Kehrtwende bei Qualcomm: 64 Bit-Prozessoren sind doch kein Marketing-Gag

Tam Hanna 10. Oktober 2013 1 Kommentar(e)

QualComms Management ist seit jeher für spontane Keifereien bekannt – vor einigen Tagen bekundete der SVP des Unternehmens, dass der von Apple eingeführte 64bit-Prozessor für Endkunden keine wesentlichen Vorteile bringen würde.

Sprzifisch sprach Chandrasekher davon, dass Apples neu eingeführte 64bit-CPU ein Marketinggimmick mit wenig bis keinem Mehrwert für debn Endkunden sei (siehe hier).

Apple's iPhone 5S hat einen 64bit-Prozessor - dieser Fakt hat im Blätterwald für heftiges Rauschen gesorgt...

Apple’s iPhone 5S hat einen 64bit-Prozessor – dieser Fakt hat im Blätterwald für heftiges Rauschen gesorgt…

Laut AndroidAuthority beginnt das Unternehmen nun damit, zurückzurudern. Die aktuellste Aussage aus dem Hause QualComm liest sich so:

Die Aussagen von Anand Chandrasekher zu 64bit-Prozessoren waren inakkurat. Sowohl die Handyhardware als auch die Entwicklerschaft bewegen sich in Richtung von 64bit; die Steigerung der Registerbreite bringt „desktop-class“-Anwendungen auf Smartphones. Zudem ermöglichen 64bit-Prozessoren, dass Handy-CPUs in Zukunft neue Gerätearten antreiben.

Nach Meinung des Autors ist diese Aussage nur sekundär für „allgemeine“ Konsumation vorgesehen – sie richtet sich viel mehr an die Betreiber von kleinen und großen Serverfarmen. Das ist besonders klar am englischen Originaltext zu sehen, der hier in gekürzter Form wiedergegeben ist:

The comments made by Anand Chandrasekher . . . enabling mobile processors and software to run new classes of computing devices.

Prozessoren für Smartphones und Desktops sind aufgrund des enormen Konkurrenzdrucks alles andere als margenträchtig. Als Anbieter von ARM-Prozessoren hat QualComm im Desktopbereich sowieso nichts zu melden – seit fast 20 Jahren verlaufen alle Versuche, die Prozessorarchitektur im Desktopbereich zu verankern, über kurz oder lang im Sand. Das liegt unter Anderem an der Dominanz von x86 – es gibt kaum ein Desktopprogramm, das auch für ARM-Chips verfügbar ist.

Im Serverbereich sieht die Lage völlig anders aus. Bei 24 Stunden pro Tag laufenden Systemen ist der Energieverbrauch der wichtigste Kostenfaktor. Er treibt nämlich nicht nur den Stromzähler an: ist mehr Energie erforderlich, so müssen auch USV und Kühlung aufgestockt werden. Die meisten Server arbeiten massiv paralelle Aufgaben ab. Dabei ist die Leistung des einzelnen Kerns weitaus weniger wichtig als die vom Gesamtsystem bereitgestellte Rechenkraft. Diese Situation spielt ARM-Prozessoren naturgemäß in die Hand, da sie aufgrund der einfacheren internen Architektur bei der Fertigung weniger Probleme verursachen.

Es wäre durchaus vorstellbar, dass die Betreiber von Clustern Teile ihrer Software auf ARM-Prozessoren umkompilieren, wenn dies einen ausreichenden Vorteil in Sachen Stromverbrauch verspricht. Leider ist es dazu zwingend notwendig, mehr als 4GB Speicher adressieren zu können – bei Serverprozessoren ist mit einem 32bit-Befehlssatz schon lange kein Blumentopf mehr zu gewinnen.

Somit wäre es durchaus vorstellbar, dass QualComm’s Rückzug primär zur Beruhigung der diversen Serverhersteller erfolgt. Aufgrund der vergleichsweise langen Produktzyklen im Halbleitermarkt ist es unwahrscheinlich, dass Systemhäuser die aufkommenden Chips noch nicht analysiert haben – die (für den Consumerbereich zutreffenden) Aussagen des SVPs hätten in diesem Geschäft verheerende Auswirkungen.

Denkt ihr, dass sich QualComm Chancen im Servermarkt ausrechnet? Oder will die PR-Agentur nur Schadensbegrenzung betreiben? Eure Meinung interessiert uns – bitte hinterlasst uns ein Kommentar…

Quelle: AndroidAuthority

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Tam Hanna   Redakteur

Tam Hanna entwickelt Software für verschiedene Plattformen, beschäftigt sich mit Mobilgeräten und Prozessrechnern und betreibt einen YouTube-Channel mit zehnminütigen Clips zu Interessantem und Lehrreichem aus der Welt der Elektronik.

 

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