RugGear RG600: Der Rough Rider im Test

Peter Mußler 30. Juli 2015 0 Kommentar(e)
RugGear RG600: Der Rough Rider im Test Androidmag.de 4 4 Sterne

Manche mögen‘s rau. Das könnte der Grund dafĂŒr sein, dass Smartphones gebaut werden, die eigentlich besser Hardphones heißen sollten. Den smarten Kern besonders gut geschĂŒtzt hat das RG600 vom Spezial­hersteller RugGear. Wir bohren nach.

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Baustellen-Handy. Outdoor-Phone. Försters Fernsprecher. Es gibt viele Bezeichnungen fĂŒr ein Smartphone, dessen Design sich dem Motto „grĂ¶ĂŸer, schwerer, kastiger“ verschrieben hat und damit zwangslĂ€ufig gegen den Strom der Normal-GerĂ€te schwimmt, die ja ­buchstĂ€blich immer stromlinienförmiger werden. Mit ­einer ­renitenten Punk-AttitĂŒde bei den potenziellen Kunden hat das aber in den seltensten FĂ€llen zu tun. Vielmehr heiligt der Zweck die brachialen ­Mittel von dicker Panzerung und riesigen Akkus.

RugGear ist seit vielen Jahren ein Spezialist fĂŒr mobile EndgerĂ€te wie Telefone, Smartphones und Tablets, die dort zum Einsatz kommen, wo man sie naturgemĂ€ĂŸ eher nicht verwenden wĂŒrde, wollte man ihre volle Funktion dauerhaft aufrecht erhalten. Mobiltelefone sind von ihrer Konstruktion her noch am wenigsten anfĂ€llig, bei Smartphones mit Kamera, grĂ¶ĂŸerem Display und empfindlichem Innenleben wird die Aufgabe schon schwieriger. Mit dem RG600 ist RugGears „Smartphone-Mitte“ auf unserem PrĂŒfstand: keine 3,2 (RG500) und keine 5,3 Zoll (RG700), sondern derer 4,5.

Rechts sind wie gewohnt die LautstÀrkeregler, links aber ein Kamera- und ein SOS-Button. Die Taste links unter dem Display aktiviert das WÀhlfeld, die rechts den Schirm selbst.

Rechts sind wie gewohnt die LautstÀrkeregler, links aber ein Kamera- und ein SOS-Button. Die Taste links unter dem Display aktiviert das WÀhlfeld, die rechts den Schirm selbst.

 

Stromsparendes Display

Bei dieser GrĂ¶ĂŸe braucht ein Display per se nicht viel Strom, wenn es nur mit 854 x 480 Pixeln auflöst sowieso nicht. In Zusammenhang mit dem riesigen Akku mit einer Leistung von 3600 mAh ­erklĂ€rt sich die angegebene Standzeit von 450 Stunden (das sind fast 19 (!) Tage) und die reine GesprĂ€chszeit von maximal 480 Minuten, also acht Sunden. Damit kommt man ĂŒber einen Zelt- oder Kanu-Urlaub ohne zwischendurch an einer fremden Steckdose aufzutanken. FĂŒr ein Abenteuer in der Wildnis ist das eine der QualitĂ€ten, die man sich vom smarten Begleiter erwartet.

Hinter der verschraubbaren Heckklappe sitzen geschĂŒtzt der große Akku, ein SD-Karten- und in Sandwich-Bauweise zwei SIM-Slots.

Hinter der verschraubbaren Heckklappe sitzen geschĂŒtzt der große Akku, ein SD-Karten- und in Sandwich-Bauweise zwei SIM-Slots.

