Huawei P9: Wenn das Flaggschiff zwei Mal knipst

Nach zahlreichen Leaks im Vorfeld ist es nun also offiziell: Das neue Huawei-Flaggschiff P9. Das Highlight: Nicht eine, sondern gleich zwei Kameras mit Technologie des deutschen Kamera-Herstellers Leica. Android Magazin war bei der Präsentation vor Ort und konnte das Gerät kurz ausprobieren.

Wie auch schon in den vergangenen beiden Jahren fand die Vorstellung des neuen Huawei-Flaggschiffs in London statt und wurde von zwei weiteren Neuvorstellungen flankiert: Neben dem Standardmodell P9 für 569 Euro wird auch ein 5,5 Zoll-Phablet mit dem Namen P9 Plus (699 Euro) sowie eine abgespeckte Variante „P9 Lite“ erscheinen. Letztere soll 279 Euro kosten, weitere Details gibt es vorerst nicht. In den Handel kommen die Geräte Mitte Mai (P9) bzw. Anfang Juni (P9 Lite). Das P9 Plus soll später folgen.

Huawei P9: Äußeres

„Modern, sleek, contemporary“, so beschreibt Huawei das Design der neuen P9-Reihe. Das Gehäuse besteht jeweils hauptsächlich aus Aluminium (das Wort „Unibody“ wird verwendet). Das Standardmodell P9 ist nur 6,95 mm dick. Die beiden Kameraobjektive (mehr dazu weiter unten) sind flucht mit der Rückseite – kein „camera bump“ also. Bemerkenswert sind die schmalen Bildschirmränder, die zu den Seiten hin nur 1,7 mm messen. Das Glas ist an den Übergängen zum Gehäuse leicht abgerundet – „softness in hardness“ ist das Motto. Die Oberflächen sind in verschiedenen Finishes erhältlich, darunter sandgestrahltes oder auf Hochglanz gebürstetes Metall.

 

Doppelkamera

Als nächstes zum Highlight des P9: der Doppelkamera. Wie schon im Vorfeld durchgesickert ist, hat Huawei bei der 12 MP-Dual-Knipse mit dem deutschen Kamerahersteller Leica zusammengearbeitet. Der Präsentation zufolge betrifft die Kooperation Optik und Bildprozessor. Als Gag hat Huawei sogar das mechanische Auslösergeräusch der Leica in die Kamera-App eingebaut.

Wozu zwei Kameras? Die zwei Sensoren (einmal RGB, ein Mal monochrom) sollen zusammen 270% mehr Licht als der des iPhone 6S bzw. 90% mehr als jener des Samsung Galaxy S7 einfangen. Die Fläche pro Pixel ist im Vergleich zum Vorgänger P8 von 1,12 um auf 1,25 (pro Sensor) gestiegen. Auch hier ist Huawei mit einem Vergleich bei der Hand: Das iPhone 6S hat 1,22 um große Pixel. Außerdem packt die Doppelkamera (wie man das schon von Experimenten anderer Hersteller wie dem HTC One M8 kennt) die Ergebnisse von Tiefenmessungen in die Bilddateien und ermöglicht es so, nachträglich den Fokuspunkt einer Aufnahme zu ändern – etwa den Hintergrund oder das Motiv im Vordergrund scharf zu stellen.

Die Autofokus-Methode wird je nach Situation zwischen Laser- (für Nahaufnahmen bis 1,2 Meter), Kontrast- und Tiefen-Autofokus umgeschaltet. Im kurzen Test wirkte der Autofokus aber nicht so schnell wie der von Spitzenkameras auf dem Markt.

Auf Wunsch lassen sich die beiden Kameras auch separat nutzen. So entstehen entweder RGB- oder Monochromaufnahmen – ohne die Extra-Effekte, die mit einer Kombination der beiden Kameras entstehen.

Display: Alles beim Alten

Beim Bildschirm bleibt Huawei der Full-HD-Auflösung und auch der Bildschirmdiagonale von 5,2 Zoll des Vorgängers P8 treu. Auch die Pixeldichte bleibt mit 423 ppi beinahe unverändert. Die Helligkeit soll 500 cd/m2 erreichen, was das Panel im Vergleich mit der Konkurrenz im oberen Bereich ansiedeln würde.

Hardware: Größerer Akku, USB-C

Neben einem neuen Systemchip aus Huawei-Eigenproduktion (Kirin 955 mit 4x 2,5 GHz und 4x 1,8 GHz) stechen in den Hardware-Specs ein größerer Akku und der USB-C-Anschluss hervor. Der 3000 mAh große Energiespeicher (P8: 2680 mAh) soll 12 Stunden Video-Playback ermöglichen und im Alltagsbetrieb auch bei starker Nutzung mehr als einen Tag durchhalten.

Geladen wird der Akku über einen USB-C-Port – mit Huawei steigt neben LG also ein weiterer großer Hersteller auf den neuen Standard um, während sich Samsung und Sony zuetzt noch zierten. Über ein nicht näher beschriebenes Schnelladeverfahren soll das P9 in 30 Minuten von 0 auf 44% geladen sein.

Ausstattung: Fingerprint-Sensor „der 4. Generation“

Neu dabei ist ein rückseitiger Fingerabdrucksensor, den andere Huawei-Modelle ja schon länger haben. Beim P9 soll er aber noch zuverlässiger arbeiten als in den Bestandsgeräten – ein Sensor „der vierten Generation“ wird beworben. Im kurzen Praxistest ließen sich keine Unterschiede feststellen.

Die Dual-SIM-Funktion des P9 ist nach wie vor marktabhängig. In D-A-C-H wird sie regulär wohl nicht zu bekommen sein. MicroSD, LTE, WLAN-ac sind aber bei allen Geräten an Bord.

Test: Man darf gespannt sein

Ob das neue China-Flaggschiff hält, was es verspricht, werden wir in einem ausführlichen Test in den kommenden Tagen klären. Ein starkes Augenmerk werden mir dabei auf die neuartige Dual-Kamera legen. Also: Stay tuned!