EMOJIS: Kleine Bilder mit großer Wirkung

Hartmut Schumacher 30. August 2016 0 Kommentar(e)

Von Erwachsenen anfangs noch milde ­belächelt oder genervt geduldet, haben Emojis inzwischen doch fast alle Generationen erobert. Die kleinen Bilder erlauben es, Gefühle oder Sachverhalte schnell und ohne viele Worte auszudrücken.

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Emojis, Emoticons, Smileys … alles dasselbe?

Was ein Emoji ist, das weiß heute fast jeder. Zumindest so ungefähr: ein Ideogramm (ein Bildzeichen also), das vor allem in Messenger-Nachrichten Verwendung findet. Also dasselbe wie ein Emoticon? Beinahe …

Ein Emoticon besteht aus mehreren Satzzeichen, Buchstaben oder Zahlen, die zu einem kleinen Bild zusammengesetzt werden, das der Leser mit schiefgelegtem Kopf betrachten muss. Das bekannteste Beispiel dafür ist natürlich das Smiley:  :-)

Allerdings gibt es bei diesen Begriffen ein gewisses Durcheinander: Erstens verwendet man den Ausdruck „Smiley“ oft gleichbedeutend mit „Emoticon“. Und zweitens werden umgangssprachlich die Wörter „Emoji“ und „Emoticon“ gerne miteinander verwechselt. Das liegt zum einen natürlich am ähnlichen Klang der Wörter. Zum anderen aber auch daran, dass bei ihrer Funktion und ihrer Verwendung keine großen Unterschiede existieren.

Ebenfalls nicht gerade hilfreich bei der Abgrenzung dieser beiden Begriffe: Viele Messenger-Apps wandeln Emoticons nach dem Eingeben automatisch in Emojis um.

Kleine Bilder, große Wirkung.

Ihren Ursprung haben Emojis einerseits in Japan: 1998 suchte der Mobilfunkanbieter DoCoMo nach einer Möglichkeit, seine neue Internet-Plattform i-mode attraktiver für ­Jugendliche zu machen. Da kam dem Unternehmen ein Vorschlag seines Mitarbeiters ­Shigetaka Kurita gerade recht: Er hatte die Idee, die damals schon üblichen Emoticons, die mehrere Zeichen zu einem Bild zusammen­fügen, durch fertige Bildchen zu ersetzen, die einfacher einzugeben waren.
Innerhalb eines Monats entwarf Shigetaka Kurita eine Sammlung von 180 solcher kleinen Bilder. Diese Emojis wurden schnell so beliebt in Japan, das die konkurrierenden Mobilfunkanbieter Au und SoftBank Mobile sich beeilten, eigene Emoji-Sammlungen zu entwickeln. Die Kombination dieser Sammlungen, das sogenannte „Japanese carrier emoji set“ enthielt 722 Bildzeichen.

Emoji-Wörterbuch

Aber auch in Europa finden sich wichtige Wurzeln der Emojis: Seit 1997 stellte der französische Journalist Franklin Loufrani (neben dem amerikanischen Werbegrafiker Harvey Ball einer der beiden vermutlichen Erfinder des Smileys) ein umfangreiches Emoji-Wörterbuch zusammen. Dessen Bildzeichen konnten interessierte Anwender ab 1998 in Form von GIF-Bildern und Schriften herunterladen. Auch Mobiltelefonhersteller wie Motorola, Samsung und Nokia lizenzierten dieses Bildmaterial.

Nötig: ein weltweiter Standard

Emojis auf Mobiltelefonen außerhalb Japans zu verwenden, das war allerdings immer noch ein kniffliges Unterfangen. Das änderte sich erst im Jahr 2010, als 722 Emojis in den Unicode-Standard aufgenommen wurden – auf den Wunsch von Google und Apple. In der seit 2015 gültigen Unicode-Version 8.0 sind schon stolze 1.281 Emojis zu finden. Mitte 2016 erscheint die Unicode-Version 9.0, bei der voraussichtlich 72 weitere Emojis hinzukommen.

Der Unicode-Standard hat das Ziel, für jedes Schriftzeichen aller gegenwärtigen und vergangenen Sprachen eine individuelle Nummerierung festzulegen. Das ermöglicht es Computersystemen, diese Schriftzeichen plattformübergreifend zu verarbeiten und darzustellen. Dank der Einbindung von Emojis in diesen Standard lassen sich die Bildchen ähnlich wie traditionelle Buchstaben verwenden – vorausgesetzt, das jeweilige Betriebssystem stellt eine Schrift zur Verfügung, die für die einzelnen Emoji-Nummerierungen passende Bilder enthält. Unterschiedliche Betriebssystemhersteller verwenden für die Darstellung allerdings verschiedene Schriften, so dass das konkrete Aussehen der Emojis auf verschiedenen Plattformen (wie Android, iOS oder Windows Phone) recht deutlich voneinander abweichen kann.

Unterschiedliche Hautfarben

Auf dem iPhone ließen sich Emojis schon seit der iOS-Version 5 (also seit dem Jahr 2011) auch außerhalb Japans nutzen. Daher hat Apple eine gewisse Vorreiterrolle beim Entwerfen der konkreten Emoji-Bilder. Das Betriebssystem Android unterstützt Emojis immerhin seit der Version 4.3 (vom Juli 2013).

Die Android-Version mit dem Codenamen „N“, die Mitte dieses Jahres erscheinen wird, kommt mit einigen grundlegenden Änderungen beim Umgang mit Emojis daher: Zum einen sehen diejenigen Emojis, die Menschen darstellen, wesentlich realistischer aus als bislang. Und zum anderen erlaubt es nun auch Android endlich, bei den menschlichen Emojis unterschiedliche Hautfarben zu verwenden.

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Das Unicode Consortium

Benötigen wir wirklich Emojis, die ein Clownsgesicht, eine Weihnachtsfrau, einen Tretroller, einen Tintenfisch oder ein Baguette zeigen? Wer trifft diese wichtigen Entscheidungen?

Seit 2010 ist das Unicode Consortium für die Verwaltung der Emoji-Zeichen zuständig – und damit auch für die Entscheidungen, welche neuen Emojis in den Unicode-Standard aufgenommen werden. Zu den Mitgliedern dieser gemeinnützigen Organisation gehören viele bekannte Firmen, unter anderem Adobe, Apple, Facebook, Google, Huawei, Netflix, IBM, Microsoft, Monotype, Oracle, Yahoo, SAP, SwiftKey und Twitter.

Die eigentlichen Entscheidungen über die Weiterentwicklung des Standards trifft das Unicode Technical Committee, das vierteljährlich zusammentrifft. Bei den Abstimmungen haben Vollmitglieder wie Google, Microsoft und Apple jeweils eine Stimme, weniger gewichtige Mitglieder nur eine halbe.

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Hartmut Schumacher   Redakteur

Hartmut ist ganz vernarrt in Smartphones und Tablets. Allerdings hielt er auch schon Digitaluhren für eine ziemlich tolle Erfindung. Er betrachtet Gedankenstriche als nützliche Strukturierungsmittel – und schreibt nur gelegentlich in der dritten Person über sich selbst.