Technik: Smartphones direkt aus China kaufen und dabei Geld sparen!

Peter Mußler 18. September 2016 0 Kommentar(e)

FĂŒr einige ist das Smartphone wie ein GlĂŒckskeks: Sie schauen hinein und freuen sich ĂŒber das, was sie dort lesen, aber wenn sie es fallen lassen, zerbröselt das filigrane Ding.

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Vier SchÀtze. Aus China kommen die meisten Smartphones. Einige Perlen kann man aber bei uns nicht offiziell kaufen. Man muss diese direkt im Reich der Mitte bestellen und zu uns nach Mitteleuropa liefern lassen.

Wir ziehen fĂŒr uns eine deftigere Bildsprache vor: Chinesische Smartphones, um die es hier geht, schmecken gut und kosten nicht viel. Ganz so, wie die meisten von uns das all you can eat-Buffet beim Asiaten um die Ecke sehen. Leicht bekömmlich sind sie jedoch nicht, wobei wir bekömmlich auf die Anschaffung beziehen: Man bekommt sie nicht ĂŒber Amazon oder im Handy-Shop.

Wir haben deshalb zusammengetragen, was es ĂŒber den Bezug, die Benutzung und die Technik der China-Phones zu wissen gilt, und FĂŒr und Wider einander gegenĂŒbergestellt. Entscheiden Sie also selbst, ob ihr nĂ€chstes Handy direkt aus dem Reich der Mitte kommt (viele GerĂ€te, die bei uns ganz offiziell verkauft werden, kommen natĂŒrlich auch aus chinesischen Fabriken) oder doch vom heimischen HĂ€ndler oder Mobilfunkanbieter.

Da Marken, die noch vor kurzer Zeit nicht in Europa vertreten waren, nun doch den Sprung zu uns gewagt haben, ist die Zahl der Geheimtipps zurĂŒckgegangen. Wir stellen Ihnen dennoch auf zwei Extraseiten vier Köstlichkeiten vor, die in China bereits Megaseller sind, bei uns aber noch ein Schattendasein fristen.

Mahlzeit!

FĂŒr und Wider der „Roten Telefone“

(+) Starke Performance
Kaum einer bestellt sich ein Einsteiger-Smartphone aus China, eher ein High Tech-GerĂ€t – hier lohnt sich der Aufwand, da die Kostenersparnis im Vergleich zu den ĂŒblichen Spitzenmodellen gewaltig sein kann. Viele dieser starken Telefone können aber nicht nur mithalten, sondern sind echte Kraftmeier und deshalb fĂŒr Technik-Freaks und Gamer interessant.

(+) Kleiner Preis
Ersparnisse können im Vergleich Ă€hnlich ausgestatteter Modelle durchaus bei 50% liegen. Wenn ein „MarkengerĂ€t“ bei uns also 800 Euro kostet, sind fĂŒr ein China-Phone eventuell nur 400 Euro fĂ€llig. Abstriche muss man dabei in der Regel bei der Software (und damit bei der Bedienung) machen, nicht aber bei Technik und VerarbeitungsqualitĂ€t. Beide sind weit fortgeschritten.

(+) ExklusivitÀt
Nicht zuletzt spielt vielleicht das Alleinstellungsmerkmal fĂŒr einen China-KĂ€ufer eine Rolle. Mit der Anschaffung verschafft er sich Zutritt zu einem – zumindest auf unserer Seite der Weltkugel – sehr erlauchten Zirkel. Die Wahrscheinlichkeit auf einen anderen Smartphone-User mit dem gleichen Modell zu treffen, ist Ă€ußerst gering.

(–) Einfuhr: Zeit und Zoll
Wer das Smartphone direkt aus China bestellt, muss lĂ€nger warten als wenn es um die Ecke lagert. Bei Expressbestellung (diese Mehrkosten sollte man auf sich nehmen) jedoch vergeht selten mehr als eine Woche. Zum eigentlichen Kaufpreis kommt außerdem noch die Einfuhrumsatzsteuer in Höhe von 19 %. Echter Zoll fĂ€llt hingegen bei dieser Art von Ware nicht an.

(–) Reduzierte Software
Ein chinesisches (Android-)Smartphone ist nicht automatisch so ausgestattet wie ein Telefon, dass man bei uns im Laden kaufen kann. Auch wenn Android das Betriebssystem ist, können wichtige Google-Apps wie der Play Store fehlen. Dann sollte man sich mit dem manuellen Installieren von Apps auskennen. Außerdem gibt es, anders als in Europa, oft keine Updates.

(–) Fehlende LTE-BĂ€nder
LTE, also die aktuell schnellste MobilfunkĂŒbertragungstechnik, nutzt verschiedene FrequenzbĂ€nder. Diese unterscheiden sich aber zwischen Europa, den USA und eben China. FĂŒr uns und gerade in lĂ€ndlichen Regionen wichtig ist das Frequenzband 20 mit 800 MHz. Manche GerĂ€te aus dem Osten unterstĂŒtzen dieses nicht. Bitte unbedingt vor dem Kauf prĂŒfen!

