China Phones in Deutschland kaufen: So funktioniert der Handy-Import

19. April 2015 1 Kommentar(e)

Es muss nicht immer Markenware sein: Wer einige M√ľhen auf sich nimmt, kann ein Smartphone aus China importieren ‚Äď doch ist das auch legal?

Foto: Shutterstock (46704946)

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Huawei, Lenovo, Xiaomi – nur eine kurze Auflistung chinesischer Hersteller, die sich in den letzten Monaten und Jahren vom unbeschriebenen Blatt zu bekannten Unternehmen am Smartphone-Markt gemausert haben. Wer etwas genauer sucht, entdeckt im Reich der Mitte aber noch zahlreiche weitere Hersteller, die noch nicht lange am Markt sind, wenig Reputation vorweisen k√∂nnen oder einfach ausschlie√ülich f√ľr den chinesischen Markt planen. Das ist schade, denn Jiayu, Meizu oder auch das hierzulande bereits etwas bekanntere Unternehmen ZTE stellen nicht nur tadellose Smartphones her, auch in preislicher Hinsicht schn√ľren die China-Hersteller meist sehr attraktive Pakete. Viele g√ľnstige und gute Smartphones kennen wir hierzulande gar nicht, denn was in China gut ankommt, muss nicht zwingend den Weg nach Europa finden. Wie also an ein Ger√§t eines hierzulande nicht gelisteten Herstellers kommen?

Grunds√§tzlich ist ein Import aus dem fernen Osten nicht mit allzu gro√üen Schwierigkeiten verbunden, einige Punkte m√ľssen jedoch¬≠¬†beachtet werden. Zun√§chst gilt es, einen vertrauensw√ľrdigen Importeur zu finden. Genau hier driften Anspruch und Wirklichkeit, versprochene Leistungen und die tats√§chlich gelieferte Ware, nicht selten auseinander. Man muss nur die Beitr√§ge in einschl√§gigen Foren lesen, um mit jeder Menge Warnungen und Beschwerden konfrontiert zu werden: Defekte Lieferungen sind keine Seltenheit, aber auch Probleme mit der Lieferung und der Garantieabwicklung.

Viele große chinesische Hersteller beliefern den europäischen Markt noch nicht, Importe aus China sind in diesem Fall die einzige Lösung, um an ein Exemplar zu kommen. (Foto: shutterstock 151631372)

Viele große chinesische Hersteller beliefern den europäischen Markt noch nicht, Importe aus China sind in diesem Fall die einzige Lösung, um an ein Exemplar zu kommen. (Foto: shutterstock 151631372)

Essenziell: der Importeur

Sie sehen also: Wenn Sie einen Smartphone-Eigenimport planen, ist die Wahl des richtigen Shops von Bedeutung. Wir haben uns unter den Importeuren von chinesischen Smartphones umgesehen: Die Garantie gilt in den meisten F√§llen lediglich ein Jahr, w√§hrend beim Kauf von Smartphones √ľber gew√∂hnliche Kan√§le in unseren Breitengraden √ľblicherweise mindestens zwei Jahre geboten werden. Auch ist zu bedenken, dass die Wege nach China weit sind: Sollte tats√§chlich ein Defekt auftreten, sind Wartezeiten bis zu acht Wochen keine Seltenheit. Bei unseri√∂sen Importeuren trafen wir im Zuge der Recherchen auch immer wieder auf dubiose Klauseln zu Selbstbehalten oder Versandkosten.

Handy Import: Zoll & Co: die Kosten

Nebenbei m√ľssen auch die Kosten im Auge behalten werden: Zwar ist die China-Ware durch die Bank recht g√ľnstig, f√ľr Importe fallen aber beim deutschen Zoll 19 % Einfuhrumsatzsteuer an. Dabei ist es unerheblich, ob die Einfuhr durch ein Unternehmen oder durch eine Privatperson erfolgt.

Ab einem Warenwert von 150 Euro muss zus√§tzlich Zoll im eigentlichen Sinne entrichtet werden. Die H√∂he der Zollabgaben schwankt, sie richtet sich nach der Ware selbst, dem Kaufpreis und dem Ursprungsland, also dem Land, aus dem das Smartphone importiert wird. Nach Auskunft der deutschen Zollbeh√∂rden betr√§gt der Zolltarif auf Smartphones und Tablets aber ohnehin null Prozent. Vor dem Kauf l√§sst sich somit recht m√ľhelos errechnen, wie viel das bestellte Smartphone dann effektiv kosten wird – unliebsame √úberraschungen lassen sich so im Vorfeld vermeiden.

