Samjiyon SA-70: Tablet aus Nordkorea ist besser als erwartet

Redaktion 12. November 2013 3 Kommentar(e)

iPad Air? Nexus 7? Alles viel zu langweilig! Wieso nicht mal etwas exotisches ausprobieren? Für Trendsetter gibt es jetzt das Samjiyon SA-70. Trotz Hohn und Spott ist das Tablet aus Nordkorea besser als erwartet. 

Vor Weihnachten stehen viele wieder vor der berühmten Qual der Wahl: Ein Tablet soll es sein, ja, aber welches? Der Beschenkte soll ja schließlich lange Freude an seinem neuen Gadget haben und es nicht nach ein paar Wochen in der Ecke verstauben lassen. Natürlich kann man auf die sichere Seite gehen und zu Apple, Samsung und Co. greifen, doch wieso nicht mal etwas neues ausprobieren? Wieso nicht mal Trendsetter sein und zu etwas exotischem greifen? Zum Beispiel zum Samjiyon SA-70 – einem Tablet aus Nordkorea.

Zugegeben, die Einleitung war natürlich nicht ganz ernst gemeint war, denn immerhin kann man das Samjiyon SA-70 hierzulande gar nicht kaufen. Dennoch ist es erstaunlich, dass der kommunistische Norden der geteilten Halbinsel ein funktionierendes Tablet hat entwickeln können – schließlich sprechen wir hier von eines der ärmsten und abgeschottetsten Länder der Erde. Aber was kann man von einem Tablet aus einem Land erwarten, dessen Wirtschaft so am Boden liegt, dass die 24 Millionen Einwohner regelmäßig Hungersnöte zu erleiden haben? Anscheinend mehr als angenommen.

Keine Peinlichkeit

Rüdiger Frank, Nordkorea-Experte der Universität Wien, hat sich das Samjiyon SA-70 mal etwas genauer angeschaut und einen tatsächlich auch ernst gemeinten Produkttest zum 7 Zoll Tablet veröffentlicht. „Daumen hoch“, so das Fazit des regelmäßigen Besuchers der kommunistischen Diktatur. Zwar könne das Samjiyon SA-70 natürlich nicht mit Platzhirschen wie iPad Air oder Nexus 7 mithalten, doch für umgerechnet 180 Euro bekommt man ein Tablet, was zumindest keine Peinlichkeit sein soll.

„Nach einigen Tagen intensiver Nutzung kann ich sagen, dass es sich wirklich um einen der seltenen Momente in meinem Leben als Verbraucher handelt, in dem ich mehr für mein Geld bekommen habe als zunächst erwartet.“, so Frank in seiner Review.

 

Das Samjiyon SA-70: Eines der ersten Tablets aus Nordkorea ist besser als erwartet. (Bild: Rüdiger Frank)

Das Samjiyon SA-70: Eines der ersten Tablets aus Nordkorea ist besser als erwartet. (Bild: Rüdiger Frank)

Ein Tablet für die Elite – ohne Internetzugang

Zu den technischen Daten des Samjiyon SA-70 gehören u.a. ein 7 Zoll Display mit einer Auflösung von 800 x 480 Pixeln, ein 1 Ghz. schneller Prozessor, eine 2 Megapixel Webcam, 1 GB Arbeitsspeicher, 4 GB internen Speicher und ein Kartenslot für microSD-Karten. Zur Speichererweiterung liegt dem Gerät direkt noch eine 8 GB Speicherkarte – da hatte Kim Jong-un wohl die Spendierhosen an. Das Tablet läuft auf Android 4.0.4 „Ice Cream Sandwich“ und hat ganze 488 Apps vorinstalliert. Darunter Klassiker wie Angry Birds, aber auch ein „voll funktionsfähiges“ Microsoft-Office-Paket, ein Musikplayer, eine Spracherkennung à la Siri, ein PDF-Reader sowie Wörterbücher und Enzyklopädien, die laut Wiener Professor eine hohe Qualität haben sollen.

Ein „bemerkenswertes Gerät“ und „ungemein nützlich“ sei das Tablet zwar, einen Haken gibt es allerdings dennoch: das Samjiyon SA-70 kann sich nicht mit dem Internet verbinden. Das Gerät ist zwar darauf ausgelegt, sich mit dem zensierten nordkoreanischen Intranet zu verbinden, doch im Test gelang auch das nicht. „Es ist ein nützliches und unterhaltendes Gerät für eine Minderheit in einem totalitären System mit einer alles beherrschenden Ideologie.“, wie Professor Frank weiter schreibt.

Besser als erwartet – meint ihr, wir werden in Zukunft mehr Tablets aus Nordkorea sehen? Vielleicht sogar Europa kaufen können?

Quelle: 38north.org (via der Standard)

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