Report: Huawei – Die Reise nach Westen

Martin Reitbauer 27. Dezember 2015 0 Kommentar(e)

100 Millionen Smartphones – so lautet die Verkaufsprognose fĂŒr Huaweis Smartphone-Sparte in diesem Jahr.Im Westen kĂ€mpft der Tech-Gigant trotzdem noch um Anerkennung.

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Hausmarke Auf dem boomenden chinesischen Heimmarkt hat Huawei in diesem Jahr Platz 1 im Smartphone-GeschĂ€ft vom Konkurrenten Xiaomi zurĂŒckerobert. Die Ambitionen des Tech-Riesen sind aber lĂ€ngst global.

 

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Firmenname: Huawei Technologies Co., Ltd
GrĂŒndung: 1987
Sitz: Shenzhen, China
Leitung: Ren Zhengfei, CEO
Mitarbeiter: ca. 170.000
Umsatz: 46,5 Mrd. EUR (2014)
Smartphone-Absatz: 100 Mio. (SchÀtzung 2015)

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WĂ€hrend Konsumenten, Journalisten und sogar die firmeneigenen PR-Teams noch darĂŒber verhandelten, wie der Markenname Huawei denn nun ins westliche Idiom zu ĂŒbertragen sei, hat sich der chinesische Elektronikriese klammheimlich zu einem dominanten Player in der Welt von Smartphones und Tablets gemausert. Wie kam es dazu?

Die milden 80er

Die Geschichte des Konzerns beginnt im Jahr 1987 dort, wo auch heute noch die Firmenzentrale steht: Im sĂŒdchinesischen Shenzhen. Direkt an der Grenze zum britischen Überseeterritorium Hongkong gelegen, stand das StĂ€dtchen zu jener Zeit am Beginn einer rasanten Entwicklung. Von einer 30.000 Einwohner zĂ€hlenden Ansiedlung war es durch seinen Status als Sonderwirtschaftszone bereits auf ĂŒber eine Million angewachsen. Das von Deng Xiaoping geförderte Reformklima der 80er-Jahre kommt Huaweis FirmengrĂŒnder Ren Zhengfei zupass, der seinen Job als Offizier im Ingenieurkorps der chinesischen Volksbefreiungsarmee verloren hat. Rens junge Firma treibt zunĂ€chst Handel mit Telefonanlagen, die es aus dem benachbarten Hongkong importiert und an Kleinbetriebe und Hotels in China vermarktet. Schon bald richtet Huawei eine eigene Entwicklungsabteilung ein und schafft 1992 mit einer digitalen Telefonanlage den Durchbruch.

Headquarters Die Firmenzentrale von Huawei erstreckt sich ĂŒber einen weiten Campus im subtropischen Shenzhen. Hier sind 40.000 der weltweit 170.000 Mitarbeiter hier beschĂ€ftigt - auf einer FlĂ€che von etwa 2 kmÂČ. Manche davon wohnen sogar am Campus.

Headquarters
Die Firmenzentrale von Huawei erstreckt sich ĂŒber einen weiten Campus im subtropischen Shenzhen. Hier sind 40.000 der weltweit 170.000 Mitarbeiter hier beschĂ€ftigt – auf einer FlĂ€che von etwa 2 kmÂČ. Manche davon wohnen sogar am Campus.

 

Hat man sich in jungen Jahren noch auf den lĂ€ndlichen Markt in China konzentriert, so sackt Huawei 1997 den ersten Überseevertrag ein und startet im selben Jahr mit den ersten GSM-Produkten. Ab 2004 liefert Huawei Equipment an europĂ€ische Netzbetreiber: den niederlĂ€ndischen Betreiber Telfort, die British Telecom und schließlich an Vodafone. EuropĂ€ische Konsumenten kommen mit Huawei zunĂ€chst nur durch “White-Label”-Produkte mit Netzbetreiber-Branding in Kontakt – etwa mit dem HSDPA-USB-Modem E220, das viele Anbieter mit ihren ersten massentauglichen 3G-InternetvertrĂ€gen ausliefern. 2009 stellt Huawei sein erstes Android-Smartphone vor und liefert auch diese GerĂ€te zuerst als White-Label aus (wie etwa das T-Mobile Pulse von 2009).

Rotierende CEOs Seit einigen Jahren wechseln sich die  Generaldirektoren an der Spitze des Konzerns im 6-Monatstakt ab. Das soll interne Konflikte minimieren und fĂŒr FlexibilitĂ€t in einem stĂ€ndig wechselnden GeschĂ€ftsfeld sorgen.

Rotierende CEOs
Seit einigen Jahren wechseln sich die Generaldirektoren an der Spitze des Konzerns im 6-Monatstakt ab. Das soll interne Konflikte minimieren und fĂŒr FlexibilitĂ€t in einem stĂ€ndig wechselnden GeschĂ€ftsfeld sorgen.