(–) Sprache: Kein Deutsch
Es gibt GerĂ€te, die gar nicht oder nur schlecht auf die Nutzung durch deutschsprachige KĂ€ufer ausgelegt sind. Das heißt, dass man bei der BedienoberflĂ€che komplett auf Englisch zurĂŒckgreifen muss oder mit einer deutschen Version umzugehen hat, die viele Fehler bzw. Unklarheiten aufweist. Das ist vielleicht ein marginales Problem, kann aber stören.

(–) Support: Große HĂŒrden
Wenn man sich die Margen fĂŒr ZwischenhĂ€ndler einspart, verliert man leider auch die Vorteile dieser HĂ€ndlerstruktur vor Ort. FĂ€llt also etwas einmal nicht zur eigenen Zufriedenheit aus, kann man nicht einfach irgendwo anrufen und sich beschweren. Vor allem ohne zwischengeschalteten Importeur wird es ganz schwer, Hilfe des Herstellers zu erhalten.

(–) GewĂ€hrleistung: jein
Wer bei einem Importeur bestellt, genießt eine einjĂ€hrige GewĂ€hrleistung. Die Nachbesserung nimmt aber der Hersteller vor, das GerĂ€t muss also nach China. Alles in allem können schnell zwei Monate vergehen, bis das Handy wieder heil zurĂŒck ist. Steht man alleine da, können auch schnell Kosten fĂŒr Reparatur verlangt werden. Dann ist er aus, der Traum vom SchnĂ€ppchen!

Kaufen oder nicht kaufen?

Rein zahlenmĂ€ĂŸig scheint alles gegen die Bestellung eines China-Smartphones zu sprechen – sechs Kontra- stehen nur drei Pro-Argumenten gegenĂŒber. Ganz so arithmetisch darf man das aber nicht betrachten.

Die zwei grĂ¶ĂŸten Probleme sind eine Software ohne Update-Versorgung und natĂŒrlich der Worst Case, nĂ€mlich ein kaputtes GerĂ€t, fĂŒr das man aber mehrere hundert Euro bezahlt hat. Wer aber ĂŒber einen Importeur geht, genießt hier zumindest einen gewissen Schutz und hat einen Ansprechpartner vor Ort. So oder so sollte aber ĂŒber den „Kauf ĂŒber Umwege“ nur derjenige ernsthaft nachdenken, der glaubt, damit umgehen zu können, dass nicht auf Anhieb alles reibungsfrei funktioniert wie bei einem neuem Samsung-GerĂ€t.

Der Weg ĂŒber HĂ€ndler und Importeure

Sie mĂŒssen niemanden in China kennen, um an ein „Rotes Telefon“ zu gelangen. Shops im Internet ĂŒbernehmen die Einfuhr.

Um den passenden HĂ€ndler fĂŒr den Kauf eines China-Smartphones zu finden, sollte man unbedingt auf Bewertungen der Shops schauen und darf dabei grundsĂ€tzlich eher skeptisch als wohlwollend an die Sache herangehen. Dann gilt es zu klĂ€ren, welche Versandkosten erhoben werden und wie die Abwicklung funktioniert. Zu dieser Zwischensumme kann aber noch ein erheblicher Posten dazukommen, nĂ€mlich die Einfuhrumsatzsteuer fĂŒr Waren, die nicht aus dem EU-Raum stammen. Sie belĂ€uft sich auf 19 %. Diese ist aber nur dann fĂ€llig, wenn das Lager oder der HĂ€ndler, von dem aus verschickt wird, sich auch tatsĂ€chlich nicht auf EU-Gebiet befindet. Ist das Telefon schon „hier“, dann fallen die 19% nicht an.

Es gibt Shops wie tradingshenzhen.com (mit deutscher Webseite), gearbest.com und honorbuy.com, die sich bewÀhrt haben und bereits lÀnger operieren. Auch sie können Lager in Europa betreiben, was fiskalische Berechnungen erspart.

Es gibt aber auch chinesische Hersteller wie OnePlus, die anfangs mit Zuteilungen gearbeitet haben – nicht jeder bekam also ein GerĂ€t -, mittlerweile aber an alle liefern, die bezahlen. In diesem Fall ist auch der Direktmarketing-Weg des Herstellers eine Option. Die Prozesse laufen dort seriös ab – die ersten GerĂ€te haben uns immer erreicht.

Bildquelle: Shutterstock [Hurst Photo]

Bildquelle: Shutterstock [Hurst Photo] 

Hochleistungs-Handys fĂŒr jeden

Wer sich die Preise der rechts vorgestellten Smartphones anschaut, erwartet mit europĂ€ischer Kauferfahrung GerĂ€te der – maximal gehobenen – Mittelklasse. Wenn es bei 350 Euro anfĂ€ngt und spĂ€testens in der Mitte zwischen 400 und 500 Euro wieder aufhört, dann kann es sich doch um keine Supersportler der Mobiltelefonwelt handeln, oder?

