Motorola Moto 360, Sony Smartwatch 3 und LG G Watch im Langzeittest

Martin Reitbauer 22. MĂ€rz 2015 0 Kommentar(e)

Viele Konsumenten zögern bei der Anschaffung einer Smartwatch noch. Wir haben drei Modelle ĂŒber mehrere Wochen getragen und berichten vom FĂŒr und Wider.

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Viel ist geschehen seit der Vorstellung von Android Wear im Juni letzten Jahres. Die Anzahl der am Markt befindlichen Smartwatches auf Android-Basis nĂ€hert sich dem zweistelligen Bereich, mit Asus ist ein neuer Hersteller hinzugekommen. Android-Platzhirsch Samsung setzt bei Wearables indes weiterhin hauptsĂ€chlich auf sein Betriebssystem Tizen – die „Gear Live“ ist immer noch Samsungs einzige Smartwatch auf Basis von Android Wear. In unserem Langzeit-Test haben wir drei Smartwatch-Modelle mit besonders hohem Öffentlichkeitsprofil berĂŒcksichtigt: LGs G Watch war die erste im Handel verfĂŒgbare Android-Uhr. Die Moto 360 von Motorola ist fĂŒr viele die Smartwatch schlechthin. Und Sonys Smartwatch 3 sorgte mit dem verbauten GPS-Modul fĂŒr besonderes Aufsehen – eine Funktion, die erst mit dem Update auf Android Wear Lollipop ĂŒberhaupt genutzt werden konnte. Apropos Lollipop: Die Smartwatch-Software hat das Update auf das aktuelle Android 5.0 zeitgleich mit dem Versionssprung bei den Smartphones erhalten – eine Gesamtschau der Neuerungen finden Sie auf der folgenden Doppelseite. Da Google per Lizenzvereinbarung Hersteller-Anpassungen an Android-Wear verhindert, kamen die Updates bei allen drei Uhren ohne Verzug aufs Handgelenk.

Unterschiede zeigten sich bei der Hardware im weitesten Sinn: Der Tragekomfort der ArmbĂ€nder, die Bedienbarkeit, Helligkeit der Bildschirme und – ein besonders heikler Punkt – der Akkuleistung der tragbaren GerĂ€te. Was die Uhren wiederum eint, sind die SchwĂ€chen von Google Now – dem „persönlichen Assistenten“ von Android, der sĂ€mtliche Sprachbefehle an die Uhr entgegennimmt und interpretiert.

Als Fazit nach einigen Monaten Nutzungsdauer fĂ€llt das Urteil ĂŒber die Sprachbedienung nicht positiv aus. Viel zu oft werden Befehle nicht verstanden oder falsch ausgelegt. Außerdem ist der Sprachassistent zu ungeduldig: Schon bei kurzen Sprechpausen wird die Annahme des Befehls oder Diktats abgebrochen.

Tragekomfort

Bei LG G Watch und Moto 360 können Sie jedes Standard-Uhrenarmband mit 22 mm Breite verwenden (oder sie schon mit einem passenden Armband ordern). Die Sony Smartwatch 3 ist mit ihrem speziellen Silikon-Armband (in mehreren Varianten erhÀltlich) ein Sonderfall.

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Motorola Moto 360

Mit einem Durchmesser von 46 Millimetern ist die Moto 360 ein großes Kaliber. Die Dicke von 11,5 mm trĂ€gt das Ihre zu dem wuchtigen Eindruck bei. Unser TestgerĂ€t mit schwarzem Lederarmband trug sich trotzdem recht angenehm.

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Sony Smartwatch 3

Das Silikon-Armband der Smartwatch 3 ist nicht fest mit dem GehĂ€use verbunden und lĂ€sst sich leicht tauschen. Durch die flache, abgerundete Bauform schmiegt es sich eng ans Handgelenk. Die weit öffnende Faltschließe garantiert bequemes An- und Ablegen.

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LG G Watch

Die G Watch hat unter den drei Konkurrenten die kantigste Form. Das ist mitunter beim Ankleiden hinderlich – die Uhr hakt gerne mal im JackenĂ€rmel.

Bildschirm

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Motorola Moto 360

Die Moto 360 verfĂŒgt als einzige Uhr ĂŒber einen Helligkeitssensor, der die Beleuchtung den LichtverhĂ€ltnissen anpasst. Bei InaktivitĂ€t schaltet sie den Bildschirm komplett aus – einen „Immer an“-Modus wie bei den anderen Uhren gibt es nicht.

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Sony Smartwatch 3

Das LCD-Display der Sony-Uhr enttĂ€uscht mit einem leichten Gelbstich und schlechter BlickwinkelstabilitĂ€t. DafĂŒr bleibt der Bildschirm in heller Umgebung auch bei InaktivitĂ€t ablesbar, weil nur die Hintergrundbeleuchtung zum Stromsparen abgeschaltet wird.

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LG G Watch

Das Display der G Watch zeigt krÀftigere Farben als das der Smartwatch 3,
braucht im „Immer an“ – Modus allerdings etwas mehr Strom als diese. Blickwinkel-StabilitĂ€t und maximale Helligkeit sind wiederum besser als bei Sony und in etwa mit der des Konkurrenten Moto 360 vergleichbar.

