In wenigen Schritten zum smarten Zuhause

Martin Reitbauer 23. Juli 2015 3 Kommentar(e)

Ein Smart Home System, das mit ¬≠Sensoren und Schaltern aller Hersteller ¬≠kommuniziert ‚Äď und das ohne Zwang zur Cloud. Ist das zu gut, um wahr zu sein?

Anbieter von Smart Home-Systemen bauen meist geschlossene √Ėkosysteme. Der Konsument soll die Zentrale einer Marke erstehen und sein Heim mit Sensoren und Schalt-Aktoren derselben Marke ausr√ľsten. Die Steuerung erfolgt √ľber die Hersteller-App bzw. das Web-Interface, alle Daten laufen √ľber ein Cloud-Service desselben Anbieters, ein Umstieg auf Konkurrenzprodukte ist daher nur mit einem kompletten Systemwechsel m√∂glich.

Die freie Software FHEM (kurz f√ľr ‚ÄěFreundliche Hausautomation und Energie-Messung‚Äú) stellt in Kombination mit Hardware von Drittherstellern eine Alternative dar. Die Einrichtung ist f√ľr Anf√§nger im Bereich der Hausautomation zwar nicht gerade einfach, entlohnt den eifrigen Bastler aber mit einem sehr flexiblen und erweiter¬≠baren Smart Home-System, das ganz ohne Cloud-¬≠Service auskommt.

Raspberry Pi als Server f√ľr FHEM

Zun√§chst wird ein ‚ÄěServer‚Äú ben√∂tigt, der 24 Stunden am Tag aktiv ist und auf dem die FHEM-Software l√§uft. Dazu kann ein schlichter PC mit Windows dienen, ein NAS-Ger√§t auf Linux-Basis oder – mit Einschr√§nkungen – sogar¬†eine Fritz!Box oder ein anderer Router. Der Hersteller der Fritz!Box hatte FHEM zwischenzeitlich sogar ganz offiziell im Programm. Eine alternative L√∂sung ist der g√ľnstige, sparsame Einplatinen-Rechner Raspberry Pi. Im n√§chsten Schritt wird der Server wird mit einem passenden Funkmodul best√ľckt, damit er mit Smart Home-Komponenten kommunizieren kann. Auch hier ist die Auswahl gro√ü, die Dokumentation von FHEM empfiehlt zum Start die sogenannte ‚ÄěCUL‚Äú von busware.de, die per USB angeschlossen wird. Diese ist mit den weit verbreiteten Home¬≠Matic- und FS20-Komponenten von eq3 bzw. ELV kompatibel (Lichtschalter, Funksteck¬≠dosen, Heizk√∂rperthermostate und Sensoren f√ľr Raumtemperatur, Wetter, ge√∂ffnete Fenster, Bewegung uvm). In der FHEM-¬≠Software, die per Web-Interface zug√§nglich ist, ¬≠k√∂nnen Sie anschlie√üend Regeln erstellen, die bestimmten Ereignissen (z.B. einsetzender ¬≠Regen) ¬≠Aktionen folgen lassen (z.B. Markise einfahren). Die Steuerung funktioniert auch √ľber eine App (andFHEM), die sogar Ereignisse √ľber Tasker, Locale und Llama ausl√∂sen kann (z.B. ‚ÄěRoll¬≠l√§den hoch, wenn ich nachhause komme‚Äú).

Das Fehlen einer Cloud-Anbindung bei FHEM bringt zwar mehr Datensicherheit, aber etwas weniger Bequemlichkeit: F√ľr den Zugriff von unterwegs m√ľssen Sie einen VPN-Zugang bzw. eine Port-Freigabe und eine fixe Server-¬≠Adresse mit DynDNS einrichten.

FHEM-kompatible Komponenten:

  • FS-20 (ELV, manche NoName¬≠Baumarktprodukte)
  • HomeMatic (eQ3, ELV)
  • MAX! (eQ3)
  • Z-Wave
  • Zigbee
  • Fritz!Dect
  • EnOcean
  • Intertechno (Baumarktprodukte)
  • viele weitere

Voraussetzung: am Server ist ein ¬≠entsprechendes Funkmodul (angesteckt per USB, ¬≠Ethernet, GPIO…) vorhanden.

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1) Wetterstation

Eine Funk-Wetterstation misst Niederschlag, Windst√§rke und Temperatur. Die Werte k√∂nnen Sie in FHEM mit Aktionen verkn√ľpfen (etwa: ‚ÄěMarkise einfahren‚Äú oder ‚ÄěGarten gie√üen‚Äú)

2) Heizung

Thermostatventile an den Heizkörpern können sehr einfach durch per Funk steuerbare Modelle getauscht werden.

3) Steckdose

Auch viele Steckdosen mit Fernbedienung aus dem Baumarkt sind mit FHEM schaltbar.

4) Fensterkontakt

Ein geöffneter Fensterkontakt kann z.B. die Heizung herunterregeln, damit keine Energie­ verschwendet wird.

5) Licht

Unterputz-Schalter, die mit ¬†FS20 funken, gibt es im Baumarkt oft schon f√ľr kleines Geld.

6) Bewässerung

Per Magnetventil und z.B. einem HomeMatic-­Funkschalter lässt sich mit FHEM auch die Gartenbewässerung automatisieren und z.B. vom Wetter abhängig machen.

Raspberry Pi mit Funkmodul

Der Mini-Rechner Raspberry Pi ist die beliebteste Basis f√ľr eine Smart Home-Zentrale mit FHEM. Der Einplatinen-Computer kostet nur knapp 40 Euro und braucht so wenig Strom, dass er bedenkenlos 24 Stunden am Tag betrieben werden kann. √úber USB, Ethernet bzw. den GPIO-Port kann der RasPi mit einem Funkmodul ausger√ľstet werden, um mit Smart Home-Sensoren und Aktoren der verschiedensten Hersteller zu kommunizieren ‚Äď ¬†von der Wetterstation √ľber den Fensterkontakt bis hin zum Lichtschalter. Ein solches Funkmodul (etwa der CUL von busware.de) schl√§gt nochmal mit etwa 50 Euro zu Buche.

Weitere Informationen: fhem.de, fhemwiki.de, busware.de

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Martin Reitbauer   Chefredakteur

Als Chefredakteur von Android Magazin und ANDROID APPS sowie als Redakteur der Plattform-agnostischen Zeitschrift SMARTPHONE ist Martin haupts√§chlich mit den Print-Magazinen des Verlags hinter androidmag.de besch√§ftigt. Ab und an bleibt dennoch Zeit f√ľr einen Blog-Artikel. Neben Android gilt seine Begeisterung GNU/Linux und freier Software ganz allgemein.

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