Versteckte Kosten von Gratis-Apps

Hartmut Schumacher 26. April 2015 1 Kommentar(e)

Jeder mag kostenlos erhältliche Apps. Sehr oft aber verursachen sie heimlich doch Kosten. Eine wissenschaftliche Untersuchung hat das genauer unter die Lupe genommen.
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Apps mit Werbung benötigen durchschnittlich 16 Prozent mehr Strom – und rufen   79 Prozent mehr Daten über das Internet ab. (Grafik: University of Southern California, Molly Zisk)

Apps mit Werbung benötigen durchschnittlich 16 Prozent mehr Strom – und rufen 79 Prozent mehr Daten über das Internet ab. (Grafik: University of Southern California, Molly Zisk)

Sehr viele kostenlose Apps sind nicht tatsächlich kostenlos – weil sie Werbung anzeigen. Und das Abrufen und Anzeigen dieser Werbung, obwohl natürlich nicht verwerflich, kostet Strom, verlangsamt den Prozessor und knabbert das Datenvolumen an.

Genauer untersucht haben dies vier Wissenschaftler der University of Southern California, des Rochester Institute of Technology und der Queen’s University für ihre Studie „Truth in Advertising: The Hidden Cost of Mobile Ads for Software Developers“, die sie im Mai auf der International Conference on Software Engineering in Italien vorstellen werden.

Bis zu 33 Prozent höherer Stromverbrauch

Die wichtigsten Erkenntnisse dieser Studie: Apps mit Werbung benötigen durchschnittlich 16 Prozent mehr Strom (und im Extremfall bis zu 33 Prozent mehr). Das verringert die Laufzeit eines Smartphones von beispielsweise 2,5 auf 2,1 oder 1,7 Stunden.

Darüber hinaus benötigen Apps mit Werbung etwa 50 Prozent mehr Prozessorleistung – und verlangsamen so das Smartphone. Zudem belegen sie durchschnittlich 22 Prozent mehr Speicherplatz.

Und nicht zuletzt rufen Apps mit Werbung durchschnittlich 79 Prozent mehr Daten über das Internet ab (was nach den Berechnungen der Studie – unter Berücksichtigung der Mobilfunkpreise in den USA – pro Benutzung der App 1,7 US-Cents kostet).

Schlechtere Bewertungen durch die Benutzer

Diese zusätzlichen Kosten und Frustrationen führen dazu, dass Anwender Apps mit Werbung weniger gut bewerten als Apps ohne Werbung. Was wiederum bei einer 5-Sterne-Bewertungsskala zu einer durchschnittlich 0,003 Sterne niedrigeren Bewertung der Apps führt.

„Absolut gesehen ist dies sehr wenig, aber in der überfüllten und hart umkämpften Welt der Apps ist es ein großer Unterschied“, erläutert William Halfond, einer der Wissenschaftler, der an der Studie beteiligt ist. „Es kann entscheidend dafür sein, ob Ihre App heruntergeladen wird oder aber unbeachtet bleibt.“

Tipp: Internet ausschalten

Ein kleiner Tipp, um zumindest den Datenhunger der werbeunterstützten Apps einzudämmen: Viele Apps, die eigentlich Werbung anzeigen, verzichten darauf und funktionieren dennoch, wenn du einfach den Internet-Zugang deines Smartphones ausschaltest.

Quellen: University of Southern California, William Halfond

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Hartmut Schumacher   Redakteur

Hartmut ist ganz vernarrt in Smartphones und Tablets. Allerdings hielt er auch schon Digitaluhren für eine ziemlich tolle Erfindung. Er betrachtet Gedankenstriche als nützliche Strukturierungsmittel – und schreibt nur gelegentlich in der dritten Person über sich selbst.