Ladevorgang

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Motorola Moto 360

Die runde Uhr von Motorola wird (als bisher einzige Smartwatch) drahtlos geladen. Dazu legt man sie einfach in die mitgelieferte Ladestation (oder auf ein beliebiges Lade-Pad, das den Qi-Standard erfĂŒllt). Der Nachteil: Auf Reisen fĂŒhrt kein Weg daran vorbei, die Ladestation mitzufĂŒhren.

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Sony Smartwatch 3

Sony verbaut als einziger Hersteller einen micro-USB-Ladeanschluss. Ein Segen auf Reisen –  der Stecker des Handys passt. Ein Fluch jedoch im Alltag, denn die Ladebuchse auf der RĂŒckseite versteckt sich hinter einer Gummi-Abdeckung und das Uhrband steht dem Kabel im Weg. Übung macht den Meister, aber es bleibt eine Fummelei.

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LG G Watch

Die G Watch wird mit einer kompakten magnetischen Ladeschale geliefert, die die Uhr ĂŒber Messingkontakte mit Strom versorgt. Das ist sehr bequem, obwohl die Schale auf Reisen mit ins GepĂ€ck muss. Immerhin ist der Anschluss vom Typ micro-USB, unterwegs reicht also ein einziges Kabel.

Akkuleistung

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Motorola Moto 360

Im Test wies die Moto 360 die schlechteste Laufzeit der drei GerĂ€te auf. Nach rund 30 Stunden war Schluss – selbst bei sparsamer Nutzung und Bildschirm-Abschaltung bei InaktivitĂ€t. Schuld daran ist wohl der veraltete Texas Instruments-Systemchip, den Motorola in die Uhr verbaut hat.

Sony Smartwatch 3

Bis zu 3 Tage waren bei der Uhr von Sony drinnen, bevor sie wieder an den Stecker musste. Kein Wunder, hat sie doch mit 420mAh den grĂ¶ĂŸten Akku – um ein Drittel mehr KapazitĂ€t als jener der Moto 360. Aber auch eine genĂŒgsamere Rechner-Hardware ist fĂŒr diesen Wert verantwortlich.

LG G Watch

Die G Watch (die wir wegen des frĂŒhen Erscheinungstermins am lĂ€ngsten im Test hatten) pendelte sich unter moderatem Gebrauch und mit Bildschirm-Einstellung „Immer an“ bei etwa 48 Stunden Nutzungsdauer ein. Ein sehr brauchbarer Wert – so sind kurze Reisen auch ohne Ladeschale möglich.

Fazit & Ausblick

In vieler Hinsicht ist die Entscheidung zwischen den drei Smartwatches eine Frage des Geschmacks. Durch die weitgehend idente Software-Basis Ă€hnelt sich der Funktionsumfang der Modelle, nur das in der Sony Smartwatch 3 verbaute GPS-Modul bietet einen Mehrwert, den die anderen beiden Uhren nicht haben. Die viel gescholtene Akkuleistung von aktuellen Smartwatches ist selbst beim in dieser Hinsicht schwĂ€chsten Modell, der Moto 360, ĂŒblicherweise ausreichend. FĂŒr einen Tag reicht es bei typischer Nutzung allemal, und tĂ€gliches (oder nĂ€chtliches) Nachladen ist der Nutzer mittlerweile ohnehin vom Smartphone gewohnt. Wer viel reist, sollte zur Smartwatch 3 von Sony greifen, die per micro-USB-Port geladen wird und deshalb nur ein zusĂ€tzliches Kabel im GepĂ€ck nötig macht. Ladeschalen mitzuschleppen – wie bei G Watch und Moto 360 unumgĂ€nglich – nervt.

Hardware passt, Software muss besser werden

Als praktisch erweisen sich nach wie vor allen voran die Basis-Funktionen von Android Wear: Benachrichtigung ĂŒber Mails und Messenger-Nachrichten und neuerdings – im Zusammenspiel mit einem Smartphone mit Android Lollipop – die Smart Lock Funktion, mit der das Smartphone in der NĂ€he der Uhr entsperrt bleiben kann. Wer sein Handy im Taxi vergisst oder bestohlen wird, muss (VerschlĂŒsselung vorausgesetzt) nicht um seine Daten fĂŒrchten, in sicherer Umgebung kann das Eingeben von Code oder PIN unterbleiben.
Google Now ist Sprachassistent und Informationslieferant zugleich, und als solcher eines der HerzstĂŒcke von Android Wear. Bevor die Sprachbedienung aber alltagstauglich wird, muss Google noch massiv Hand anlegen und die starre Befehls-Syntax flexibler ausgestalten. Man sollte keine Kommando-Strukturen auswendig lernen mĂŒssen, um per Sprachbefehl schnell einen Kalendereintrag zu erstellen, eine Erinnerung zu setzen oder eine E-Mail zu versenden. Wir mĂŒssen hoffen, dass die mit der Apple Watch neu erwachsene Konkurrenz den Ingenieuren von Google die Sporen gibt.

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Martin Reitbauer   Chefredakteur

Als Chefredakteur von Android Magazin und ANDROID APPS sowie als Redakteur der Plattform-agnostischen Zeitschrift SMARTPHONE ist Martin hauptsĂ€chlich mit den Print-Magazinen des Verlags hinter androidmag.de beschĂ€ftigt. Ab und an bleibt dennoch Zeit fĂŒr einen Blog-Artikel. Neben Android gilt seine Begeisterung GNU/Linux und freier Software ganz allgemein.

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