Kommentar: Es lebe der Plastikschrott! Warum Polycarbonat das bessere Smartphone-Material ist

9. März 2013 11 Kommentar(e)

Die Diskussion existiert so lange, wie die Smartphones selbst: Welches Material ist am besten für das Gehäuse geeignet? Ist Kunststoff ausreichend oder muss es doch ein hochwertigeres Material wie Aluminium sein? Wir haben einige Argumente gesammelt, die für den Kunststoff Polycarbonat sprechen. Titelbild_660_plastiksmartphones Dass das Thema komplex ist, steht ob der vielen verschiedenen Meinungen außer Frage. Die Argumente der beiden Lager sind zahlreich – ich beleuchte die Situation, die Standpunkte und gebe meine Meinung zum Besten. Spricht man mit Apple-Nutzern oder HTC-Fans über ihre Smartphones, bekommt man als Kaufgrund auffallend oft zu hören: „Die Verarbeitung ist top, kein Plastik, nur hochwertige Materialien…“. Die Meinungen sind logischerweise subjektiv, und daher auch nicht falsch – oftmals gehen aber auch klare Verurteilungen von „Plastikschleudern“ mit den Aussagen einher, und an diesem Punkt stoße ich mich nach wie vor. Und übrigens: Auch das HTC One X ist aus Polycarbonat gefertigt, auch wenn es immer als Beispiel für besonders hochwertige Verarbeitung herhalten muss.

Viele Vorteile

Denn auch Polycarbonat hat seine Vorteile: Der Kunststoff ist leichter, dämmt den Sturz bewiesenermaßen besser als hartes Metall, und – sind wir uns ehrlich – steht auch optisch dem hochgejubelten Alu nicht um allzu viel nach. Natürlich wirken Geräte wie das Samsung Galaxy S3 oder das Note 2 nicht unbedingt edel, aber muss ein Smartphone das überhaupt? Ich verwende mein Note 2 zum Arbeiten und in der Freizeit gleichermaßen, sicherlich weit mehr als der Durchschnitts-User – abgestoßen hat es mich noch nie. Und naturgemäß fällt das Handy auch mal runter, ein kaputtes Gehäuse hatte ich bisher aber noch nicht, und auch das Display hielt bisher – bis auf eine Ausnahme mit einer Schotterstraße – jeden Unfall aus. Dass die Druckverteilung beim Aufprall bei Geräten aus Metall und Glas, wie etwa beim iPhone 4 und 5 oder neuerdings HTC One, sich eher Richtung Bildschirm auswirkt, ist ebenso bewiesen, wie die Tatsache, dass Polycarbonat wunderbar dämpft.

Polycarbonat Smartphone

Smartphones aus Plastik, also Polycarbonat, sind weniger anfällig für Displaybrüche, da das Gehäuse die Wucht des Aufpralles dämpfen kann. Das gibt zwar Schrammen, immerhin bleibt aber der Bildschirm unbeschadet. Bild: androidmag.de

Zahlenvergleich

Nackte Zahlen dazu: Reines Polycarbonat erreichte im Test eine Zerreißfestigkeit zwischen 10.000 und 10.500 Punkten, ein Biegefestigkeit zwischen 12.000 und 17.000 Punkten und eine Druckfestigkeit von 11.000 Punkten. Das Motorola Razr HD setzt auf Kevlar, eine synthetische Faser, die auch bei kugelsicheren Westen zum Einsatz kommt. Dieses kommt zum Vergleich auf Werte von 12.500 bei der Zerreißfestigkeit, 17.000 (Biegefestigkeit) und auf eine Druckfestigkeit von 16.000 Punkten. Man sieht also, das Polycarbonat ist nur minimal schlechter bewertet als das hochwertige Kevlar. Dazu kommt, dass ich bei vielen „Plastikbombern“ den Akku einfach tauschen kann, mit wenigen Handgriffen, in Sekundenschnelle. Welcher iPhone- oder HTC-Kunde kann das von sich behaupten? Aluminiumgeräte sind in den meisten Fällen mit einem Unibody gefertigt. Bei einer durchschnittlichen Halbwertszeit eines Smartphones von rund zwei Jahren – wobei meist der Akku als erstes rapide nachlässt – kann ich bei einem Plastik-Smartphone den Lebenszyklus meines Gerätes mit einem neuen Akku einfach und rasch verlängern, und das Gerät auch für einen potenziellen Käufer attraktiv machen. Klar ist, dass der Kunststoff anfälliger ist für Kratzer und unschöne Abnützungserscheinungen als ein Aluminiummodell. Aus besagten Gründen nehme ich aber den etwas unschöneren Look gerne in Kauf, zumal es ja auch Schutzfolien und Cases gibt, die das Smartphone ebenso gut schützen wie ein Unibody.

Aufgrund des Alu-Gehäuses kam es beim iPhone 4 zu Empfangsproblemen. Nachdem der damalige Apple-CEO Steve Jobs das Problem zunächst als Nichtigkeit abtat, bekam kurz darauf jeder iPhone 4-Käufer eine Schutzhülle gratis:

Empfangsprobleme

Verfechter von Kunststoff-Handies verweisen auch immer wieder gerne auf das berüchtigte „Antennagate“ des iPhone 4. Aufgrund des Alugehäuses und der darin verbauten Antennen konnte es bei normaler Verwendung zu Verbindungsabbrüchen kommen. Dieser „Death Grip“ lässt sich zwar auch auf so manchem anderen Smartphone durchführen, wodurch es zu merklichen Empfangsverschlechterungen kommt, bei Geräten aus Alu wird dieses Problem aber noch verstärkt.

Wie ist eure Meinung zum Thema? Alubody oder Plastikschleuder? Über Kommentare, Anregungen etc. würde ich mich sehr freuen!

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Oliver Janko   Redakteur

Studiert in Wien und schreibt Reportagen, Tests und Reviews für die Printausgaben des Verlags. Bei Fragen – Facebook, Google+ und Co. sind allzeit bereit.

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