Antelife.com: Einschlägige Shops bieten die zu verkaufenden Waren in der Regel in Englisch an, wer kaufen will, sollte also der Sprache mächtig sein.

Antelife.com: Einschlägige Shops bieten die zu verkaufenden Waren in der Regel in Englisch an, wer kaufen will, sollte also der Sprache mächtig sein.

Handy Import: Garantie

Wer sein Schmuckst√ľck aus einer chinesischen Smartphone-Schmiede schlussendlich in H√§nden h√§lt, sollte noch ein paar Dinge wissen. Da ist zun√§chst einmal die Garantieabwicklung: Innerhalb der EU, bei Ger√§ten, die im Einzelhandel oder √ľber den herk√∂mmlichen Weg im Internet bestellt wurden, ist das Garantieprocedere kaum mit Aufwand verbunden: Der Verk√§ufer wird kontaktiert, das Ger√§t retourniert und nach einigen Tagen h√§lt man die Ersatzware oder das reparierte Phone wieder in H√§nden. Hier liegt wohl auch eine der gr√∂√üten Schwachstellen von ¬≠China-Importen: Ein rascher Austausch ist nicht m√∂glich, wie auch der Importeur Tradingshenzhen best√§tigt: Vier bis sechs Wochen nimmt der gesamte Ablauf in der Regel in Anspruch, vorausgesetzt alles l√§uft reibungslos. Das ist ¬≠unseren Recherchen zufolge aber nicht immer der Fall: Von einfach nicht reparierten Smartphones ist in zahlreichen F√§llen ebenso die Rede wie von zus√§tzlichen Kosten f√ľr Versand oder Reparatur. Auch hier zeigt sich wieder: Wenn schon ein China-Ger√§t, dann am besten √ľber einen verl√§sslichen Partner, der sich notfalls der Probleme annimmt.

Lenteen.de: Ausnahmen bestimmen aber die Regel, auch deutschsprachige Shops sind zu finden ‚Äď und bieten teilweise sogar versandkostenfreie Lieferung.

Lenteen.de: Ausnahmen bestimmen aber die Regel, auch deutschsprachige Shops sind zu finden ‚Äď und bieten teilweise sogar versandkostenfreie Lieferung.

Handy Import: Bekomme ich Updates?

Das ist aber noch lange nicht der einzige Haken: Ein von uns importiertes Meizu-Phone kam mit chinesischer Software, die sich zwar auf Englisch einstellen lie√ü, eine deutschsprachige Anzeige der Inhalte war aber nicht m√∂glich. Wer das erreichen will, wird um einen Root und eine alternative Firmware nicht herumkommen, was sich aber mit den Garantiebestimmungen der Hersteller nicht gut vertr√§gt. Und noch ein Punkt ist in dieser Hinsicht von Bedeutung: Software-Updates werden nach Regionen verteilt, ein in China registriertes Smartphone, das in unseren Gefilden ¬≠verwendet wird, muss in der Regel auf Android¬≠Updates verzichten ‚Äď au√üer der K√§ufer setzt auf die bereits erw√§hnten alternativen Firmware-Versionen.

Nicht zu vernachl√§ssigen ist aber auch der rechtliche Aspekt: Bringt ein Hersteller in Deutschland ein neues Ger√§t auf den Markt, ist eine sogenannte Pauschalabgabe zu leisten: Die auch als Urheberrechtsabgabe bezeichnete Verg√ľtung wird als Zuschlag auf den Preis von Ger√§ten zum Anfertigen oder Speichern von Vervielf√§ltigungen berechnet.

Tradingshenzhen.net: Nicht in jedem Online-Shop sind alle Geräte und Unternehmen gelistet, eine Spezialisierung auf einzelne Hersteller ist keine Seltenheit.

Tradingshenzhen.net: Nicht in jedem Online-Shop sind alle Geräte und Unternehmen gelistet, eine Spezialisierung auf einzelne Hersteller ist keine Seltenheit.

