Playmobil: So sieht die Lage der intelligenten Autos bei BMW, Audi, Ford, Volvo und Co. aus

Hartmut Schumacher 26. Juli 2015 0 Kommentar(e)

Vernetzte Autos sind ­derzeit eines der meist­diskutierten Technik­themen. Wie gut aufgestellt sind die wichtigsten Fahrzeughersteller? Und wie sieht die (nahe und fernere) Zukunft aus?

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Einfache Formen der Vernetzung bieten schon heute sogar preiswerte Fahrzeugmodelle: In vielen Autos ist es möglich, das Smartphone mit dem Bordcomputer zu verbinden, um beispielsweise Musik, die auf dem Smartphone gespeichert ist, über das Audiosystem des Fahrzeugs abzuspielen. Systeme wie MirrorLink, Android Auto und CarPlay ermöglichen es zudem, bestimmte Smartphone-Apps über die Bedienungselemente des Autos zu kontrollieren – so dass der Fahrer weniger stark abgelenkt wird. Auch das Abrufen von Informationen aus dem Internet über den Bordcomputer ist keine Zukunftsmusik mehr.

Datenaustausch zwischen Autos

Fahrzeughersteller und ­Verkehrsexperten ­haben jedoch noch deutlich ehrgeizigere Pläne: In Zukunft sollen vernetzte Fahrzeuge Informationen nicht nur empfangen, sondern auch senden – an andere Fahrzeuge oder aber an die Verkehrsinfrastruktur. Auf diese Weise können Autos Informationen unter anderem über Verkehrsdichte, Ampelschaltzeiten und Straßenzustand mit Ampelanlagen, Hinweisschildern und Sensoren am Straßenrand austauschen. Dies lässt nicht nur den Straßenverkehr flüssiger und sicherer werden, sondern verringert auch den Schadstoffausstoß. Mit einem flächendeckenden Einsatz von derartigen Datenaustausch­methoden ist allerdings frühestens in einigen Jahren zu rechnen.

In schätzungsweise zehn Jahren dann sollen Autos marktreif sein, die selbstständig fahren können. An derartigen Fahrzeugen forschen nicht nur Automobilhersteller, sondern auch Google und Apple.

Bei aller Technikbegeisterung: Ist das alles denn tatsächlich nötig? Funktionen wie das Anbinden von Smartphones zu Unterhaltungszwecken sind natürlich keine Notwendigkeit für den Straßenverkehr. Die Möglichkeit jedoch, Wetterberichte und touristische Informationen über das Internet abzurufen, haben durchaus einen praktischen Wert. Eine Vernetzung mit der Verkehrsinfrastruktur schließlich oder aber Autos, die automatisch fahren, sorgen nicht nur für einen effizienteren Verkehrsfluss, sondern retten auch Menschenleben. Ein Argument, dem sich selbst Technikskeptiker nicht verschließen können.

Bevor allerdings Autos tatsächlich auto­matisch auf unseren Straßen unterwegs sein werden, sind technische, datenschutzrechtliche und juristisch-ethische Probleme zu lösen. Oliver Dehning, Leiter der Kompetenzgruppe Sicherheit im Internetwirtschaftsverband Eco, fasst es prägnant zusammen: „Wie wird mein Fahrzeug vor fatalen elektronischen Attacken geschützt? Wer trägt die Schuld bei einem Unfall? Hersteller, Politik und Justiz müssen in den kommenden Jahren zahlreiche Fragen klären.“

So steht’s bei BMW, Audi, Mercedes und Co.:

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BMW: halbherzige Android-Unterstützung

Die Sonderausstattung „ConnectedDrive Services“ ermöglicht es BMW-Fahrzeugen, einerseits Informationen aus dem Internet abzurufen und andererseits Daten von Smartphone-Apps anzuzeigen. Mit der App „My BMW Remote“ ist es darüber hinaus möglich, beispielsweise das Auto aufzuschließen oder die Klimaanlage fernzubedienen. Dank der „BMW i Remote“-App lassen sich einige Funktionen der Elektro- bzw. Hybrid-Fahrzeuge BMW i3 und i8 auch über die Smartwatches Samsung Gear S und Apple Watch steuern.
BMW wird voraussichtlich im nächsten Jahr Modelle mit CarPlay-Unterstützung auf den Markt bringen. Android Auto dagegen stößt bei den BMW-Entscheidungsträgern nicht auf Zuneigung – anscheinend aus Datenschutzgründen.

