Kamera-Verlgeichstest: So gut ist die Kamera des LG G3, Galaxy S5, HTC One (M8) und Co. wirklich

Peter Mußler 2. Juli 2015 4 Kommentar(e)

Wie gut ist die kleine Kamera, die wir tĂ€glich mit uns herumtragen, eigentlich wirklich? Wir haben fĂŒnf TopgerĂ€te mit  ganz normalen, aber fordernden Situationen des Fotoalltags konfrontiert. Und mit dem iPhone 6. Man darf gespannt sein.

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Die ersten Kameras in Mobiltelefonen hatten die Existenzberechtigung eines Spielzeugs, fotografisch arbeiten konnte man mit ihnen nicht. Mit besseren Linsen und höher auflösenden Sensoren kam Ordnung in den Pixelbrei, doch noch immer ist die EnttĂ€uschung groß, wenn man heute einen Schnappschuss, der auf dem Smartphone-Display doch so gut aussah, dann bei Lichte betrachtet, also auf dem Laptop oder gar (wenn auch selten) in gedruckter Form: Trotz fabelhafter Pixelzahlen meinen wir doch noch einzelne Bildpunkte zu sehen, darĂŒber hinaus sind die Farben blass und milchig. Wenn sich dann das Licht noch von der sparsamen Seite zeigt, entsteht schnell der Eindruck von einem Mal- und Wischfilter, den wir eigentlich gar nicht haben wollten. Hier ist also noch viel Raum fĂŒr Verbesserungen.

Da die Handykamera die kompakte Cam weitestgehend verdrĂ€ngt hat (sie ist halt immer dabei), sind natĂŒrlich die AnsprĂŒche an diesen einzigen Fotoapparat gestiegen. Die Kunden wissen mittlerweile, dass ein numerisches AufrĂŒsten bei den Bildpunkten kein Allheilmittel fĂŒr die Probleme des Schnappschuss-Alltags ist. Das haben auch die Hersteller bemerkt und fahren nun neue Marketing-GeschĂŒtze auf. Weil man in der Regel nicht im Fotostudio knipst, braucht es also Wunderwaffen, die auch bei schummrigem Licht funktionieren (entgegen jahrelanger Werbebotschaften hilft sogar ein Pixel-Downsizing). Außerdem sind ein schneller Fokus und eine geringe Auslöseverzögerung die probaten Features, wenn es darum geht, den richtigen Augenblick einzufangen. Und genau darum geht es doch: tolle Bilder – ĂŒberall und zu jeder Zeit.

Kamera-Vergleichstest: Die Kontrahenten im Überblick

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Sony Xperia Z3

Mit einer Auflösung von 5248 x 3936 Pixeln können manche SpiegelreflexgerĂ€te nicht aufwarten. Es ist aber kein Geheimnis, dass die Pixelzahl nicht alles bedeutet und ein Zusammenpferchen von vielen Bildpunkten auf kleiner FlĂ€che die RauschanfĂ€lligkeit erhöht. Die Auflösung muss also immer auch im VerhĂ€ltnis zur SensorgrĂ¶ĂŸe gesehen werden. Die  betrĂ€gt beim Z3 immerhin 29 mm2 und ist damit auf Kompaktkamera-Niveau.

  • Auflösung: 20.7 MP
  • Ausstattung: Gesichtserkennung
  • Videos: 2160p

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HTC One (M8)

Ein bisschen mutet es an wie ein Griff ins Redaktionsarchiv: eine Kamera mit 2688 xх1520 Bildpunkten. Die jĂŒngst abgelöste First Lady von HTC hat wenige Pixel, gewĂ€hrt diesen aber viel Raum. Die sogenannten Ultrapixel sind mit 2 ”m enorm groß, was neben der großen Blende (f/2,0) auch bei wenig Licht fĂŒr rauscharme Bilder sorgen soll. Obendrein gibt es eine zweite Kamera, die 3D-Effekte in der Nachbearbeitung möglich machen kann.

  • Auflösung: 4.1 MP
  • Ausstattung: sim. Video & Bild
  • Videos: 1080p

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Samsung Galaxy S5

In puncto Auflösung rangiert Samsungs frisch abgelöstes Flaggschiff S5 deutlich hinter dem Pixelkrösus Sony Z3, verfĂŒgt aber ĂŒber vier Mal(!) so viele Bildpunkte wie das M8, das mit Magersensor gute Ergebnisse erzielen will. Auf der Habenseite steht auch ein Autofokus, der mit schneller Phasenvergleich-Methode arbeitet. Nicht an Bord ist eine optische Bildstabilisierung. Das S5 verfĂŒgt mit 31 mm ĂŒber die grĂ¶ĂŸte Brennweite im Test.