Handy Import: Legale Grauzonen

Bei Grauimporten wird diese Abgabe umgangen. Zur Definitionserkl√§rung: Als Grauimport wird der gewerbliche Import von ¬≠ausl√§ndischen Waren auf einem vom Her¬≠steller nicht genehmigten Vertriebsweg bezeichnet. Der Vorteil liegt auf der Hand: Die Ger√§te lassen sich im Ausland, in unserem Fall in China vergleichsweise g√ľnstig erwerben und dementsprechend preiswert an den Endnutzer weitergeben.

Beim taiwanischen Hersteller HTC ist man sich der Problematik bewusst: Wie Jan Costa Thiele, Marketingleiter der DACH-Region, im Gespr√§ch mit dem Android Magazin best√§tigte, betreffen die Grauimporte auch Kernm√§rkte des Smartphone-Gesch√§fts, die momentan aber noch keine entscheidende Rolle spielen. Mit steigenden Verk√§ufen kann sich das selbstverst√§ndlich √§ndern, gegenw√§rtig ist das Ausma√ü aber noch zu klein, um ins Gewicht zu fallen. Das Problem wird bei HTC aber ernst genommen, wie wohl auch bei den anderen gro√üen Herstellern. Die EU m√ľsse mit entsprechenden Richtlinien und Instrumenten der Thematik Herr werden, fordert Thiele, die verschiedenen Industriezweige seien auf die Hilfe des Gesetzgebers angewiesen.

Handy Import: Importieren: Ja oder nein?

Eindeutig Stellung f√ľr oder gegen einen China-Import zu beziehen, ist kaum m√∂glich, zu komplex pr√§sentiert sich die Thematik. Eines ist aber klar: Wer sich daf√ľr entscheidet, ein Smartphone aus China einfliegen zu lassen, sollte sich der Risiken und Schwierigkeiten bewusst sein. Bei Zweifel am Anbieter, bei unseri√∂sen Webseiten und ohne klar definierte Gesch√§ftsbedingungen und Kostenangaben: Finger weg, auch im herk√∂mmlichen Einzelhandel und im Internet stehen schlie√ülich zahlreiche g√ľnstige Smartphones zur Auswahl.

Interview: HTC – Deutschland

Wir haben Jan Costa Thiele, ¬≠seines Zeichens Head of Sales DACH f√ľr HTC, zum Thema ¬≠Grauimporte befragt.

Wie stehen Sie generell zu Grauimporten?

Wir beobachten die Vorgehensweise unserer Konkurrenten aus China sehr genau und ziehen entsprechende R√ľckschl√ľsse. Eine signifikante Zunahme von Marktanteilen ist bisher gro√üteils in M√§rkten zu beobachten, die von uns aktuell nicht priorisiert werden. Die Thematik der Grauimporte hingegen betrifft unsere Kernm√§rkte und stellt durchaus ein √Ąrgernis dar, jedoch ohne dabei eine entscheidende Rolle zu spielen. Es ergeben sich aber offene Fragen bzgl. der Rechtslage im Rahmen der Gew√§hrleistung oder aber der genutzten Software, die sich von Region zu Region unterscheiden kann und damit Einfluss auf die ausgelieferten Updates hat.

Kann man abschätzen, ob und in welchem Ausmaß der Absatz von HTC unter den Grauimporten leidet?

Genaue Zahlen dazu lassen sich nur schwer erheben, aber wir nehmen das Problem ernst und arbeiten eng mit Partnern, H√§ndlern und staatlichen Institutionen zusammen. Wir legen Wert auf eine l√ľckenlose und eingespielte Distributions- und Service-Kette, die dem Kunden die bestm√∂gliche Betreuung bietet.

Gibt es Ihrer Meinung nach einen Ansatz, dem Problem Herr zu werden?

Grauimporte betreffen neben der Telekommunikationsbranche auch andere Industriezweige. Um effektiv gegen diese Prozesse vorzugehen, sind wir auf die Mithilfe des Gesetzgebers und der EU angewiesen. Dort m√ľssen entsprechende Instrumente bereitgestellt werden, um die Umgehung von Distributionsketten zu unterbinden.