Audi

Audi: Aufschließen mit der Smartwatch

„Audi connect“ nennt sich die Funktion, die es dem Bordcomputer von Audi-Autos ermöglicht, über das Internet Informationen wie Verkehrshinweise und Wetterberichte abzurufen sowie Musik von einem Smartphone abzuspielen.

Es gibt zudem mehrere Apps, mit denen Sie beispielsweise Zieladressen und Fotos vom Smartphone an das Auto schicken oder aber Informationen von ­Elektrofahrzeugen abrufen können. In Zukunft wird es auch möglich sein, das Auto mit dem Smartphone oder mit der Smartwatch auf- und zuzuschließen.

Im Audi Q7, der in diesem Jahr auf den Markt kommt, debütiert die Funktion „Audi smartphone interface“, die für Kompatibilität mit Android Auto und CarPlay sorgt.

VW

VW: Android, Apple und Gestensteuerung

Das aktuelle VW-Infotainment-System „MIB II“ ist derzeit für die Fahrzeuge Passat, Polo und Beetle erhältlich. Noch in diesem Jahr wird VW dieses System um die Smartphone-Schnittstelle „AppConnect“ ergänzen. Deren Besonderheit: Sie unterstützt neben dem herstellerunabhängigen Standard „MirrorLink“ auch die Lösungen Android Auto und Apple CarPlay, um Smartphones über das Infotainment-System bedienen zu können.

Bei den Elektrofahrzeugen von VW lassen sich Funktionen wie die Klimaanlage und das Aufladen der Batterie über die Smartphone-App „Car-Net e-Remote“ steuern. Im Januar hat VW das Konzeptauto Golf R Touch präsentiert – dessen Bordcomputer Handbewegungen verstehen und in Befehle umsetzen kann.

Mercedes

Mercedes: Geduldsprobe für Android-Nutzer

Das Multimediasystem „Command Online“ kümmert sich in Mercedes-Benz­Fahrzeugen um die Navigation, um die Musik, um die Freisprechfunktion und um den Zugriff aufs Internet, über den sich unter anderem Wetterdaten sowie beliebige Web-Seiten abrufen lassen. Für den Internet-Zugang verwendet das System die Datenverbindung des über Bluetooth angeschlossenen Mobiltelefons.

CarPlay werden erste Mercedes-Benz-Fahrzeuge voraussichtlich noch in diesem Jahr unterstützen. Erst in etwas fernerer Zukunft werden sie sich dann auch mit Android Auto vertragen.

Im März hat Mercedes-Benz auf der CES in Las Vegas das selbstständig ­fahrende­ Konzeptfahrzeug „F 015 Luxury in Motion“ vorgestellt.

Opel

Opel: automatische Unfallhilfe

Das Infotainment-System „IntelliLink“ erlaubt es, das Smartphone per Freisprech­einrichtung zu verwenden, Fotos und Videos wiederzugeben und nicht zuletzt, die Navigationsanweisungen der (kostenpflichtigen) Smartphone-App „BringGo“ auf dem Bildschirm des Bordcomputers anzuzeigen.

Bis Mitte dieses Jahres wird Opel dieses System in allen Baureihen um die Funktion „OnStar“ erweitern, die bei Unfällen automatisch Hilfe herbeirufen kann, eine schnellere Internet-Verbindung bietet und einen WLAN-Hotspot einrichtet.

Opel will prinzipiell sowohl Android Auto als auch CarPlay unterstützen. Erschei­nungstermine kompatibler Fahrzeugmodelle sind bislang jedoch noch nicht bekannt.

ford

Ford: Unterstützung von ausgewählten Apps

Der Hersteller Ford ergänzt die Navigations- und Audiofunktionen seiner Fahrzeuge mit dem Kommunikationssystem „Ford Sync“, das es ermöglicht, per Sprachsteuerung Anrufe zu starten und Musik von Smartphones abzuspielen. Auch eine automatische Notruffunktion ist eingebaut. Die Funktion „AppLink“ erlaubt es, die Bedienungsoberflächen von kompatiblen Smartphone-Apps auf dem Bildschirm des Autos anzuzeigen.