  • Auflösung: 16 MP
  • Ausstattung: sim. Video & Bild
  • Videos: 2160p

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LG G3

4160 x 3120 Pixel sind in Relation betrachtet nur knapp ĂŒber 60% der Bildpunkte, mit denen das Z3 von Sony ins Rennen geht. Absolut gesehen ist das dennoch nicht wenig, die Bildpunkte drĂ€ngen sich allerdings auf einem kleineren Fotochip mit nur 17 mm2 FlĂ€che. Abseits vom Sensor glĂ€nzt das G3 mit gehobener Ausstattung: einem lasergestĂŒtztem Autofokus, optischer Bildstabilisierung und doppeltem LED-Blitz.

  • Auflösung: 13 MP
  • Ausstattung: Laser Autofokus, optischer Bildstabilisator
  • Videos: 2160p

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Motorola Moto G (2014)

In puncto Auflösung rangiert Samsungs frisch abgelöstes Flaggschiff S5 deutlich hinter dem Pixelkrösus Sony Z3, verfĂŒgt aber ĂŒber vier Mal(!) so viele Bildpunkte wie das M8, das mit Magersensor gute Ergebnisse erzielen will. Auf der Habenseite steht auch ein Autofokus, der mit schneller Phasenvergleich-Methode arbeitet. Nicht an Bord ist eine optische Bildstabilisierung. Das S5 verfĂŒgt mit 31 mm ĂŒber die grĂ¶ĂŸte Brennweite im Test.

  • Auflösung: 8.0 MP
  • Ausstattung: Gesichtserkennung
  • Videos: 720p

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Apple iPhone 6

In puncto Auflösung rangiert Samsungs frisch abgelöstes Flaggschiff S5 deutlich hinter dem Pixelkrösus Sony Z3, verfĂŒgt aber ĂŒber vier Mal(!) so viele Bildpunkte wie das M8, das mit Magersensor gute Ergebnisse erzielen will. Auf der Habenseite steht auch ein Autofokus, der mit schneller Phasenvergleich-Methode arbeitet. Nicht an Bord ist eine optische Bildstabilisierung. Das S5 verfĂŒgt mit 31 mm ĂŒber die grĂ¶ĂŸte Brennweite im Test.

  • Auflösung: 8 MP
  • Ausstattung: sim. Video & Bild
  • Videos: 1080p

Kamera-Vergleichstest: Szenario 1: Nahaufnahme

Unser erstes Testszenario (nennen wir es einmal „Modelleisenbahn“) zeichnet sich durch folgende Parameter aus:

  • geringer Abstand zum Objekt
  • viele verschiedene Farben
  • verschiedene OberflĂ€chen
  • indirekte Belichtung mit Tageslicht

Fotografiert haben wir stets im Automatikmodus, den SchĂ€rfepunkt haben wir manuell auf die Bildmitte dirigiert, sodass der in den vergrĂ¶ĂŸerten Ausschnitten sichtbare Kopf im Fokus der Abbildung liegt.

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Kamera-Vergleichstest: Szenario 2: Panorama

Der zweite PrĂŒfdurchgang heißt bei uns „Touri-Test“ – nur dass man in der Praxis vielleicht keine Einkaufsmalls und ParkplĂ€tze fotografiert, sondern Parks, Statuen oder den Times Square. Im Prinzip aber das Gleiche:

  • Viel Abstand zum Objekt im Mittelpunkt
  • Unterschiedliche Distanzen zu Randobjekten
  • Belichtung durch direkte Sonneneinstrahlung
  • Neben Farben gibt es viele Grautöne
  • Der Fokuspunkt liegt auch hier in der Bildmitte.

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Kamera-Vergleichstest: Szenario 3: Schlechtes Licht

Unserer Meinung nach ist der Blitz beim Smartphone nur da, um der Taschenlampen-App ein Werkzeug zu geben. Wer Fotos bei widrigen LichtverhĂ€ltnissen machen und dabei die Stimmung nicht empfindlich stören möchte, sollte auf ihn verzichten. Was ist dann noch möglich? Unser Dunkelkammer-Test bringt mit Bedingungen (Mischlicht in geringer Dosis), schlechter als bei den meisten Late Night-Partys, die Kameras an ihre Grenzen – teilweise auch darĂŒber hinaus.

