RoboRoach#13: Fragwürdiger Bausatz ermöglicht Fernsteuerung von Küchenschaben übers Smartphone

Redaktion 16. Oktober 2013 2 Kommentar(e)

Gegen den eigenen Willen ferngesteuert zu werden, ist eine grauenhafte Vorstellung – mit der RoboRoach#13 wird diese aber wahr. Der fragwürdige Bausatz ermöglicht die Fernsteuerung von Küchenschaben übers Smartphone. 

Wie weit ist zu weit? Diese nicht ganz einfach Frage muss sich die Forschung immer wieder aufs neue stellen. Neustes Beispiel des Balanceakts zwischen dem wissenschaftlich Machbaren und ethisch Vertretbaren ist die RoboRoach#13. Die einfache Schabe kann mittels eines neurobiologischen Bausatzes vom Smartphone aus ferngesteuert werden.

Laut Wikipedia ist ein Zombie ein zum Leben erweckter Untoter oder ein seines Willens beraubten Wesen.  Nun ist die Schabe, die Anfang auf der TEDx-Konferenz in Detroit auf dem Boden krabbelte kein Untoter – ihres eigenen Willens beraubt war sie allerdings schon. Die rund fünf Zentimeter große argentinische Schabe trug eine Art elektrischen Rucksack auf dem Rücken, der mit dem Insekt verbunden war und dafür sorgte, dass sie ihren Willen verlor und vom Smartphone aus ferngesteuert werden konnte. Wischte man auf dem Touchscreen nach rechts, krabbelte die Schabe nach rechts. Wisch man nach links, so krabbelte sie nach links.

Die RoboRoach, samt elektrischem Rucksack zum Fernsteuern, in Aktion. (Bild: Backyard Brains)

Die RoboRoach, samt elektrischem Rucksack zum Fernsteuern, in Aktion. (Bild: Backyard Brains)

Greg Gage und Tim Marzullo, die beiden Erfinder des Bausatzes, wollen mit ihrer Firma Backyard Brains Lernmaterialien rund um das Gehirn bereitstellen. Die Intention der beiden Ingenieure sei es, Schülern ab zehn Jahren neurobiologische Grundlagen näher zu bringen.

Erste Protoytpen der Zombie-Schabe entstanden bereits vor mehr als zwei Jahren. Inzwischen gibt es im Netz sogar Bastelanleitungen zum Nachmachen. Dazu muss das Insekt erst einmal in Eiswasser betäubt werden, dann wird die Elektronik angebracht: eine Leitung wird in den Thorax des Insekts eingeführt und zwei dünne Silberelektronen an die Antennen der Schabe – fertig. Über eine  Bluetooth-Verbindung lässt sich dann steuern, welche elektrischen Impulse die Fühler der Schabe erhalten.

Eine genaue Anleitung, wie aus einer einfachen Schabe die „RoboRoach“ wird, seht ihr unten. Allerdings muss ich drauf hinweisen, dass das Video nichts für eher schwache Nerven ist und man so manch eklige Szene sieht:

Im Juni schon, als Gage und Mazullo über 12.000 Dollar bei Kickstarter eingesammelt haben, gab es bereits ethische Kontroversen. Die Präsentation auf der TEDx und baldige Auslieferung der Bausätze sorgte für ein neuerliches Aufflammen der Diskussion. „Amateure würden aufgrund von RoboRoach dazu motiviert, an lebenden Organismen invasiv herumzubasteln“, kritisiert etwa der Philosoph und Ethiker Michael Allen Fox von der kanadischen Queen’s University. Trotz einer Flut von Protest-E-Mails sehen die beiden Erfinder die Sache aber naturgemäß etwas gelassener und verweisen darauf, dass die Tiere auch mit elektrischem Rucksack noch viele Dinge tun können, die sie gerne machen: „Babys machen, fressen und kacken“.

Ab November soll man den neurobiologischen Bausatz für nur 99 Dollar kaufen können. Besorgte Hobby-Dr. Frankensteins, die sich jetzt noch fragen, woher sie das passende Insekt nehmen sollen, können aber beruhigt sein: eine lebendige Schabe wird im Set direkt mitgeliefert.

Eure Meinung zur RoboRoach: Gute Idee, um Kindern mehr über Neurobiologie beizubringen? Oder sinnlose Tierquälerei? 

Quelle: Backyard Brains (via derStandard)

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