Angriff der Selfie-Drohnen

Martin Reitbauer 25. Oktober 2015 0 Kommentar(e)

Sie dachten, der Selfie-Trend sei am Abflachen? Weit gefehlt – er hebt erst richtig ab! Statt Smartphones und Selfie-Sticks, kommen jetzt Flugdrohnen zum Einsatz – die ihr Motiv von selbst aufs Korn nehmen und ihm sogar folgen.

shutterstock_100439002[Daniel Hjalmarson]

 

Handelt es sich tatsächlich um die „Neuerfindung der Kamera“, wie ein Drohnenhersteller schwärmt? Wenn man die fertigen Aufnahmen in denWerbe-Videos sieht, könnte man es fast glauben. Da steht eine Familie auf der grünen Wiese, sieht nach oben und dreht sich lachend mit der Kamera – die sie in mehreren Metern Flughöhe umkreist. Dann sehen wir einen Sportler, der im Paddelboot einen reißenden Fluss hinunterfährt – die Kamera filmt in der Bewegung mit mehreren Metern Abstand von vorne.

Die Bilder wirken wie Helikopter-Einstellungen in Film und Fernsehen – schon bald soll solche Aufnahmen aber jeder herstellen können, der bereit ist, ein paar Hundert Euro für eine Selfie-Drohne hinzublättern. Im Unterschied zu „gewöhnlichen“ Drohnen für den Privatgebrauch, die ja auch zumeist mit Kameras ausgestattet sind, richtet die Selfie-Drohne ihr Objektiv automatisch auf den Nutzer. Diesen erkennt es an einem per WLAN gekoppelten Smartphone oder über einen Handsender, der mitgeführt wird.

Wie bei ausgefallenen Gadgets üblich wird die Entwicklung von Selfie-Drohnen von Startups und Crowdfunding-Projekten gestützt, die sich Risikokapital von Kleinin­vestoren holen: Für herkömmliche Hardware-­Fabrikanten ist das Terrain noch zu holprig. So ist derzeit auch nur ein einziges Modell auf dem Markt – die „Zano“ der britischen Torquing Group. Andere Modelle kann man vorbestellen, geliefert wird aber erst ab Ende 2015. Interessenten scheint das nicht abzuschrecken: Die Drohnen-Projekte haben jeweils Millionen an Kapital gesammelt.

So funktioniert Lily, die fliegende Knipse

KOPPELN

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Das größte der hier vorgestellten Geräte (Lily) ist 1,3 Kilo schwer. Vor dem Start wird es mit dem Ortungs­gerät gekoppelt, das der Nutzer bei sich trägt.

 

WERFEN

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Als nächstes werfen Sie die Drohne einfach in die Luft – nach einer Sekunde fangen die Rotoren automatisch an, zu drehen und die Kamera fliegt.

 

BEWEGEN

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Über das Ortungsgerät stellen Sie ein, ob die Drohne Ihnen seitlich folgt, mit Blick nach hinten vorausfliegt oder sie bei der Aufnahme umkreist.

 

AUFNAHME

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Da Lily hauptsächlich für Outdoor-Sportler gedacht ist, kann sie auch Videos mit höherer Frame-Zahl aufnehmen – bis zu 120 Bilder pro Sekunde sind möglich. Das erlaubt flüssige Zeitlupenaufnahmen auch bei schneller Action. Ein voller Akku reicht für eine Flug- und Aufnahmezeit von 20 Minuten.

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Die Selfie-Könige der Lüfte

Lily Drone

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Diese Selfie-Drohne wird im Rahmen eines Crowdfunding-Projekts entwickelt und soll ab Mai 2016 lieferbar sein. Sie schießt Videos in 1080p (Full-HD) und Fotos mit 12 MP. Der Nutzer trägt ein GPS-Gerät am Handgelenk, so kann die Drohne ihn orten und die Kamera auf ihn richten. Dabei kann sie dem Motiv folgen, ihm vorausfliegen oder es umkreisen.

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Nixie

Nixie_Freisteller

Nixie ist eine Mischung aus Kameradrohne und Armband – fliegt das Gerät nicht gerade Selfies schießend durch dir Lüfte, schlingt es sich um das Handgelenk des Nutzers. In der Luft kann die Drohne bis zu zehn Minuten bleiben.Sie erraten es: Das Produkt hat die Marktreife noch nicht erreicht, allerdings haben die Macher letztes Jahr den ersten Preis von Intels Wearable-Wettbewerb eingeheimst.

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Zano

zano_freisteller

Diese fliegende Knipse ist die einzige, die auch tatsächlich schon zu bekommen ist – wenn auch in limitierter Stückzahl. Die Drohne hat in der Handfläche Platz und wird mit dem Smartphone per WLAN gesteuert. Sie kann dem Besitzer automatisch folgen und dabei auch Hindernissen ausweichen. Eine App zeigt das Live-Bild und erlaubt Änderungen bei Aufnahmewinkel und Flughöhe.

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Martin Reitbauer   Chefredakteur

Als Chefredakteur von Android Magazin und ANDROID APPS sowie als Redakteur der Plattform-agnostischen Zeitschrift SMARTPHONE ist Martin hauptsächlich mit den Print-Magazinen des Verlags hinter androidmag.de beschäftigt. Ab und an bleibt dennoch Zeit für einen Blog-Artikel. Neben Android gilt seine Begeisterung GNU/Linux und freier Software ganz allgemein.

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