Samsung Galaxy NX: Warum die Android-Systemkamera keinen Erfolg haben wird

Daniel Kuhn 30. Juni 2013 6 Kommentar(e)

Vor genau einer Woche hat Samsung in London neben einigen neuen Galaxy-Modellen sowie einem ATIV-Convertible mit Windows 8 und Android (wir haben berichtet) auch noch die Samsung Galaxy NX vorgestellt. Dabei handelt es sich um eine spiegellose Systemkamera mit großem Touchscreen und Android. So spannend diese allerdings auf den ersten Blick erscheinen mag, so wenig Käufer dürfte sie am Ende finden.

Samsung Galaxy NX Systemkamera / Bildquelle: Tinh te

Samsung Galaxy NX Systemkamera / Bildquelle: Tinh te

Samsung fertigt neben Smartphones, Laptops, Fernsehern, Waschmaschinen und einigen anderen mehr oder weniger nützlichen Gadgets auch Kameras, allerdings ist dieser Geschäftszweig weit davon entfernt, der Hauptfokus des südkoreanischen Konzerns zu werden. Anders als zum Beispiel HTC, Canon oder Nikon, die sich allesamt auf ein Produktfeld spezialisiert haben, betreibt Samsung einen bunten Gemischtwarenladen. Auch wenn die verschiedenen Produkte nicht immer zu den beliebtesten oder besten ihrer Art gehören, haben die große Verbreitung und generelle Präsenz der Marke durchaus einen Einfluss auf die Marktchancen neuer Produktfelder.

Kameras sind wie bereits erwähnt nicht gerade das stärkste Produktfeld der Koreaner, auch wenn sie in letzter Zeit durchaus an Popularität zulegen konnten. An die großen etablierten Hersteller wie Nikon, Canon oder auch Sony kommt Samsung bei weitem nicht ran – so wird man wohl kaum einen Profi- oder zumindest ambitionierten Hobby-Fotografen mit einer Samsung-Kamera in der Hand erwischen. Dies hält Samsung nun allerdings nicht davon ab, immer stärker auf diesen hart umkämpften Markt zu drängen.

Im August des vergangenen Jahres hatte Samsung dann überraschend die Galaxy Camera vorgestellt – eine 16,3 Megapixel-Kompaktkamera mit 21fach optischem Zoom, auf deren Rückseite quasi ein Samsung Galaxy S3 geklebt wurde. Am vergangenen Donnerstag wurde in London die überaus erfolgreiche Smartphone-Sparte um ein paar neue Modelle wie das Galaxy Active und das Galaxy S4 Zoom erweitert. Bei letzterem handelt es sich um eine komische Mischung aus SGS3 und SGS4 mit mittelprächtigen Spezifikationen und einer Kamera mit 16 Megapixel CMOS-Sensor und 10fach optischem Zoom. Dagegen sieht die, ebenfalls auf dem Event in London vorgestellte, Galaxy NX sehr normal aus.

Samsung Galaxy NX Systemkamera Aufnahme von vorne mit Objektiv / Bildquelle: Tinh te

Samsung Galaxy NX Systemkamera Aufnahme von vorne mit Objektiv / Bildquelle: Tinh te

Die Samsung Galaxy NX ist eine spiegellose Systemkamera mit Wechselobjektiven, die die Lücke zwischen der Galaxy Camera und der NX-Serie füllen soll. Die Spezifikationen der Galaxy NX wissen dabei auch durchaus zu beeindrucken: Ein 20,3 Megapixel APS-C CMOS-Sensor, ein 1,6 GHz Quad Core-Prozessor, ein 4,8 Zoll großes Display, das mit 1280 x 720 Pixel auflöst, 2 GB RAM, 16 GB interner Speicher, der durch eine microSD-Karte erweitert werden kann, ein 4.360 mAh Akku, Android 4.2 NFC, WLAN und LTE. Die Verschlusszeiten können bis zu 1/6.000stel Sekunde betragen und ISO-Werte sind zwischen 100 und 25.600 möglich. Die Kamera ist zudem vollständig kompatibel zu den bisherigen Samsung NX-Objektiven.

Den eindrucksvollen Spezifikationen zum Trotz ist es Samsung nicht gelungen, die Galaxy NX aus dem Bereich zwischen unheimlich toll und komplett nutzlos zu platzieren. Eine spiegellose Kamera mit Touchscreen und Android in einem Gehäuse einer Spiegelreflexkamera zu einem Preis der sich vermutlich in der Nähe der NX20 mit der ursprünglichen Preisempfehlung von 849 Euro bewegt. Es gibt kleinere und kompaktere Kameras mit vergleichbarer Bildqualität auf dem Markt, die zudem meist auch noch günstiger sind. Die einzigen beiden Vorteile der Galaxy NX sind die LTE-Konnektivität und die Möglichkeit Android-Apps nutzen zu können – beide Punkte sind allerdings auch nicht komplett überzeugend, denn LTE ist für eine Kamera eher unnötig und abgesehen von einigen Fotofiltern wie Instagram, Fotodiensten wie Flickr, oder Cloud-Speicher-Apps wie Dropbox ist auch der Nutzen von Android-Apps auf dem Gerät eher gering.

Samsung Galaxy NX Systemkamera mit Wechselobjektiven. Gut erkennbar der fehlende Spiegel im Gehäuse rechts. / Bildquelle: Tinh te

Samsung Galaxy NX Systemkamera mit Wechselobjektiven. Gut erkennbar der fehlende Spiegel im Gehäuse rechts. / Bildquelle: Tinh te

Für Profis oder sehr ambitionierte Hobby-Fotografen kommt die Galaxy NX also nicht Frage und für jemanden der eine einfache Point and Shoot-Kamera möchte, ist sie schlicht zu teuer, beziehungsweise erhält mit der Galaxy Camera Konkurrenz aus eigenem Hause. Das macht die Galaxy NX bestenfalls zu einem Nischenprodukt, was sich am Ende auch in den Verkaufszahlen wiederspiegeln dürfte. Eine hochgeschwindigkeits-Datenverbindung und Android werden wohl nur für sehr wenige Menschen als Grund ausreichen, sich eine neue Kamera für mehrere hundert Euro zuzulegen.

Natürlich wird es Samsung verkraften können, wenn die Galaxy NX sich als Ladenhüter entpuppt, in der Mischkalkulation der Koreaner sind derartige Experimente mit einkalkuliert und hin und wieder wird der Mut ja auch belohnt, wie sich mit dem Samsung Galaxy Note gezeigt hat. Eine derartige Revolution wird der Galaxy NX auf dem Kameramarkt allerdings nicht auslösen, aber vielleicht hat Samsung das auch gar nicht beabsichtigt. Vielleicht ist die Samsung Galaxy NX auch nur ein kleiner Schritt auf dem Weg an die Spitze auf dem Kameramarkt, der andere Hersteller irgendwann dazu zwingen wird, ebenfalls hochqualitative Kameras mit ausgereifter Software auszustatten, um Schritt zu halten.

Was denkt ihr? Überlegt ihr euch eine Samsung Galaxy NX zu kaufen oder seht ihr in diesem Produkt keinen Mehrwert?

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