Was verrät dein Auto über dich?

Hartmut Schumacher 29. November 2015 0 Kommentar(e)

Wenn du dich für vernetzte Autos interessierst, dann bist du damit in guter Gesellschaft: 76 Prozent der West- und Mitteleuropäer teilen dieses Interesse. 88 Prozent machen sich allerdings Sorgen um die persönlichen Daten, die solche Fahrzeuge sammeln.
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Der internationale Automobilverband FIA hat untersucht, welche Daten vernetzte Fahrzeuge aufzeichnen und an ihre Hersteller übermitteln. (Grafik: FIA )

Der internationale Automobilverband FIA hat untersucht, welche Daten vernetzte Fahrzeuge aufzeichnen und an ihre Hersteller übermitteln. (Grafik: FIA )

Vernetzte Autos, Connected Cars, smarte Autos – egal, wie du sie nennst: Derartige Fahrzeuge empfangen nicht nur Informationen über das Internet, sondern senden auch ihrerseits Informationen. Das weckt natürlich Befürchtungen bezüglich der Privatsphäre und des Datenschutzes.

Der internationale Automobilverband FIA (Federation Internationale de l’Automobile) hat anhand zweier Autos (ein Benziner und ein Elektromodell) untersucht, welche Daten die Fahrzeuge aufzeichnen und an ihre Hersteller übertragen. Darüber hinaus hat der Verband eine Umfrage durchgeführt, um herauszufinden, was die Verbraucher tatsächlich von vernetzten Autos halten. Hier die Ergebnisse:

Modell mit Benzinmotor

Das Auto mit konventionellem Antrieb sammelt Informationen über …
• die Dauer, die der Fahrer die unterschiedlichen Fahrmodi verwendet
• das Strafferwerden der Sitzgurte wegen plötzlicher Bremsmanöver
• die Anzahl der Fahrten und die Summe der gefahrenen Kilometer
• die letzten Ziele, die in das Navigationssystem eingegeben wurden
• die maximale Drehzahl des Motors
• den Kilometerstand
• den Status der Scheinwerfer
• persönliche Informationen (unter anderem das Adressbuch), die das Auto durch Synchronisieren mit einem Mobiltelefon erhalten hat

Modell mit Elektromotor

Das  Elektrofahrzeug dagegen sammelt Informationen über …
• die Fahrmodi
• das Aufladen des Akkus, darunter die verwendeten Ladestationen
• die letzten 100 Orte, in denen das Auto geparkt wurde
• die Gelegenheiten, bei denen der Fahrer auf andere Transportmittel (wie Bahn und Bus) umgestiegen ist
• den Kilometerstand

Forderungen: mehr Transparenz und mehr Datenschutz

Die FIA (zu deren Mitgliedern unter anderem der Automobilclub von Deutschland, der Österreichischer Automobil-, Motorrad- und Touring Club sowie der Automobil Club der Schweiz gehören) fordert, dass Fahrzeughersteller für jedes ihrer Modelle eine Liste veröffentlichen, in der angegeben ist, welche Daten das Fahrzeug sammelt, verarbeitet, speichert und überträgt. Darüber hinaus sollen Autohersteller sich verpflichten, aktuellste Datensicherheitsmaßnahmen zu ergreifen. Und nicht zuletzt sollen die Besitzer der Autos die Möglichkeit haben, auf einfache Art und Weise das Sammeln und Übermitteln diejenigen Daten zu unterbinden, die nicht absolut notwendig für den Betrieb des Fahrzeugs sind.

Die Forderungen der FIA: „Fahrzeughersteller sollen für jedes ihrer Modelle eine Liste veröffentlichen, in der angegeben ist, welche Daten das Fahrzeug sammelt, verarbeitet, speichert und überträgt.“

Die Forderungen der FIA: „Fahrzeughersteller sollen für jedes ihrer Modelle eine Liste veröffentlichen, in der angegeben ist, welche Daten das Fahrzeug sammelt, verarbeitet, speichert und überträgt.“

Umfrage: Interesse und Sorgen

An der Umfrage haben etwa 12.000 Verbraucher in folgenden Ländern teilgenommen: Deutschland, Österreich, Niederlande, Belgien, Frankreich, Großbritannien, Italien, Spanien, Dänemark, Finnland, Polen und Tschechien.

76 Prozent der Befragten zeigen sich aufgeschlossen gegenüber vernetzten Autos: 6 Prozent besitzen tatsächlich bereits ein derartiges Fahrzeug. 18 Prozent werden beim nächsten Fahrzeugkauf zu einem vernetzten Modell greifen. Und 52 Prozent sagen immerhin: „Ich interessiere mich für vernetzte Autos.“

Der Hauptgrund für den Kauf eines vernetzten Autos ist die erhöhte Sicherheit. Auf Platz zwei und drei folgen die höhere Effizienz beim Verbrauch von Energie und das Vermeiden von Staus.

91 Prozent möchten die Vernetzungsfunktionen selbst ein- und ausschalten können.

Sorgen machen sich die Verbraucher um das Weitergeben von privaten Daten (88 Prozent), die kommerzielle Verwendung der gesammelten Daten (86 Prozent), Datendiebstahl (85 Prozent) und das Sammeln von Informationen über ihre Aufenthaltsorte (70 Prozent).

95 Prozent der Befragten erwarten vom Gesetzgeber, dass er Schritte unternimmt, um die Daten der Autofahrer zu schützen.

Quellen: FIA, FIA – My Car My Data

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Hartmut Schumacher   Redakteur

Hartmut ist ganz vernarrt in Smartphones und Tablets. Allerdings hielt er auch schon Digitaluhren für eine ziemlich tolle Erfindung. Er betrachtet Gedankenstriche als nützliche Strukturierungsmittel – und schreibt nur gelegentlich in der dritten Person über sich selbst.