Eyeriss: Neuer 168-Kern-Chip bringt KI-Technik in dein Smartphone

Redaktion 12. Februar 2016 1 Kommentar(e)

Sie übersetzen Sprachen, navigieren uns durch fremde Städte und dienen unserer Unterhaltung: Smartphones sind zu den „Schweizer Taschenmessern“ unserer Zeit geworden. Die meisten Rechenaufgaben erledigen unsere mobilen Begleiter aber nicht lokal, sondern brauchen die Hilfe riesiger Serverfarmen. Nachteil: eine konstante Internetverbindung ist unabdingbar. Der Eyeriss-Computerchip will diese Beschränkung aufheben – mithilfe hochmoderner KI-Technologie. 

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Entwickelt wurde der Prozessor vom renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT) und bringt die Deep Learning-Fähigkeiten von neuronalen Netzwerken in Smartphones und Tablets. Normalerweise eignen sich solche Netzwerke nicht für den Gebrauch in Mobilgeräten, da die Technologie ressourcenhungrig ist und einen enormen Energiebedarf besitzt. Viele moderne neuronale Netzwerke basieren etwa auf der Verkettung von hunderten GPUs und müssen teilweise mit Wasser gekühlt werden – unmöglich, diese Technik in kleinen Smartphones, Tablets oder IoT-Geräten (Internet of Things) unterzubringen.

Um diese Hürde zu überwinden, haben sich die Forscher vom MIT eines Tricks beholfen: Ihr Eyeriss-Chip besitzt zwar 168-Kerne, jedes dieser „Neuronen“ besitzt allerdings einen eigenen Speicher. Darüber hinaus werden Daten beim Ein- und Ausgang komprimiert und die einzelnen Kerne können direkt untereinander kommunizieren, ohne etwa den Umweg über ein zentrales Speichermanagement gehen zu müssen. Ein speziell entwickelter Schaltkreis sorgt außerdem dafür, dass die Cores immer genügend Arbeit zu tun haben. Das Ergebnis: Der Eyeriss-Prozessor soll laut MIT zehnmal weniger als eine GPU verbrauchen, die bereits heute in handelsüblichen Smartphones zum Einsatz kommt.

Im Visier der großen Chiphersteller

Ob und wann die vom MIT entwickelte Eyeriss-Technik in unseren Smartphones Einzug hält, ist bislang noch nicht bekannt. Die großen Chiphersteller wie Qualcomm, Intel oder MediaTek dürften die Entwicklung aber mit Argusaugen beobachten – und gegebenenfalls die komplette Technologie übernehmen oder lediglich die Forscher, die am Projekt beteiligt sind. In der Praxis könnten Smartphones auf Basis der Eyeriss-Technik dann diverse Aufgaben lokal bewältigen, für die heute noch eine Internetverbindung vonnöten ist: Gesichtserkennung beispielsweise, Echtzeit-Übersetzung und vieles weitere mehr.

Quelle und Bilder: MIT News, via: Engadget

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