus gingen 17.568 Anordnungen zur Überwachung von Mobilfunk- und 3621 Anordnungen zur Überwachung von Festnetzkommunikation hervor. Die Internetkommunikation wurde nur in 1345 Fällen überwacht, was im Vergleich zum Vorjahr zwar immerhin einen Anstieg von 30 Prozent bedeutet, insgesamt aber einen sehr niedrigen Wert darstellt. Die gesammelten Daten können in diesem Google Doc nachgelesen werden.

Dies ist aber längst kein Grund die Sache auf die leichte Schulter zu nehmen – denn auch wenn die Überwachung verdächtiger Personen durch den Staat noch irgendwie nachvollziehbar ist, wird es aber auch für unverdächtige Normalbürger immer schwieriger nicht ausspioniert zu werden – allerdings vom Einzelhandel. Wer Online einkauft muss sich damit abfinden, dass die eigenen Bewegungen von großen Händlern wie Amazon und Co. aufgezeichnet und analysiert werden. Ein ähnliches Szenario findet sich inzwischen aber auch im scheinbar sicheren Einzelhandel wieder.

Wie die New York Times berichtet, haben erste Handelsketten begonnen das WLAN-Signal der von Smartphones der Kunden aufzuzeichnen. In Kombination mit speziellen Videokameras lassen sich so recht akkurate Bewegungsprofile erstellen. Die daraus resultierenden Kundenprofile geben dem Verkäufer Aufschluss über das Kaufverhalten einzelner Kunden – also wie lange er zum Beispiel vor einem Regal stand, bevor er sich zum Kauf entschlossen hat, in welchem Bereich er sich am längsten aufgehalten hat und natürlich Basisinformationen wie das Geschlecht des Kunden.

American Apparell, Nordstrom und Benetton gehören zu den Ketten, die diese Analysehilfen bereits testen. Sie erhoffen sich somit den bisherigen Nachteil gegenüber Online-Händlern wett zu machen. Die Industrie selber steht dem Ausspionieren der Kunden natürlich entspannt gegenüber, als Konsumenten kann einem da allerdings nur ein kalter Schauer den Rücken runter laufen. Schöne neue Welt!

Quellen: Statista und New York Times (via Der Standard)

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