In Fahrzeugen ab dem Jahr 2016 soll die neue Version „Ford Sync 3“ zum Einsatz kommen, die unter anderem eine bessere Reaktionsgeschwindigkeit und eine leistungsfähigere Spracherkennung bietet. Zudem soll diese Version auch ­Android Auto und CarPlay unterstützen.

volvo

Volvo: Android Auto und CarPlay

Das Infotainment-System „Sensus Connect“ nimmt die Verbindung zum Internet wahlweise über ein optionales Mobilfunkmodul auf, oder aber über ein angeschlossenes Smartphone. Sie können mit diesem System beispielsweise Tankstellen, freie Parkplätze, Geschäfte, Restaurants und Hotels finden, Wettervorhersagen anzeigen lassen, gestreamte Musik abspielen, aus der Wikipedia Informationen über Ihren Standort oder über Ihr Ziel abrufen oder aber ­Freunden und Bekannten Ihren gegenwärtigen Standort mitteilen.

Ab Mitte dieses Jahres ist das Modell Volvo XC90 erhältlich, das als Zusatzausstattung sowohl Android Auto als auch CarPlay unterstützt. In Zukunft soll diese Funktionalität ihren Weg auch in weitere Volvo-Fahrzeuge finden.

skoda

Škoda: Smartphone als Blackbox

Die Funktion „MirrorLink“ erlaubt es den Infotainment-Systemen in Škoda­Fahrzeugen, die Daten von kompatiblen Smartphone-Apps auf dem Bildschirm des Bordcomputers anzuzeigen. Ab der 2015er Version des Modells Superb wird diese Funktion abgelöst durch ihren Nachfolger „SmartLink“, der neben dem MirrorLink-Standard auch Android Auto und CarPlay unterstützt.

Ergänzend ermöglicht es die Funktion „SmartGate“, mit Apps auf dem Smartphone über WLAN aktuelle Daten vom Bordcomputer abzurufen und zu analysieren, um Protokolle beispielsweise zu Betriebsdaten, Fahreffizienz und Kosten anzulegen. Das Smartphone lässt sich zudem als Blackbox einsetzen, die neben den Fahrzeugdaten auch ein Video vom Verkehrsgeschehen aufzeichnet.

Selbstfahrende Autos

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Knapp 1,3 Millionen Menschen sterben jedes Jahr weltweit bei Verkehrsunfällen­. Das Verwenden von selbstfahrenden Autos soll diese Zahl drastisch reduzieren. Prototypen gibt es bereits von Fahrzeugherstellern wie Daimler, Audi und Volvo, aber auch von Google. Nach Schätzungen von Experten werden etwa ab dem Jahr 2025 vollautomatische Fahrzeuge serienreif sein. Bis dahin unterstützen immer leistungsfähigere Assistenzsysteme den Fahrer beim Steuern seines Autos.

Intelligenter Straßenverkehr

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In Zukunft sollen intelligente Fahrzeug- und Straßensysteme dazu beitragen, dass der Straßenverkehr sicherer, effizienter und auch ­umweltfreundlicher wird. Zu diesem Zweck übermitteln die Fahrzeuge Daten über die Straßenverkehrssituation an die Verkehrssysteme – und erhalten umgekehrt aktuelle Informationen, die es dem Fahrer oder aber den Assistenzsystemen ermöglichen, sich auf zukünftige Verkehrssituationen vorzubereiten, die für die Sensoren des Fahrzeugs noch nicht zu erkennen sind.

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Hartmut Schumacher   Redakteur

Hartmut ist ganz vernarrt in Smartphones und Tablets. Allerdings hielt er auch schon Digitaluhren für eine ziemlich tolle Erfindung. Er betrachtet Gedankenstriche als nützliche Strukturierungsmittel – und schreibt nur gelegentlich in der dritten Person über sich selbst.