nVidia Shield Android TV: Die Set-Top-Konsole im Test

Martin Reitbauer 28. Februar 2016 0 Kommentar(e)
nVidia Shield Android TV: Die Set-Top-Konsole im Test Androidmag.de 5 5 Sterne

nVidia verspricht, dass Shield die Spielkonsole ersetzt und den Fernseher zum Android-TV macht. Wir machen den Test.

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Die Zukunft von Apps und Content-­Diensten ist die Cloud. Bei Filmen, Serien und Live-TV ist diese Zukunft mit den Anbietern Netflix, ­Amazon, Google Play Movies und Co. schon ­gegenwĂ€rtig. Apps und Spiele sind aber ­immer noch höchstens punktuell an die Cloud angebunden – wahrhaftig gestreamt werden App-Inhalte noch kaum. Dabei liegen die Vorteile auf der Hand: Der Nutzer braucht Apps nicht mehr lokal auf dem GerĂ€t zu installieren und dafĂŒr teuren Speicher und Rechner-Hardware kaufen. Der abgespeckte „Thin Client“ in der Hand reicht aus – eine starke Internetverbindung vorausgesetzt.

Der Grafikchip-Hersteller Nvidia will mit dem Shield Android TV in diese Zukunft aufbrechen – einem Client, der aufwendige Konsolenspiele in hoher Auflösung und Framerate streamt. Die Steuereingaben, die der Spieler ĂŒber den mitgelieferten Controller tĂ€tigt, werden in Echtzeit an ein Rechenzentrum des Anbieters ĂŒbermittelt, in dem das jeweilige Spiel lĂ€uft. Das ­berechnete grafische Ergebnis wird laufend an das Shield An­droid TV zurĂŒckgestreamt und per HDMI-Ausgang auf Fernseher oder Projektor wiedergegeben.

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Klingt komisch, ist aber so

Ein Full HD-Stream, der in Echtzeit auf Eingaben des (vielleicht Hunderte Kilometer entfernten) Nutzers reagiert? Das klingt unglaublich. Aber es funktioniert weitgehend ohne störende Verzögerung zwischen Eingabe auf dem ­Controller und Reaktion auf dem Schirm – wenn ­einige Voraussetzungen erfĂŒllt sind: Die Internetanbindung muss mindestens 12 MBit leisten, die Anforderung steigt auf 20 Mbit bei 720p und 60 Frames pro Sekunde bzw. 50 MBit bei 1080p-Auflösung und 60 FPS. Auch die Netzwerk-­Latenz zum ­Nvidia-Server (der nĂ€chste steht in ­Frankfurt) darf nicht zu lang sein – höchstens 40-60 ­Millisekunden werden empfohlen. Die Voraus­setzungen lassen sich schon vor dem Kauf ĂŒber ein Online-Tool prĂŒfen. Beim Spielen ist unbedingt anzuraten, das Shield per Ethernet-Kabel statt per WLAN anzuschließen.

„Netflix for Games“

Die Gaming-Plattform des Herstellers („­GeForce Now“) wird oft das „Netflix for Games“ genannt und arbeitet wie das vermeintliche Film- und ­Serienvorbild mit einem Abomodell. FĂŒr 10 Euro pro Monat erhĂ€lt der Kunde Zugriff auf ein ­Portfolio von 50 interessanten (wenn auch nicht durchweg top-aktuellen) Spielen, darunter The Walking Dead, Batman Arkham City und The Witcher 2. Weitere Titel lassen sich ­zukaufen, wobei der Nutzer auch einen Code fĂŒr die ­Nutzung auf anderen Plattformen erhĂ€lt. Wer auf dem PC eine Nvidia-Grafikkarte nutzt, kann mit „Gamestream“ außerdem Spiele vom ­Desktop auf das Shield streamen – das klappt bei ĂŒber 200 Titeln.

Medienzentrale mit Android

Das Shield Android TV ist allerdings nicht nur Spielkonsole, es dient auch als Streaming-­Client und Medienzentrale fĂŒrs Wohnzimmer, ­Àhnlich dem Nexus Player von Google – nur mit 4K-­Auflösung. Dienste wie Netflix, und Youtube sind vorinstalliert, zahllose weitere können ĂŒber den Play Store geladen werden. Das GerĂ€t beherrscht Google Cast, die Wiedergabe von Bild und Ton lĂ€sst sich also vom Handy aus starten und steuern. An sich dient zur Steuerung aber der mitgelieferte Drahtlos-Controller – wer diesen zu klobig fĂŒr den Couchtisch findet, kann fĂŒr 55 Euro eine schicke, kompakte Fernbedienung dazukaufen. Beide EingabegerĂ€te verfĂŒgen ĂŒber ein Mikrofon fĂŒr Spracheingaben mit Google Voice. Außerdem ist, wie es sich fĂŒr eine Konsole gehört, jeweils ein Kopfhöreranschluss verbaut – man kann also sowohl spielen als auch ­Medien konsumieren, ohne seine Mitbewohner oder Nachbarn zu stören.

nVidia Shield Android-TV im Überblick

  • Mischung aus Set-Top-Box und Spielkonsole auf Android TV-Basis
  • Spiele live aus dem Internet streamen per Abo (GeForce Now) oder Einzelkauf.
  • Android-Spiele („optimized for Android TV“) auf dem Schirm mit Controller spielen.
  • Streaming-Apps wie Netflix, Youtube, Plex und Mediathek-Apps der Fernsehsender aus dem Google Play Store.
  • Integrierte Chromecast-Funktion, um das ­Streaming vom Smartphone zu steuern.

Preis: EUR 199,-/ 299 (PRO)
Max. Auflösung: 4K (2160p)
KonnektivitÀt: HDMI, microUSB, 2x USB 3.0, Ethernet, WLAN ac, Bluetooth 4.1
Hardware: Tegra X1, 3 GB RAM / 500 GB Speicher
bit.ly/nvidia_4k

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Martin Reitbauer   Chefredakteur

Als Chefredakteur von Android Magazin und ANDROID APPS sowie als Redakteur der Plattform-agnostischen Zeitschrift SMARTPHONE ist Martin hauptsĂ€chlich mit den Print-Magazinen des Verlags hinter androidmag.de beschĂ€ftigt. Ab und an bleibt dennoch Zeit fĂŒr einen Blog-Artikel. Neben Android gilt seine Begeisterung GNU/Linux und freier Software ganz allgemein.

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