Bragi Dash: Völlig kabelfrei

Peter Mußler 10. April 2016 2 Kommentar(e)

Das Funkgerät im Ohr von Lieutenant Uhura aus der Ur-Star Trek-Serie ist nichts dagegen. Moderne Kopfhörer kommen nämlich nicht nur ganz ohne Kabel aus, sie haben auch eine Touch-Schaltfläche und eine eigene mobile Stromtankstelle. Die Bragi Dash aus München zeigen uns den neuen Standard von morgen.

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Anders als die meisten Stereo-Headsets kommt „The Dash“ ganz ohne Kabel aus, die beiden Ohrknöpfe sind per Induktionssender verbunden. Nichts klopft während des laufens auf Hals oder Nacken, nichts verheddert sich in den Haaren.

Nimmt man es genau, sind viele „drahtlose“ Stereo-Kopfhörer Mogelpackungen: Die Vernetzung mit Smartphone, Tablet oder Laptop erfolgt dank Bluetooth zwar tatsächlich ohne Drähte, bei der Verbindung zwischen linkem und rechtem Ohrknopf greifen die Hersteller aber erst recht wieder auf ein Kabel zurück.

Kampf dem Kabel

Das Münchner Start-Up Bragi ist angetreten, um selbst die letzte Schnur noch zu beseitigenzu ändern. Als das Unternehmen Anfang 2014 seine Pläne zur Herstellung von drahtlosen Ohrknöpfen mit Musik-Speicher, Telefonie-Funktion und Pulsmesser präsentierte, stellte es prompt einen neuen Rekord auf: 3,4 Millionen Euro konnte das Projekt von Klein-Investoren der Crowdfunding-Plattform Kickstarter einsammeln.
Seit Februar dieses Jahres werden die ersten Exemplare von „The Dash“, wie das Kopfhörerpaar heißt, ausgeliefert. Mit 299 Euro sind die smarten Ohrknöpfe zwar nicht gerade billig, die Käufer erwerben damit aber wahrhaftig einen tragbaren technischen Tausendsassa.

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Gut zu sehen sind die Kontakte zum Laden auf der Innenseite der Kopfhörer – eine Buchse gibt es nicht. Berührungsempfindlich ist die Schaltfläche auf der Außenseite.

Das Gehäuse der Ohrknöpfe kommt gänzlich ohne Schalter aus und ist wasserdicht. Setzt man die Geräte ins Ohr, aktivieren sie sich von selbst und eine sanfte Frauenstimme erläutert die Vorgehensweise zur Kopplung mit dem Smartphone. Eine Gummihülle am Ohrteil sorgt dafür, dass die Knöpfe nicht herausrutschen – das funktionierte im Test sogar so gut, dass wir es auch unter großen Bemühungen kaum schafften, die Geräte aus dem Ohr zu schütteln. Hut ab.

Ladeschale mit Extra-Power

Zur Verwahrung dient die mitgelieferte, verschließbare Schale aus Kunststoff mit smartem Extra: Ein verbauter Akku lädt die Ohrknöpfe auch ohne Stromquelle bis zu fünf Mal voll auf. Das ist jeweils genug für 4 Stunden Musik (in Summe also 20 Stunden Wiedergabe), ohne an eine Steckdose zu müssen. Bei 4 GB (circa 1.000 Songs) internem Musikspeicher macht der Akku dennoch vor den Liedern schlapp…
Die Steuerung erfolgt einerseits über kleine Touchpads an den Seiten, andererseits über Kopfgesten. Ein Tipp auf den rechten Ohrknopf pausiert die Musikwiedergabe, ein Doppeltipp wechselt zum nächsten Song, ein Wisch nach vorne erhöht die Lautstärke und so weiter. Telefonanrufe soll der Nutzer mit einem Nicken annehmen und mit Kopfschütteln ablehnen können. In der Praxis funktionierte das aber selten. Außerdem ließ die Sprachqualität beim Telefonieren sehr zu wünschen übrig – ein Problem, das viele Bluetooth-Headsets betrifft.

Audio-Transparenz

Wer sich beim Musikhören nicht komplett von der Umwelt abschotten will, kann mit einem Wisch über den linken Hörer den „Transparency“-Modus aktivieren: Der Umgebungston wird dann über die Mikrofone aufgenommen und ins Ohr weitergereicht. So kann man den Musikgenuss etwa für ein Gespräch unterbrechen, ohne die Knöpfe aus dem Ohr nehmen zu müssen.

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Der Transparenz-Modus ist nicht nur wichtig, um mit Passanten sprechen zu können, sondern auch um an gefährlichen Stellen (z.B. an einer vielbefahrenen Straße) nicht auf den Hörsinn verzichten zu müssen.

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Peter Mußler   Redakteur

Als Ästhet beschäftigt er sich gerne mit formschönen Geräten und Überschriften, so geschmeidig wie ein poliertes Alugehäuse. Als Redakteur für die Magazine des CDA-Verlags taucht er in die Tiefen der Recherche aber auch ab bis zum Grund. Denn: Eine Überschrift alleine macht noch keinen Artikel.