Kommentar: Warum der Patentstreit allen ausser den Kunden nützt

2. September 2012 6 Kommentar(e)

Was vor einigen Monaten zu brodeln begann, kulminierte vor wenigen Tagen in einer vernichtenden Niederlage von Samsung vor einem kalifornischen Gericht. Wer (so wie ich) täglich Artikel, Kommentare oder Posts auf diversen Social Media-Kanälen zum Thema verfolgt, dürfte schnell zum Schluss kommen: Es herrscht Krieg – auch Abseits der Gerichtssäle.

Und zwar herrscht ein Meinungskrieg zwischen Anhängern zweier verfeindeter Lager: Auf der einen Seite die Apple-Anhänger, die vehement das Vorgehen „ihrer“ Firma verteidigen, die nur von ihrem gutem Recht gebrauch machen, ihr geistiges Eigentum zu sichern. Und auf der anderen Seite die etwas breiter gefasste Gruppe der Android-Benutzer, unter denen sich auch immer mehr Samsung-Verfechter herauskristallisieren. Ihrer Meinung nach würde Apple seine Monopolstellung mit unlauteren Mitteln und unter dreistem Missbrauch gängiger Patentgesetze zu sichern versuchen.

Bildquelle: 9gag.com

Wer von diesen beiden Gruppen recht hat, ist aber nicht das Thema dieses Artikels. Vielmehr geht es mir um die Frage: Schadet uns als Kunden der Patentstreit nicht viel mehr als er uns nützt und warum lassen wir uns von Apple, Samsung und Co. als kostenlose Werbeapostel so einfach vor den metaphorischen Karren spannen?

Alltagstechnologie als emotionaler Zündstoff

Der Wunsch nach Lagerbildung dürfte tief in unserem Inneren verankert sein. Egal ob bei Religion, Politik, Sport oder eben auch Technik: Der Mensch fühlt sich gerne einer Gruppe zugehörig, will von ebendieser Bestätigung erfahren und im Glauben bestärkt werden, dass seine Meinung die (teils einzig) Richtige ist. Und während dieses Phänomen bei Religion, Politik und Sport jahrhundertelange, wenn nicht gar jahrtausendealte Tradition hat, ist es nun endlich (oder leider) auch bei Alltagstechnologie wie Smartphones oder Tablets angekommen.

Diskussionen, in denen sich Apple- und Android-Fans in die Haare kriegen, strotzen nur so vor Emotionalität, Kraftausdrücken und nicht selten auch persönlicher Beleidigungen des Gegenübers. Die Argumente sind in den seltensten Fällen fundiert, statt dessen tauschen sich selbsternannte Experten auf Basis von Vor- oder Pauschalurteilen aus. Kunden verwandeln sich in „Fanboys“: kostenlose und ideologisch indoktrinierte Werbeapostel, die „ihre“ Firma mit Leidenschaft verteidigen beziehungsweise deren Werbeslogans – natürlich verpackt in die „eigene“ Meinung – herunterbeten.

Dieses Phänomen ist genau im Sinne der Unternehmen selbst, denn ähnlich wie es Apple mit Microsoft gemacht hat (Stichwort „Mac vs. PC„) spielt auch Samsung in Werbespots gezielt mit Vorurteilen:

Was nützt das Ganze uns Kunden?

Die Patentstreitigkeiten haben viele Nutznießer: Konzerne, die sich ohne Marketingausgaben willfährige „Fanboys“ züchten. Anwälte, die gutes Geld mit den Quereleien von IT-Firmen scheffeln. Blogger, die täglich neue Info-Häppchen zum Thema posten, um möglichst viele Klicks zu generieren. Und Mitbewerber, die aufgrund Apples „thermonuklearen Krieges“ gegen Android ihre Chance wittern. Profiteure wohin das Auge reicht. Bloß der Kunde selbst, der Zeit und Nerven in endlose Diskussionen investiert, geht leer aus. Vielleicht ist es an der Zeit, dass wir alle wieder zur Vernunft kommen und jedem die Meinung und das Stück Technik lassen, das er oder sie hat.

Was denkt ihr? Seht ihr das ähnlich wie ich oder seid ihr ganz anderer Meinung?

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