Kommentar: Das Ende der Hardware-Schlacht. Oder: Android ist erwachsen

17. März 2013 7 Kommentar(e)

Wenn es ein Betriebssystem gibt, welches als Synonym für den rasend schnellen Fortschritt bei mobilen Technologien gelten kann, dann ist das Android. Das OS entwickelte sich vom experimentellen Google-Projekt und anfangs belächelten iOS-Herausforderer zur Triebfeder dessen, was soft- und hardwareseitig aktuell möglich ist. Alte Schwachpunkte wie Performance-Probleme oder Designschwächen gibt es nicht mehr. Android ist erwachsen geworden und so gut wie alle Hersteller haben kapiert, wie ein gutes Android-Gerät zu sein hat. Eine Analyse.

Am kometenhaften Aufstieg von Android sind sicherlich viele Faktoren beteiligt, darunter etwa die Aggressivität und Zielstrebigkeit, mit der Samsung es in den vergangen Jahren zum weltweit größten Handyhersteller gebracht hat. Mitverantwortlich ist aber sicherlich auch die Unterstützung von talentierten Partnern wie ASUS oder HTC, gleichzeitig ist vieles aber sicherlich auch Google selbst zu verdanken. Denn die Jungs und Mädels aus Mountain View scheuten sich nie, Altlasten mutig über Bord zu werfen und beispielsweise Oberfläche und Funktionalitäten teils innerhalb weniger Monate radikal umzukrempeln. Gleichzeitig war Android auch all diese Jahre für Hersteller wie ASUS, HTC oder Samsung der ideale Spielplatz, um sich in Sachen eigener Software-Ambitionen ordentlich auszutoben und Chiphersteller wie Qualcomm, Nvidia oder Samsung liefern sich immer noch ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die besten Benchmarks und energieeffizientesten Lösungen.

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Dass das S4 satte zwei Gramm leichter als S3 ist, wurde bei der fulminanten Präsentation in New York erwähnt. Welcher Prozessor nun konkret verbaut ist, jedoch nicht. Mittlerweile ist übrigens durchgesickert, dass auch in Europa der Snapdragon 600 von Qualcomm verbaut sein wird … der gleiche Chip wie im HTC One. Foto: androidmag.de

Mit der Vorstellung des HTC One und des Galaxy S4 hat sich dieses bis dato stark auf Hardware-Specs fixierte Wettrennen nun aber gewandelt. Denn technisch sind One, S4, Xperia Z oder auch das Infintiy Pad von ASUS nahezu ident. Technische Daten wie Full HD, 2 GB RAM und Quad-Core (oder gar Octacore) gehören heute zum Understatement bei der Oberklasse, das mehr oder minder selbstverständlich erfüllt wird. Wie also noch unterscheiden, wenn Android butterweich läuft. Bildschirme gestochen scharfe Full HD-Bilder liefern und die Performance von Apps und Spielen im Grunde kein Thema mehr ist? Das Zauberwort lautet Software, beziehungsweise die Software-Extras, um die sich aktuell gerade gerangelt wird.

HTC und Samsung fighten, Sony gibt sich schüchtern

Bei den Flaggschiffen von HTC und Samsung wird in Sachen Software mit harten Bandagen gekämpft. HTC denkt den Homescreen mit dem BlinkFeed neu und riskiert dabei sicherlich mehr, als es Samsung mit dem bereits mehr als bekannten und schon etwas angegrauten TouchWiz macht. Gleichzeitig setzt Samsung in Sachen Software-Extras noch eine Schippe nach und baut die ohnehin schon enorm umfangreichen Features des S3 noch weiter aus.
Sony hat sich nach der Trennung vom langjährigen Partner Ericsson offenbar mehr auf das Design fixiert und liefert mit dem Xperia Z und dem auf dem MWC vorgestellten Xperia Tablet vor allem sehr schöne und solide Geräte ab. In Sachen Software hat sich Sony aber – anders als HTC und Samsung – mehr Stock-Android angenähert, als sich von diesem weg zu bewegen (was aber sicherlich auch von so manchem Kunden goutiert werden dürfte).

Technisch nehmen sich wie erwähnt alle aktuellen Top-Smartphones mit Android-OS nicht viel. Die Strategien von HTC und Samsung könnten aber nicht anders sein: HTC versucht die Fehler von 2012 gut zu machen und setzt mit dem HTC One alles auf eine Karte. Verarbeitung, Kamera und Software unterscheiden sich von der Masse an Android-Smartphones am markantesten, auch wenn hier viel riskiert wird. Samsung orientiert sich mit dem S4 hingegen eher an der Gangart von Apple und stattet seinen Megaseller mit evolutionären Neuerungen aus. Beides hat seine Berechtigung und macht aus der jeweiligen Position Sinn.

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Die Hardware der aktuellen Flaggschiffe von HTC, Samsung und Sony ist nahezu identisch. Unterschiede gibt es bei Design, Display und vor allem der Software. Foto: androidmag.de

Fazit: Software is King – und das ist gut so

Das (womögliche) Ende des Wettrüstens ist für uns Kunden sicherlich begrüßenswert. Denn anstatt sich einige Monate nach Erwerb eines neuen Smartphone über den weitaus flotteren Nachfolger zu ärgern, gibt es wie im Falle des Galaxy S4 neue Software-Features, die großteils sogar für das Galaxy S3 nachgeliefert werden. Gleichzeitig ist wieder richtige Innovationsfreude angesagt, anstatt virtuele Zahlenspielereien. Dass in diesem Umfeld der hardware-seitigen Stagnation interessante Produkte entstehen, beweist wohl das HTC One am besten. Android ist erwachsen geworden und die Hersteller haben kapiert, wie ein ordentliches Android-Gerät auszusehen hat. Jetzt heißt es auf die Google I/O warten, bei der es sicherlich die ein oder andere Überraschung geben wird. Es wird und bleibt spannend!

Was sagt ihr? Seht ihr diese Entwicklung ebenfalls positiv oder sind euch die Software-Extras des HTC One und vor allem des Galaxy S4 schon zu viel des Guten?

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