WhatsApp macht uns taub

Hartmut Schumacher 20. Dezember 2015 0 Kommentar(e)

Gleichzeitig lesen und hören: Das klappt meist nicht. – Smartphone-Benutzer nehmen daher oft ihre Umwelt nicht richtig wahr.
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Die Sinne Hören und Sehen teilen sich „begrenzte neuronale Ressourcen“. Dadurch kann eine Unfähigkeit entstehen, akustische Signale wahrzunehmen, während das Gehirn mit dem Verarbeiten optischer Signale beschäftigt ist. (Foto: Alvimann)

Die Sinne Hören und Sehen teilen sich „begrenzte neuronale Ressourcen“. Dadurch kann eine Unfähigkeit entstehen, akustische Signale wahrzunehmen, während das Gehirn mit dem Verarbeiten optischer Signale beschäftigt ist. (Foto: Alvimann)

Freunde starren weiter auf ihr Smartphone und reagieren einfach nicht, wenn du sie ansprichst? Das liegt nicht etwa daran, dass sie dich absichtlich nicht beachten. Vielmehr hören sie dich wirklich nicht.

Entnehmen lässt sich dies einer wissenschaftlichen Untersuchung von vier britischen Forschern, die soeben im „Journal of Neuroscience“ veröffentlicht wurde. Diese Studie mit dem Titel „Inattentional Deafness: Visual Load Leads to Time-Specific Suppression of Auditory Evoked Responses“ beschäftigt sich mit dem Phänomen der „Unaufmerksamkeitstaubheit“. Darunter versteht man die Unfähigkeit, akustische Signale wahrzunehmen, während das Gehirn mit dem Verarbeiten optischer Signale beschäftigt ist.

Das liegt daran, dass die Sinne Hören und Sehen sich „begrenzte neuronale Ressourcen“ teilen. Gehirn-Scans von 13 Versuchspersonen bewiesen, dass die Reaktionen ihres Gehirns auf akustische Signale deutlich verringert waren, wenn sie mit einer anspruchsvollen optischen Aufgabe beschäftigt waren.

Erklärung für Alltagsphänomen

Dr. Maria Chait, eine der Autorinnen der Untersuchung, erläutert: „Die Gehirn-Scans zeigten, dass die Menschen die Geräusche nicht einfach nur ignorierten oder ausfilterten, sondern sie tatsächlich von vornherein nicht hören konnten.“

Professorin Nilli Lavie, die ebenfalls an der Untersuchung beteiligt war, ergänzt: „Unaufmerksamkeitstaubheit ist eine übliche Erfahrung m Alltag, und jetzt wissen wir, warum. Wenn Sie beispielsweise versuchen, mit jemandem zu reden, der sich auf ein Buch, ein Spiel oder eine Fernsehsendung konzentriert, und Sie keine Antwort erhalten, dann ignoriert er Sie nicht unbedingt, sondern hört Sie möglicherweise tatsächlich nicht! Dies könnte auch erklären, warum man die Ansage über die nächste Bahn- oder Busstation nicht hört, wenn man sich auf sein Handy, sein Buch oder seine Zeitung konzentriert.“

Professorin Nilli Lavie: „Wenn Sie beispielsweise versuchen, mit jemandem zu reden, der sich auf ein Buch, ein Spiel oder eine Fernsehsendung konzentriert, und Sie keine Antwort erhalten, dann ignoriert er Sie nicht unbedingt, sondern hört Sie möglicherweise tatsächlich nicht!“ (Foto: Hickleton)

Professorin Nilli Lavie: „Wenn Sie beispielsweise versuchen, mit jemandem zu reden, der sich auf ein Buch, ein Spiel oder eine Fernsehsendung konzentriert, und Sie keine Antwort erhalten, dann ignoriert er Sie nicht unbedingt, sondern hört Sie möglicherweise tatsächlich nicht!“ (Foto: Hickleton)

Quellen: Bitkom, University College London, University College London

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Hartmut Schumacher   Redakteur

Hartmut ist ganz vernarrt in Smartphones und Tablets. Allerdings hielt er auch schon Digitaluhren für eine ziemlich tolle Erfindung. Er betrachtet Gedankenstriche als nützliche Strukturierungsmittel – und schreibt nur gelegentlich in der dritten Person über sich selbst.