Pebble Smartwatch

Smartwatches sind in aller Munde und gelten neben AR-Brillen wie Google Glass als DAS nächste große Ding der IT-Branche. Während sich Gerüchte häufen, wonach die großen Namen wie Apple, Google oder Samsung daran arbeiten und Hersteller wie Sony oder Motorola bereits eher durchwachsene Produkte am Start haben, gelang es einem kleinen Startup aus dem Silicon Valley mit seiner Smartwatch für Furore zu sorgen. Auf der Crowd-Funding-Plattform Kickstarter konnte das Projekt unterstützt und gleichzeitig vorbestellt werden. Mit gehöriger Verzögerung traf unsere Pebble in der Kickstarter-Edition Anfang April dann bei uns ein. Wir haben die Pebble Smartwatch nun seit etwa einem Monat im Einsatz und teilen euch in diesem Artikel unsere Eindrücke mit.

Auf den ersten Blick wirkt sie „nur“ wie eine hübsche digitale Armbanduhr mit monochromen Display. Die Pebble Smartwatch will jedoch mehr sein und als praktisches Helferlein zwischen User und Smartphone fungieren. Und zwar so: via Bluetooth werden zuverlässig Benachrichtigungen verschiedenster Apps und Dienste auf das stromsparende Display gepusht, „Watchfaces“ genannte Ziffernblätter lassen sich binnen Sekunden einspeisen sowie konfigurieren und auch diverse Musik-Player-Apps können mühelos ferngesteuert werden. Dank einer bereits jetzt extrem aktiven Community ist der Nachschub an kreativen Watchfaces und sogar Spielen wie Snake, Space Invaders oder Tetris bereits gesichert. Und auch immer mehr namhafte App-Entwickler wie Runkeeper unterstützen die Smartwatch nativ in ihren Apps. Doch was taugt die Pebble Smartwatch im Alltag? Wir haben die Smartwatch seit rund einem Monat im Dauereinsatz und schildern euch in diesem Test unsere Eindrücke und Vor- und Nachteile des angesagten Gadgets.

Schlichtes Design und leichtes Plastik

Optisch weiß die Smartwatch – zumindest für unseren Geschmack – zu gefallen. Das schwarze Modell erinnert mit seinem schlichten Design zudem an die Nexus-Geräte von Google und seinen Partnern. Die Oberseite besteht aus einem abgerundeten, durchgehenden Stück transparentem Polycarbonat. Das Gehäuse selbst besteht ebenfalls aus Plastik, was den Vorteil hat, dass die Pebble insgesamt sehr leicht ist und sich dadurch sehr angenehm tragen lässt. Nachteil ist dadurch aber, dass sich dies natürlich weniger hochwertig und edel anfühlt, als eine Uhr aus Metall oder ähnlichen Materialien. Die Oberseite der Pebble Smartwatch soll laut Hersteller kratzfest sein, wie viel die Pebble tatsächlich aushält, können wir aber nicht konkret sagen. Und noch ein weiterer Punkt zur Verarbeitung: Das Plastik-Armband ist zwar angenehm zu tragen, vor allem bei hohen Temperaturen aber nicht ideal. Doch das ist nicht weiter schlimm, da das Armband problemlos ausgetauscht werden kann.

Die Pebble Smartwatch ist sehr leicht und entsprechend angenehm zu tragen. Das mitgelieferte Armband aus weichem Kunststoff wird nicht jedermanns Fall sein, es lässt sich aber durch handelsübliche Leder-, Stoff- oder Metallarmbänder austauschen.

Display: E-Paper, aber kein E-Ink

Für etwas Verwirrung sorgte das Display der Pebble Smartwatch. Der Hersteller selbst bezeichnet den Bildschirm als „E-Paper“, welcher von Sharp gefertigt wird. Dabei handelt es sich aber nicht um jene Technologie, die Amazon beispielsweise bei seinen Kindle E-Readern verbaut, sondern um ein spezielles LCD-Panel mit einer Größe von 1,26 Zoll und drei LEDs als optionale Beleuchtung (Quelle: pebble-smartwatch.de).

In der Praxis ist der Sharp-LCD aber kaum von einem richtigen E-Ink-Display zu unterscheiden, denn die Pebble bleibt selbst bei direkter Sonneneinstrahlung hervorragend lesbar. Bei schlechterem Licht oder bei völliger Dunkelheit hilft die optionale Hintergrundbeleuchtung, die sich durch das Schütteln der Smartwatch aktivieren lässt und das LCD-Panel für etwa vier Sekunden gleichmäßig ausleuchtet.

Das ePaper-Display bleibt auch bei direktem Sonnenlicht hervorragend lesbar. Im Dunkeln steht eine Hintergrund-Beleuchtung zur Verfügung, die sich durch Schütteln aktivieren lässt.

