Samsung Galaxy S4 Google Edition: Ist die Stock Android-Version den hohen Preis wert?

Daniel Kuhn 25. Mai 2013 3 Kommentar(e)

Nachdem auf der Google I/O Keynote ein Samsung Galaxy S4 mit Stock Android vorgestellt wurde, ist die Android-Welt ziemlich aufgeregt. Ein aktuelles High End-Smartphone, das ohne die Herstelleroberfläche, also mit Stock Android auskommt klingt nach dem feuchten Traum eines Smartphone-Enthusiasten. Der Preis ist allerdings nicht niedriger als beim regulären SGS4 und so ist die Frage durchaus erlaubt, lohnt sich der Kauf des SGS4 in der Google Edition überhaupt?

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Kein Nexus 4 mit LTE und 32 GB Speicher, kein neues Nexus 7 – die Keynote zur Google I/O richtete den Fokus tatsächlich, wie vorher angekündigt, auf die Entwickler. Ein neues Smartphone gab es aber doch zu sehen, oder zumindest fast neu, denn äußerlich handelt es sich um ein unverändertes Samsung Galaxy S4, so wie es auch auf dem Samsung Unpacked Event im März präsentiert wurde – eigentlich also kein Grund es auf der Google I/O nochmals auf der Keynote zu zeigen. Eine wichtige Veränderung gibt es an dem gezeigten SGS4 allerdings doch, denn es läuft nicht mit der bekannten TouchWiz-Oberfläche von Samsung, sondern mit einer reinen Stock Android-Version.

Die Unterschiede

Aber nicht nur das blanke Holo UI, das das Telefon fast wie ein Nexus-Gerät aussehen lässt, darf als Besonderheit gewertet werden, sondern auch die Tatsache, dass das Samsung Galaxy S4 in der Google Edition die Updates nicht über Samsung, sondern ganz wie ein Nexus-Gerät, über Google bezieht und somit deutlich schneller mit neuen Android-Versionen versorgt sein wird, als der TouchWiz-Bruder. Außerdem wird die Google Edition des SGS4 auch mit einem offenen Bootloader ausgeliefert, was vor allem in den USA ein großer Punkt ist, da dort die Mobilfunkanbieter oftmals verlangen, dass Smartphones mit verschlüsselten Bootloadern ausgeliefert werden. Aber trotz der Gemeinsamkeiten ist es doch kein Nexus-Gerät und so stellt sich die Frage, ob die weiteren Unterschiede einen Kauf rechtfertigen würden. Wir gehen im Folgenden übrigens von der Annahme aus, dass das Google Experience-SGS4 nicht nur dem amerikanischen Markt vorbehalten bleibt, sondern irgendwann auch den Weg auf europäische Märkte findet, damit unser Gedankenkonstrukt das nötige Fundament erhält.

Die Unterschiede zu den Geräten, die unter Googles Nexus-Flagge segeln sind zahlreich. Zum einen besitzt das SGS4 einen microSD-Karten-Slot und einen wechselbaren Akku – zwei Features die sich zwar die meisten Nutzer von Nexus-Geräten wünschen, die aber nicht im Sinne von Google sind. Zudem besitzt das SGS4 ein funktionierendes LTE-Modul, das Google bisher in keinem Nexus-Gerät verbaut hat, um von den amerikanischen Providern unabhängig bleiben zu können. Und dann ist da noch der Hardware Home-Button, der ebenfalls den Richtlinien von Googles Nexus-Programm wiederspricht, das seit dem Galaxy Nexus auf On Screen-Tasten setzt. Im direkten Vergleich zum aktuellen Nexus-Smartphone, dem Nexus 4 besitzt das SGS4 nicht nur ein größeres Display mit einer höheren Auflösung, sondern auch einen aktuelleren und schnelleren Prozessor. All diese Unterschiede müssen allerdings mit einem Aufpreis von 300 Dollar bezahlt werden. Das SGS4 kostet also so viel wie zwei Nexus 4-Smartphones.

Hugo Barra präsentiert das Samsung Galaxy S4 mit Stock-Android

Hugo Barra präsentiert das Samsung Galaxy S4 mit Stock-Android

Der Preis

Anhand des Preises wird nochmals deutlich, dass es sich nicht um ein Nexus-Gerät handelt, denn Googles Philosophie ist es, gute Hardware zu einem niedrigen Preis anzubieten, während Samsung ganz klar versucht den Premium-Bereich für sich zu beanspruchen. Ein Problem das dabei auftritt ist allerdings, dass das Samsung Galaxy S4 sich, wie einhellig in den Testberichten zu vernehmen ist, durch die dünne Plastikrückseite nicht unbedingt wie ein Premium-Smartphone anfühlt, während das Nexus 4 sich deutlich hochwertiger anfühlt, was den hohen Aufpreis nur schwer rechtfertigen lässt. Dazu kommt, dass in dem Preis, den Samsung für das normale SGS4 verlangt, auch die Entwicklungskosten für die vielen Software-Features der TouchWiz-Oberfläche enthalten sind, die nun allerdings wegfallen.

Diese TouchWiz-Features, so unüberschaubar sie beim Samsung Galaxy S4 auch sein mögen, dürften doch für viele Nutzer ein Kaufgrund sein, denn Stock Android kommt vergleichsweise spartanisch daher und muss erst durch einige Apps im Funktionsumfang erweitert werden um den übrigen Hersteller UIs zu ähneln. Natürlich will ein Kunde der das Nexus-ähnliche SGS4 kauft, genau das reine Android-Feeling, allerdings kann er das auch deutlich günstiger mit einem Nexus 4 haben, oder im Herbst dann mit einem Nexus 5. Dies wird dann in vielen Bereichen wie Prozessor, Display-Größe sowie -Auflösung sicher an die aktuellen High End-Smartphones aufschließen oder sogar dran vorbei ziehen.

Fazit

Abschließend muss festgehalten werden, dass es sich eigentlich nicht lohnt, das Samsung Galaxy S4 in der Google Edition zu kaufen, da der Preis schlicht und ergreifend zu hoch ist. Die Vorteile die es bietet sind zwar durchaus wünschenswert und einen Aufpreis wert, aber nicht solch einen hohen. Zumal es der Entwickler-Community sicher in Windeseile gelingen wird, das Factory Image, sobald es einmal veröffentlicht ist, auch für normale SGS4s zu adaptieren – bis auf die automatischen Software-Updates durch Google, handelt es sich dann in dem Fall um das gleiche Gerät.
Nichtsdestotrotz handelt es sich bei der Google Edition des Samsung Galaxy S4 um einen interessanten und wichtigen Schritt, bei dem die Hersteller ihre aktuellen Spitzenmodelle in die Hände von Google geben, auf die eigene Software-Oberfläche verzichten und auf diesem Weg mal eben das Update-Problem lösen. Es wird spannend, ob sich dieses Konzept durchsetzt und ob es weitere Nachahmer geben wird – das HTC One soll ja gerüchteweise auch in kürze als Google Edition vorgestellt werden. Solange der Preis allerdings identisch mit dem der regulären Versionen ist, beziehungsweise diese sich im Preis nicht eher den Nexus-Geräten annähern, dürfte es für den Normalkunden wenig Anreiz geben, sich für die Google Experience-Geräte zu entscheiden.

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