 

Zur IFA 2010 erscheint erstmals ein Smartphone unter eigenem Namen – das EinsteigergerĂ€t IDEOS. Der Aufstieg in die erste Smartphone-Liga dauert einige Jahre und ist dem Erfolg der Ascend-Reihe zu verdanken. Schon 2013 sehen erste Marktanalysen Huawei als drittgrĂ¶ĂŸten Smartphone-Hersteller weltweit, was die StĂŒckzahlen angeht – direkt nach Samsung und Apple.

Playing with the big boys

Im Jahr 2015 hat sich diese Position laut Analysten gefestigt: Huawei lĂ€sst den chinesischen Mitbewerber Lenovo hinter sich und behauptet den dritten Platz. In den großen europĂ€ischen MĂ€rkten (Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Spanien, Italien) kann es laut Kantar Worldpanel sogar Platz zwei verbuchen. 27,4 Millionen Smartphones hat Huawei nach eigenen Angaben im dritten Quartal 2015 verkauft – 63% mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.

Spielverderber USA

Bis heute macht aber das Carrier-Business – also die Ausstattung von Mobilfunkern und Festnetzbetreibern mit Netzwerktechnik – das Gros des GeschĂ€fts aus. Etwa zwei Drittel seines Gesamtumsatzes erwirtschaftet Huawei damit, beliefert 45 der Top 50 Telekom-Unternehmen weltweit und hat Aussicht auf einen regelrechten Boom mit der EinfĂŒhrung von 5G, an dessen Entwicklung und Normierung es stark beteiligt ist. Woran sich der chinesische Tech-Riese aber noch die ZĂ€hne ausbeißt, ist der US-Markt. Als TelekomausrĂŒster ist Huawei in Bereichen tĂ€tig, die die strategische IT-Infrastruktur von Nationalstaaten betreffen. Der US-Regierung ist das nicht geheuer – sie ĂŒbt Druck auf ihre Telekom-Anbieter aus, Huawei als Lieferant von Routern und anderem Equipment auszusperren. Ein Report des stĂ€ndigen Geheimdienstausschusses im US-ReprĂ€sentantenhaus aus dem Jahr 2012 bezeichnet Huawei und seinen chinesischen Mitbewerber ZTE als Gefahr fĂŒr die nationale Sicherheit. Die Beziehungen der beiden Firmen zum chinesischen Staat, zum MilitĂ€r und der Kommunistischen Partei seien zu unklar.

Die NĂ€he zum (damals britischen) Hongkong hat den rasanten Aufstieg von Huawei in den 80ern begĂŒnstigt.

Die NĂ€he zum (damals britischen) Hongkong hat den rasanten Aufstieg von Huawei in den 80ern begĂŒnstigt.

 

Das VerhÀltnis zum Staat

Huawei weist diese Anschuldigungen auf das SchĂ€rfste zurĂŒck, moniert das Fehlen von Beweisen und bezeichnet den Report als China-Bashing. Angesprochen auf das VerhĂ€ltnis zum Staat geben sich Unternehmensvertreter aber auch heute zugeknöpft. Man habe sich an chinesische Gesetze zu halten wie jedes andere dort ansĂ€ssige Unternehmen auch, unterhalte darĂŒber hinaus aber „keine besonderen Beziehungen“ zur chinesischen Regierung. Auch einen Seitenhieb auf die USA kann man sich nicht verkneifen – von Edward Snowden geleakte Dokumente hĂ€tten schließlich gezeigt, dass sich der US-Konkurrent Cisco genau jenes Verhaltens schuldig gemacht hat, dessen die US-Regierung Huawei verdĂ€chtigt: FĂŒr den Export bestimmte Router und anderes Netzwerkequipment des Herstellers wurde von der NSA abgefangen und mit Überwachungssoftware bespielt.

Sicherheitsbestimmungen: In der Fabrik sind Speichermedien und Foto-Handys fĂŒr Betriebsfremde verboten.

Sicherheitsbestimmungen: In der Fabrik sind Speichermedien und Foto-Handys fĂŒr Betriebsfremde verboten.

 

Sicherheit, Sicherheit, Sicherheit

Bei einer Besichtigung des Huawei-Werks am Songshan Lake nahe Donguan, der Android Magazin im Zuge einer Pressereise beiwohnen darf, wird klar, dass Huawei den Fokus der Kommunikation nun ganz auf Sicherheit legt. Man zeigt uns die aufwendige QualitÀts- und Sicherheitskontrolle von zugelieferten Komponenten, bei der Chips und Leiterplatten mittels Röntgen und sogar Bohrkern-Analysen auf MÀngel und Anzeichen von FÀlschungen begutachtet werden.
Beim Upload von Firmware herrscht strikte Zugangskontrolle, die USB-AnschlĂŒsse der PCs sind verschlossen. Auch Einblicke in die Arbeitsbedingungen ergeben sich: Die Angestellten arbeiten in der hellen, gut ventilierten Halle 40 Wochenstunden und nehmen 90 Minuten Mittagspause.