Akku und Reparatur

In der Pebble Smartwatch ist ein fest verbauter Akku mit „nur“ 130 mAh zu finden. Dieser Wert reicht aber aus, um die vom Hersteller versprochene Akkulaufzeit von rund einer Woche zu ermöglichen. Auch bei starker Nutzung, sprich bei vielen weitergeleiteten Benachrichtigungen und häufiger Aktivierung der Beleuchtung, kamen wir etwa sechs bis sieben Tage mit einer Akkuladung durch – eine Woche ist also durchaus realistisch. Über den Akkustand informiert übrigens ein kleines Icon in der rechten oberen Ecke des Hauptmenüs. Dieses erscheint aber erst einige Stunden bevor die Pebble den Geist aufgibt, hier wäre eine etwas weniger zeitkritische Lösung durchaus wünschenswert gewesen.

Der Akku der Pebble Smartwatch hält rund eine Woche, danach muss die Uhr per USB-Kabel geladen werden. Der Magnet-Stecker erinnert an die Ladekabel von Apple-Notebooks und erlaubt komfortables Laden.

Die Akkulaufzeit ist aber ausreichend und der Ladevorgang selbst ist dank des mitgelieferten Magnet-Ladekabel simpel und in maximal vier Stunden erledigt. Dazu wird das Kabel einfach an den USB-Anschluss eines PCs, Notebooks oder Smartphone-Ladeadapters angesteckt und mit der Uhr verbunden. Natürlich sollte die Uhr dazu vom Handgelenk genommen werden.

In Sachen Akku gibt es aber auch Grund zur Kritik: Die Pebble Smartwatch ist so konstruiert, dass sie weder vom Käufer noch vom Hersteller selbst repariert werden kann. Dies belegten die Kollegen von ifixit.com, die die Smartwatch komplett zerlegten und dabei feststellten, dass die Uhr zwar absolut wasserdicht ist, durch die Bauweise aber auch nicht ohne Schäden zerlegt werden kann. Da sich der Akku nicht selbst tauschen lässt und nach sechs bis zehn Jahren den Geist aufgibt, ist die Lebenszeit der Pebble Smartwatch also leider begrenzt.

Wie die Kollegen von iFixit.com festgestellt haben, ist eine Reparatur der Pebble Smartwatch unmöglich: Aufgrund der wasser- und staubdichten Bauweise, bricht das Display beim Öffnen des Gerätes. Auch der Akku kann nicht getauscht werden, die Lebensdauer der Uhr ist also leider begrenzt.

Die Pebble Smartwatch als Benachrichtigungs-Zentrale

Im Kern ist die Pebble Smartwatch eine Benachrichtigungs-Zentrale für das Handgelenk. Während die Uhr bei iOS aufgrund technischer Einschränken nur Anrufe, SMS und Notifications einiger weniger Apps weiterleiten kann, ist die Pebble in Kombination mit Android ein weitaus mächtigeres Werkzeug. Auf Wunsch pusht das Android-Smartphone sämtliche Benachrichtigungen problemlos weiter, so können etwa Mails oder SMS vorab gelesen werden. Ist die Nachricht wichtig, müsst ihr aber dennoch euer Smartphone zücken, denn das Antworten ist mit der Pebble nicht möglich.

Trifft eine Benachrichtigung ein, vibriert die Pebble kurz aber kräftig, wodurch es nahezu unmöglich ist, die Benachrichtigung zu verpassen. Mit den beiden Scroll-Buttons auf der rechten Seite der Uhr lassen sich diese Nachrichten beliebig nach unten oder oben scrollen, durch drücken des Home-Buttons auf der linken Seite gelangt man zurück auf die Uhren-Anzeige.

Längere Benachrichtigungen, wie hier eine E-Mail, lassen sich mit den Tasten am rechten Rand des Geräten nach oben und unten scrollen.

An der Pebble selbst könnt ihr in den Einstellungen unter dem Menüpunkt “Display” einstellen, ob ihr Notifications erhalten möchtet, wie groß deren Schriftart sein soll und ob die Uhr dabei vibrieren soll. Weitere Anpassungen lassen sich mit der Pebble-App direkt am Smartphone vornehmen: In den Einstellungen unter “Notifications” findet ihr weitreichende Benachrichtigungs-Settings. Hier könnt ihr grundlegende Dinge festlegen, etwa ob Anrufe, SMS oder Kalender-Erinnerungen weitergeleitet werden sollen. Wohlgemerkt lassen sich diese Dinge praktischerweise einzeln ein- oder ausschalten. Zudem sind spezielle Menüpunkte für Facebook- und WhatsApp-Messages vorhanden, mit denen ihr zentral festlegen könnt, ob entsprechende Notifications auf eure Pebble gepusht werden sollen oder nicht.