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Kamera-Vergleichstest: Fazit

WĂ€re die QualitĂ€t einer Fotografie zu berechnen anhand der Komponenten der Kamera, mit der sie angefertigt wurde – man brĂ€uchte keine Tests mehr wie diesen durchzufĂŒhren, die Veröffentlichung eines Datenblattes wĂŒrde ausreichen. Zum GlĂŒck ist dem nicht so! Wir waren selbst sehr gespannt auf die Ergebnisse unseres Tests und ebenso verblĂŒfft ĂŒber den klaren Sieger: das G3 von LG. Geht man von der mehr oder weniger greifbaren technischen Ausstattung (Linse, Fotochip, AF-Technik) aus, hĂ€tte das Ergebnis anders aussehen mĂŒssen. Es wurde deutlich, wie schwer der im doppelten Sinne weiche Faktor Software ins Gewicht fĂ€llt. Ein kameraoptisch vergleichsweise spĂ€rlich ausgestattetes iPhone 6 belĂ€sst die gesammelten Bildinformationen weitgehend jungfrĂ€ulich – und kann damit punkten.

Der Pixelprotz Sony Xperia Z3 verfĂŒgt dagegen neben extrem hoher Auflösung ĂŒber einen optischen Bildstabilisator und ein Objektiv mit der kleinsten Blendenzahl. Dennoch sind damit geschossenen Bilder eher willkĂŒrliche Interpretationen einer RealitĂ€t, die man so nicht gesehen hat und schon gar nicht so abbilden wollte. NatĂŒrlich ist aufgrund der extrem vielen Bildpunkte bei ausreichend Licht hier das meiste Ausgangsmaterial da, um in ein Bild hineinzuzoomen und einen Ausschnitt zu verwenden, aber die blaustichige BlutgrĂ€tsche des internen Bildbearbeitungsprogramms ist irreversibel und macht die meisten SchĂŒsse nur eingeschrĂ€nkt brauchbar. Als Fotograf starrt man ohnmĂ€chtig und kopfschĂŒttelnd auf das GerĂ€t.

Sie ist sehr viel Mehr als nur das ZĂŒnglein an der Waage: Die Software.

Definitiv nicht mehr als ein Spielzeug ist die Kamera im Moto G (2014) von Motorola. Hier ist die Kamera schon schwach, ihr zur Seite stellt sich zu allem ĂŒbel eine ĂŒbereifrige Software. Man fragt sich, ob diese hilft oder alles noch verschlimmert.

Ein akzeptables Ergebnis bietet die mit wenigen, aber dafĂŒr großen Pixeln ausgestatte Kamera im alten One (M8) von HTC. Solange man nicht weit ins Bild zoomt, sind die Bilder tauglich, auch bei wenig Licht.

Seine Aufgabe ganz gut löst das KnipskĂ€stchen im Samsung. Das Galaxy S5 punktete in allen PrĂŒfungen konstant und lieferte Bildresultate, die mit denen des iPhones gleichauf liegen. Auch, weil sich die Software einigermaßen zurĂŒckhĂ€lt.

Der Spitzenreiter, das G3 von LG, hat gezeigt, dass Megapixel nicht alles sind. Und hĂ€tte eigentlich noch weiter vorne liegen können – wĂ€re da nicht der brutale KunstfilterĂŒbergriff der Software bei der PrĂŒfung in unserem Dark Room, der uns schockiert hat. Trost verspricht das Upgrade auf Android Lollipop, mit dem Bilder im RAW-Format möglich sein werden. Dann kann das volle Potenzial der Minikameras in jeder (auch noch so dĂŒsteren) Lebenslage ausgereizt werden. Sorry, Kompakt-Cam: Adieu!

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Peter Mußler   Redakteur

Als Ästhet beschĂ€ftigt er sich gerne mit formschönen GerĂ€ten und Überschriften, so geschmeidig wie ein poliertes AlugehĂ€use. Als Redakteur fĂŒr die Magazine des CDA-Verlags taucht er in die Tiefen der Recherche aber auch ab bis zum Grund. Denn: Eine Überschrift alleine macht noch keinen Artikel.