Im firmeneigenen Smartphone-Shop können Mitarbeiter Handys zu ermĂ€ĂŸigten Preisen erwerben.

Im firmeneigenen Smartphone-Shop können Mitarbeiter Handys zu ermĂ€ĂŸigten Preisen erwerben.

 

An einer Wand hĂ€ngt etwas, das sich „Staff Grapery Performance Board“ nennt: Die Leistung der Mitarbeiter wird öffentlich in einer traubenförmigen Darstellung bewertet. Umgekehrt können die Angestellten ihre aktuelle Stimmungslage in Form von Smileys auf der Tafel ausdrĂŒcken. Mehr als 82.000 der 170.000 BeschĂ€ftigten sind auch MiteigentĂŒmer der Firma. GrĂŒnder Ren Zhengfei hĂ€lt nur noch 1,4% der Anteile. Einen Börsengang schließt Ren vorerst aus, hat aber große PlĂ€ne fĂŒr Huawei: Trotz der Schwierigkeiten im US-GeschĂ€ft will er den Umsatz bis 2018 fast verdoppeln.

1987 – GrĂŒndung

Als Import-Export-Firma in Shenzhen handelt Huawei mit Telefonanlagen aus dem benachbarten Hong Kong.

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1990 – Erste eigene Produkte

Entwicklung von eigenen Telefonanlagen fĂŒr Hotels und Kleinbetriebe.

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1992 – Forschung und Entwicklung

Herstellung von Digital-Switches fĂŒr das lĂ€ndliche China.

 

1997 – Erste GSM-Sender

Huawei stellt die ersten GSM-Lösungen vor und expandiert in die chinesischen Metropol-Regionen.

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2000 – Europa

Einrichtung eines Forschungs- und Entwicklungszentrums in Stockholm, Schweden.

 

2001 – Beitritt zur ITU

Huawei tritt der Internationalen Fernmeldeunion (ITU) bei, die im Rahmen der UNO fĂŒr Telekom-Normen zustĂ€ndig ist.

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2002 – Es klingelt (im Beutel)

Die weltweiten UmsĂ€tze steigen auf ĂŒber eine halbe Milliarde US-Dollar.

 

2004 – Siemens

Joint Venture mit Siemens zur Entwicklung des 3G-Funkstandards TD-SCDMA

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2005 – Weitere Expansion

Erstmals ĂŒbersteigen die internationalen UmsĂ€tze jene auf dem chinesischen Heimmarkt

 

2006 – Huawei E220

Das USB-HSDPA-Modem E220 wird vorgestellt.

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2007 – EU-LĂŒckenschluss

Ab Ende 2007 verwenden alle grĂ¶ĂŸeren Mobilfunker Europas Huawei-Equipment.

 

2008 – Top Influencer

Das Magazin BusinessWeek reiht Huawei unter die einflussreichsten Unternehmen der Welt.

 

2009 – Erstes Android-Phone

Auf dem MWC in Barcelona prÀsentiert Huawei einen Prototypen seines ersten Android-Phones.

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2010 – Huawei Ascend

Das erste Ascend-Smartphone wird fĂŒr den US-Markt vorgestellt. Es lĂ€uft mit Android 2.1

 

2012 – Knatsch in the USA

Ein Bericht des US-ReprĂ€sentantenhauses bezeichnet Huawei und ZTE als „Gefahr fĂŒr die Nationale Sicherheit.“

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2013 – Huawei Honor

Huawei startet seine GĂŒnstigmarke Honor. Ein Jahr spĂ€ter schaffen es die GerĂ€te nach Deutschland.

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2014 – Treppchenplatz

Huawei wird zum drittgrĂ¶ĂŸten Hersteller von Smartphones weltweit.

 

2014 – Top 100-Marke

Huawei ist die erste chinesische Marke unter den Top 100 in Interbrands „Best Global Brands“.

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2015 – Huawei P8

Start des neuen Flaggschiff-Smartphones Huawei P8 und P8 Max.

 

2015 – Nexus 6P

Google wĂ€hlt Huawei als Hardware-Partner fĂŒr sein neues Phablet Nexus 6P.

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11/2015 – Zweiter in Europa

Huawei ĂŒberholt in den großen EU-MĂ€rkten HTC sowie Sony und belegt Platz 2 bei den Smartphone-AbsĂ€tzen.

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Martin Reitbauer   Chefredakteur

Als Chefredakteur von Android Magazin und ANDROID APPS sowie als Redakteur der Plattform-agnostischen Zeitschrift SMARTPHONE ist Martin hauptsĂ€chlich mit den Print-Magazinen des Verlags hinter androidmag.de beschĂ€ftigt. Ab und an bleibt dennoch Zeit fĂŒr einen Blog-Artikel. Neben Android gilt seine Begeisterung GNU/Linux und freier Software ganz allgemein.

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