In der offiziellen Android-App lassen sich diverse Einstellungen zu den Benachrichtigungen festlegen.

Betriebssystem und Bedienung

Das Betriebssystem der Pebble Smartwatch ist eher rudimentär: Als „Homescreen“ fungiert das Ziffernblatt (im Falle der Pebble „Watchface“ genannt) zu dem ihr jederzeit über den Home-Button gelangt, der sich auf der linken Seite der Uhr befindet. Praktisch ist, dass mit den Hoch- und Runter-Buttons auf der rechten Seite jederzeit zwischen den installierten Watchfaces gewechselt werden kann.

Das Betriebssystem der Pebble Smartwatch ist minimalistisch gehalten und einfach zu bedienen.

Das Menü der Pebble Smartwatch wird mit dem mittleren Button auf der rechten Seite geöffnet. Hier sind die folgenden vier Menüpunkte zu finden:

Music“: Hier lässt sich Musik auf dem Smartphone oder Tablet steuern. Funktioniert gut aber eingeschränkt, da Titel nur pausiert oder übersprungen werden können.

Set Alarm“: Hier lassen sich lokal auf der Uhr gespeicherte Alarme definieren. Einfach Stunde und Minute festlegen, und die Pebble vibriert täglich zu diesem Zeitpunkt.

Watchfaces“: Sämtliche über die Pebble-App installierten „Watchfaces“, also Ziffernblätter, sind hier zu finden. Übrigens: Es lassen sich maximal 10 Watchfaces (beziehungsweise Watchapps) installieren.

Settings“: In den Einstellungen lassen sich die Bluetooth-Verbindung überprüfen, Datum und Uhrzeit festlegen, das Display einstellen, Infos zur Software abrufen, die Pebble ausschalten und auf den Werkszustand zurücksetzen.

Sofern Watchapps von Drittentwicklern installiert wurden (wie in unserem Fall etwa Snake Finn oder Pebblis), dann scheinen diese „Watchapps“ unter dem Menüpunkt Settings auf.

Neue Watchfaces, also Ziffernblätter, lassen sich direkt über die offizielle App installieren. Im Internet sind aber schon weitaus mehr zu finden.

Fazit

Die Pebble Smartwatch polarisiert: während sie für die Einen der erste wirklich brauchbarer Vertreter der prophezeiten Wearable-Computing-Revoltion ist, sehen andere das Ganze durchaus weniger euphorisch – oder sagen wir realistischer. Denn so viel Spaß wir mit der Pebble am Anfang hatten, kristallisiert sich schon bald heraus, dass sie den Griff zum Smartphone keineswegs überflüssig macht. Klar, es ist praktisch, dass SMS, E-Mails und sonstige Nachrichten vorab auf der Uhr gecheckt werden können und dass Anrufe de facto nicht mehr verpasst werden können. Wer sich mit diesen Funktionen zufrieden gibt und sich an kreativen Watchfaces und Mini-Games erfreuen kann, kann sich getrost eine Pebble besorgen. In der jetzigen Form ist die Pebble Smartwatch eher ein spannendes Spielzeug für Nerds als ein wirklich nützliches Gadget für den Otto Normalverbraucher.

Anhang: Empfehlenswerte Links und Apps

Wie nicht anders zu erwarten war, erfreut sich die Pebble Smartwatch einer sehr aktiven Community. Aus diesem Grund, findet ihr hier einige empfehlenswerte Links zu Seiten, auf denen ihr coole Watchfaces oder neue Apps findet. Solltet ihr noch Links oder Apps kennen, freue ich mich natürlich über ein Kommentar unterhalb des Artikels.

– www.pebble-smartwatch.de: Interessante News-Seite, die sich ausschließlich der Pebble Smartwatch widmet.

– www.german-pebblers.de: Deutschsprachiges Forum zum Thema Pebble Smartwatch.

 www.mypebblefaces.com: Übersicht über Watchfaces, Watchapps und Spiele, die nicht von Pebble selbst entwickelt wurden.

– www.watchface-generator.de: Hier könnt ihr schnell und einfach eigene Watchfaces zusammenbauen.

Die offizielle Pebble-App. Ein Must-Have für jeden Pebble-Besitzer:

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Inoffizielle Pebble-App, mit der sich jede beliebige App-Benachrichtigung ein- oder ausschalten lassen:

[pb-app-box pname=’com.dattasmoon.pebble.plugin’ name=’Pebble Notifier’ theme=’light’ lang=’de’]

Etwas teure Smartwatch-App, die eigentlich für andere Modelle entwickelt wurde, mittlerweile aber einige Pebble-Funktionen enthält:

[pb-app-box pname=’com.alk.k9′ name=’Augmented SmartWatch Pro’ theme=’light’ lang=’de’]