Doch, das geht. WofĂŒr man bei arrivierten Marken gerne ab 700 Euro oder je nach SpeichergrĂ¶ĂŸe sogar gut und gerne ĂŒber 1.000 Euro auf den Tisch legt, wird bei den in China gekauften Produkten gerade einmal die HĂ€lfte fĂ€llig. Wie auf den vorigen Seiten beschrieben, kann es sein, dass man zunĂ€chst Abstriche bei Bedienkomfort und Nutzerfreundlichkeit machen muss. Diese Probleme lassen sich aber beseitigen. Doch die Chinesen machen nicht nur nach, sondern lancieren auch Innovationen: mehr RAM, mehr Kerne, mehr Power. Wir haben die attraktivsten roten Raketen zusammengestellt.

Xiaomi Mi5 (Pro)

Das Mi5 von Xiaomi hat fast alles an Bord, was man sich wĂŒnscht: Fingerprint-Sensor, verdrehsicheres USB-C, ­schnelles WLAN ac, NFC, LTE, Platz fĂŒr zwei SIM-Karten und sogar einen Infrarot-Port. Außerdem ist in der Pro-Version der Arbeitsspeicher mit 4 GB sehr groß und die Prozessorkerne sind höher getaktet. Die Performance des GerĂ€ts ist nachweislich stark. Geliefert wird es allerdings ohne die Play Store-App, was einige Modifikationen nötig macht. Die Verarbeitung ist auf absolutem Top-Niveau. Xiaomi muss sich nicht hinter Samsung verstecken. (Preis: ab EUR 337,-)

Besonderheit: Erkennbar ist ein „Aufschwung“ in der GehĂ€useflanke. Die Verarbeitung ist auf Spitzenniveau.

Besonderheit: Erkennbar ist ein „Aufschwung“ in der GehĂ€useflanke. Die Verarbeitung ist auf Spitzenniveau.

Meizu Pro 6

Zehn Prozessor-Kerne in einem Smartphone-Hirn – das ist eine sensationelle Zahl. Was die bewirken, können wir noch nicht beurteilen, allerdings haben Mediatek-Chips nicht den besten Ruf. Mit 4 GB ist der RAM nur auf gutem Standardniveau dieser illustren Zusammenstellung, es gibt bereits mehr. DafĂŒr bietet die Kamera die höchste Auflösung, was aber natĂŒrlich nicht automatisch zum besten Bild fĂŒhrt. Mit 160 Gramm ist das Meizu recht schwer, unerwarteterweise ist dabei der Akku der kleinste der hier vorgestellten Smartphones. (Preis: EUR 437,-)

Besonderheit: Neben den zehn Prozessorkernen sticht vor allem das druckempfindliche Display („3D Press“) hervor.

Besonderheit: Neben den zehn Prozessorkernen sticht vor allem das druckempfindliche Display („3D Press“) hervor.

ZUK Z2 PRO

ZUK gehört zum Lenovo-Konzern, unter dessen Fittichen auch die ehemalige ­Motorola-Smartphone-Sparte weiter existieren darf. Mit dem jĂŒngst vorgestellten Z2 Pro will Lenovo offensichtlich zeigen, dass man ganz vorne mitmischen kann, wenn es um Performance geht, mehr noch: sogar das Feld dominieren kann. Auch hier ist weitgehend Vollausstattung geboten, es gibt eine Schnellladefunktion (wenngleich der Akku ausreichend bemessen wurde), eine weite Kamerablende (f/1,8) und in der Spitzenversion gar ­sagenhafte 6 GB Arbeitsspeicher. (Preis: EUR 417,-)

Besonderheit: Eine Kamera mit Blende f/1,8 ist eine Seltenheit, auch bei absoluten Top-GerÀten.

Besonderheit: Eine Kamera mit Blende f/1,8 ist eine Seltenheit, auch bei absoluten Top-GerÀten.

Oneplus 3

Über die dritte Auflage des „Smartphone-Killers“ ist nun alles hieb- und stichfest bekannt. Beim Arbeitsspeicher gab es einen gewaltigen Sprung auf 6 GB, der Flash-Speicher ist mit 64 GB (nur eine GrĂ¶ĂŸe erhĂ€ltlich) ausreichend dimensioniert. Über die Kamera können wir noch nicht mehr sagen als dass sie mit 16 MP auflöst. Von der letzten waren wir nicht besonders angetan. Eine Freude dĂŒrfte die Schnellladefunktion genannt Dash Charge sein. One Plus verspricht 63% in 30 Minuten. Das hört sich gut an! Der Strom fließt ĂŒber einen USB-C-Stecker. (Preis: EUR 399,-)

Besonderheit: FĂŒr Generation Drei des OnePlus braucht es keine Einladung mehr. Man kann es einfach bestellen.

Besonderheit: FĂŒr Generation Drei des OnePlus braucht es keine Einladung mehr. Man kann es einfach bestellen.

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Peter Mußler   Redakteur

Als Ästhet beschĂ€ftigt er sich gerne mit formschönen GerĂ€ten und Überschriften, so geschmeidig wie ein poliertes AlugehĂ€use. Als Redakteur fĂŒr die Magazine des CDA-Verlags taucht er in die Tiefen der Recherche aber auch ab bis zum Grund. Denn: Eine Überschrift alleine macht noch keinen Artikel.