Interview: Trading Shenzhen – Hongkong

Trading Shenzhen, ein Importeur mit Sitz in Hongkong, hat sich mit uns √ľber Einfuhrbestimmungen, Probleme mit dem Zoll und die Garantieabwicklung importierter Ger√§te unterhalten. Au√üerdem: Seine Meinung zur Pauschalabgabe und seine Pl√§ne f√ľr die Zukunft.¬†

Wo befindet sich ihr Auslieferungslager, also von wo aus werden die Ger√§te an die Kunden verschickt ‚Äď und gibt es ein Zwischenlager in Deutschland?

Unser Lager befindet sich in Shenzhen und die fertigen Pakete werden direkt von Shenzhen √ľber einen der gr√∂√üten Versanddienstleister von China nach Hong Kong gebracht und anschlie√üend per DHL Express Hong Kong verschickt, sofern diese Versandart gew√§hlt wurde. Das bestellte Paket ist somit teilweise schon nach 3 bis 5 Tagen beim Empf√§nger.

Wir nutzen kein Zwischenlager, da dies finanziell nicht rentabel ist und auch mehr Risiko mit sich bringt ‚Äď in Bezug auf Diebstahl, vertauschte Produkte etc.

Wie ist die Situation mit dem Zoll? Kommt es diesbez√ľglich zu Problemen oder l√§uft das System immer problemlos?

Es läuft in der Regel problemlos, wobei wir bei Problemen gerne weiterhelfen. Oft sind sich die Kunden nicht bewusst, dass (zum Gerätepreis, Red.) noch 19% Einfuhrumsatzsteuer anfallen, obwohl es ein Import aus einem Nicht-EU-Land ist und wir diese Information auch in unseren AGB, Zollinformationen und den Mails angeben.

Thema Gewährleistung: Wenn ein Gerät ­kaputtgeht, wie steht es mit der Reparatur oder einem möglichen Austausch?

Gew√§hrleistung gibt es in dem Sinne nicht und die Garantie betr√§gt bei allen Herstellern meistens ein Jahr. Im Falle einer Reparatur wird ein Versand nach China n√∂tig, jedoch ist dies mit der deutschen Post als Inter¬≠nationaler Brief sehr g√ľnstig. 7-12 Euro maximal, inkl. 200 bis 400 Euro Versicherung und ¬≠Einschreiben.

Die Garantief√§lle laufen bei den Herstellern meistens problemlos √ľber die B√ľhne und sind in ca. 3-7 Werktagen erledigt. Mit dem Versand nach China, dem Express-Versand zur√ľck, betr√§gt die Wartezeit in der Regel 4-6 Wochen. Jedoch muss erw√§hnt werden, dass Garantief√§lle sehr selten vorkommen. Wir legen gerne auch Zubeh√∂r mit bei, um den Kunden die lange Wartezeit etwas zu vers√ľ√üen. Auch nach der Garantiezeit stehen wir zur Verf√ľgung und helfen dem Kunden bei der Abwicklung. Um sich von der Masse in Bezug auf Service abzuheben, planen wir die M√∂glichkeit ein, dass das defekte Produkt zu einer Adresse in Europa geschickt werden kann. Wir √ľbernehmen den Versand nach China sowie das Risiko. Zum Teil wird diese Vorgangsweise bereits angewandt. Der Retourversand erfolgt im Anschluss auf demselben Weg und der Kunde muss sich nicht um Vorschriften betreffend China-Versand k√ľmmern. Zus√§tzlich planen wir aktuell eine Zusammenarbeit mit Dienstleistern im Bereich von Smartphone-Reparaturen. Wir konnten schon erfolgreich einige Problemf√§lle √ľber diese abwickeln.

Wie steht es mit der rechtlichen Situation in Bezug auf die Urheberrechtsabgabe (‚ÄěPauschalabgabe‚Äú) f√ľr den Speicher?

Hierbei k√∂nnen wir leider keine Antwort geben, da wir von China/HK aus versenden und jedes Land bzgl. Import und Steuern seine eigenen Regeln hat. Generell halten wir jedoch dies f√ľr keinen guten Weg, man sollte diese Abgabe nochmals √ľberdenken.

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Oliver Janko   Redakteur

Studiert in Wien und schreibt Reportagen, Tests und Reviews f√ľr die Printausgaben des Verlags. Bei Fragen – Facebook, Google+ und Co. sind allzeit bereit.

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