Hart im Nehmen: Wasserfest, staubdicht, unempfindlich

Die andere wichtige Eigenschaft ist eine hohe Resistenz gegenĂŒber Ă€ußeren EinflĂŒssen, egal ob atmosphĂ€rischer oder mechanischer Art. Auf ein outdoor-taugliches GerĂ€t sollte man nicht aufpassen mĂŒssen. Das RG600 ist gegen Staub und Mikropartikel abgedichtet (Staub unter dem Displayglas und in der Kamera sollte also kein Problem sein), einer völligen Wasserung hĂ€lt es bis zu einer Tiefe von zwei Metern mindestens 30 Minuten stand (also selbst beim unbeabsichtigten Tauchgang im Wildwasser dĂŒrfte nichts geschehen, sofern man das Handy wieder findet) und auch StĂŒrze aus einer Fallhöhe von zwei Metern zeigen keine substanzielle Wirkung. DafĂŒr verantwortlich ist die Schutzschale aus harter Gummierung um das eigentliche GerĂ€t herum. Sie gibt ihm vor allem  durch die Unternehmensfarben Schwarz und Gelb einen amerikansichen Baustellen-Look: Das GerĂ€t könnte auch ein Transformer sein, der im normalen Leben ein Bulldozer ist. Das so viel Schutz auch seinen Tribut fordert, ist klar. Die Waage zeigt 260 Gramm an – so viel wie zwei ordinĂ€re Phones.

Eigentlich war ein Antutu-Check unter Wasser geplant, quasi doppelter Belastungstest. Das hÀtte aber vielleicht das Ergebnis verfÀlscht. Tauchprobe wurde auf jeden Fall bestanden.

Eigentlich war ein Antutu-Check unter Wasser geplant, quasi doppelter Belastungstest. Das hÀtte aber vielleicht das Ergebnis verfÀlscht. Tauchprobe wurde auf jeden Fall bestanden.

Robuste Technik und SOS-Taste

Im Inneren geht es dafĂŒr etwas gemĂŒtlicher zu. Der Vierkerner mit je 1,3 GHz und einem 1-GB-RAM kann gar keine Topleistung bringen, die braucht es aber fĂŒr die typischen EInsatzgebiete nicht. Ebenso wenig wie einen großen Speicher. Von den 4 GB intern sind ab Werk noch um ein Gigabyte verwendbar. Da man aber keine Videos damit schauen mag, reicht der Platz (den man ĂŒbrigens auf 32 GB extern erweitern kann) gut fĂŒr ein paar Fotos (die Hauptkamera löst mit 8 MP sowieso nicht ĂŒbermĂ€ĂŸig auf) von bildschöner Aussicht beim Trekking-Urlaub oder von der Baustelle. Wie gesagt: Strom sparen und immer funktionieren hat oberstes Gebot. Die minimalistische Ausstattung lĂ€uft anscheinend genauso gut bei -20, aber auch +60°Celsius. Zu extremen Situationen gehören ĂŒbrigens auch NotfĂ€lle. Das RG600 verfĂŒgt eine SOS-Taste, die – frei konfigurierbar SMS an bestimmte Nummern schickt bzw. diese anruft.

Begeistert hat ĂŒberdies der bĂ€renstarke Lautsprecher mit drei Watt Leistung, der es auf bis zu 100 Dezibel LautstĂ€rke bringt. In unserem BĂŒro hat er fĂŒr viele böse Blicke gesorgt.

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Fazit

Robustheit hat ihren Preis, drum reicht es nicht, nur das Design des RG600 cool zu finden. Wer allerdings so ein GerÀt wirklich braucht, wird (im Dreck) seine Freude damit haben.

Aktueller Preis auf Amazon:
EUR 420,81
 
Android
4.4.2
5,4"
854x480
Gewicht
260 g
8 MP
5 MP
Kamera
4 GB
32 GB
Speicher
1 GB
RAM
4x
1,3 GHz
CPU



OK MicroSD OK USB OK Audio OK GPS OK HSPA+ OK WLAN (a,b,g,n) OK Bluetooth 4.0
Abmessungen: : 147x78x18 (in mm - Höhe x Breite x Tiefe)

Display: 3 Sterne
Speed: 2 Sterne
Akku: 5 Sterne
Verarbeitung: 5 Sterne
Ausstattung: 3 Sterne
Design: 4 Sterne
Haptik: 4 Sterne
Kamera: 4 Sterne
Leistung:
19577
 
Grafik:
229
 
Browser:
1636
 
Akku:
800
 
Max. 80627
Max. 4942
Max. 7176
Max. 910
Gesamtwertung: 29/40
 

GerÀtevergleich Rang 1

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Peter Mußler   Redakteur

Als Ästhet beschĂ€ftigt er sich gerne mit formschönen GerĂ€ten und Überschriften, so geschmeidig wie ein poliertes AlugehĂ€use. Als Redakteur fĂŒr die Magazine des CDA-Verlags taucht er in die Tiefen der Recherche aber auch ab bis zum Grund. Denn: Eine Überschrift alleine macht noch keinen Artikel.