Im Test: Huawei P10

Peter Mußler 31. Mai 2017 Kommentare deaktiviert für Im Test: Huawei P10 Kommentar(e)

Das Huawei P10 war ein Highlight des Handy-Frühlings. Zwar kommt es ohne radikale Neuerungen aus, birgt aber viele Verbesserungen. Und im Vergleich zur Konkurrenz ist es noch immer sehr günstig zu haben.

huaweip10

Am neuen Flaggschiff P10 ist schon äußerlich zu erkennen, auf welche Konkurrenz die Chinesen abzielen: Apple und sein iPhone. Hatte das Aluminiumgehäuse des Vorgängers P9 am Übergang zur Rückseite noch deutlich fühlbare Kanten, zeigt sich das P10 ganz rundgelutscht – wie das iPhone seit Modellgeneration 6. Wäre da nicht die markante Plastikleiste mit Doppelkamera, Blitz und Leica-Schriftzug auf der oberen Rückseite, wäre das Gerät vom iPhone auf den ersten Blick kaum zu unterscheiden. Natürlich sind diese Anleihen beim Design nichts Schlechtes: Das Gerät schmeichelt der Hand und gleitet durch die kantenlose Form ohne Widerstand in die Hosen- oder Jackentasche. Außerdem bleiben auf dem matten Aluminium keine hässlichen Fingerabdrücke zurück. In puncto Farbgestaltung ist die Auswahl bei Huawei sogar deutlich größer als bei Apple. Sie reicht von Grün über Blau und (Rosé-)Gold bis zu Weiß und Schwarz.

Hardware & Leistung

An der Hardware-Ausstattung wurde im Vergleich zum P9 nur geringfügig geschraubt, doch man spürt den Fortschritt: In den Benchmarktests reiht sich das P10 mit seinem neuen Chip hoch oben ein. Es muss sich nur in manchen Kategorien knapp dem iPhone 7 und seinem Vetter Mate 9 geschlagen geben.  Durch ein neues Mobilfunk-Modem im Huawei-eigenen Chip fällt das P10 in die LTE-Gerätekategorie 12/13, könnte also bis zu vier Trägerfrequenzen gleichzeitig zum Download nutzen. Über die dafür erforderlichen vier Antennen im Gehäuse verfügt allerdings nur der große Bruder des P10, das P10 Plus. Der potenzielle Datendurchsatz steigt damit auf bis zu 600 MBit/s. Mehr schafft derzeit nur das Sony Xperia XZ Premium. In der Praxis ist im deutschsprachigen Raum derzeit allerdings ohnehin bei 450 MBit/s Schluss.

Lauf- und Ladezeiten

Den laut Huawei stark gesunkenen Stromverbrauch der neuen Grafikeinheit konnten wir im Praxistest nicht nachvollziehen – ein simuliertes 3D-Spiel lief nur wenige Minuten länger als auf beim P9. Damit bleibt das neue Huawei-Flaggschiff in dieser Teildisziplin auf einem unterdurchschnittlichen Wert. Die Laufzeiten beim Web-Surfen und Video-Streamen gingen hingegen deutlich nach oben. Zum Teil ist dafür wohl auch der etwas größere Akku (3.200 statt 3.000 mAh) verantwortlich. Erfreuliche Fortschritte gibt es auch bei der Füllgeschwindigkeit: Das beiliegende Ladegerät beherrscht „SuperCharge“ und pumpt den Akku in 30 Minuten zur Hälfte und in 1,5 Stunden zur Gänze voll.

Praktische Display-Steuerung

Beim Bildschirm gibt es wenig Neues: Noch immer liegt die Auflösung des IPS-Panels bei Full HD. Jedoch schrumpfte die Bildschirmdiagonale leicht von 5,2 auf 5,1 Zoll, was die Pixeldichte ein wenig anhebt. Toll ist die Helligkeit und vor allem deren Regelung: Die ersten drei Viertel des Regelbereichs bringen die Strahlkraft von erstaunlich niedrigen 2 auf innenraumtaugliche 200 cd/m². Dann geht es allerdings innerhalb von Millimeterbruchteilen auf 400 und weiter bis knapp unter 600 cd/m2 (das ist sehr hell!). Praktisch ist dieser Verlauf vor allem für die Nutzung in der Nacht. Wer im Schlafzimmer bei völliger Dunkelheit lesen will, schätzt diese Justierung. Für noch mehr Komfort sorgt ein übers Schnellmenü zuschaltbarer Blaulichtfilter (“Augen schonend”). Kommen wir zu den Speichern: Der ROM ist auf 64 GB gewachsen (die Möglichkeit zur Erweiterung per SD-Karte bleibt dennoch bestehen), der Arbeitsspeicher liegt nun standardmäßig bei 4 GB. Eine Dual-SIM-Variante wird laut Huawei in Deutschland nicht auf den Markt kommen – jedoch in Österreich. Neu ist der Fingerabdrucksensor, er sitzt nun an der Vorderseite. Uns missfällt nur, dass er nicht als Home-Button dient. Warum? Wir können uns keinen vernünftigen Grund vorstellen.

Doppelkamera, die Zweite

Huawei setzt nach wie vor auf die Kollaboration mit Leica, wenn es zur Kamerafrage kommt, wenngleich die Chips von Sony stammen. Genau hier gab es Änderungen. Der Schwarz-Weiß-Sensor löst nun höher auf, der für Farben bleibt bei 12 MP. Bei den Fotoergebnissen mangelt es aber etwas an Schärfe und insbesondere bei schlechten Lichtverhältnissen gehen Details verloren oder verschwinden im Bildrauschen (siehe Kasten oben). Auf „Augenhöhe“ mit ­Apple und Samsung bewegt man ich damit nicht ganz.

Unser Fazit: Viele Details machen das HuaweiP10 besser als seinen Vorgänger: Das Design ist gefälliger, der Bildschirm viel heller und die Hardware um einiges kräftiger. Wichtiger noch: Die Laufzeiten erhöhten sich um etliche Stunden. Die Kamera spielt zwar im Premium-Bereich, bleibt aber hinter den Spitzengeräten mehrerer Konkurrenten zurück. Dafür entschädigen wiederum durchdachte Software und ein gemäßigter Verkaufspreis.

Kamera im Test

Große Ähnlichkeit
Schlechte Lichtverhältnisse trennen bei Smartphone-Kameras schnell die Spreu vom Weizen. Diese vier Nachtaufnahmen fallen zwar allesamt in letztere Kategorie, Unterschiede gibt es dennoch: Das hier getestete P10 muss das Bildsignal per Rauschunterdrückung stark filtern – zu unserer Überraschung sogar stärker als das Vorjahresmodell P9. Dadurch gehen Details in der Aufnahme (zum Beispiel der Stuck in der Fassade) verloren. Beim Samsung Galaxy S7 muss die Rauschunterdrückung dagegen nur sehr sanft eingreifen. Details bleiben erkennbar, Rauschen ist kaum zu sehen. Die Farbabstimmung ist beim P10 wiederum sehr gut – etwa im Vergleich mit dem grünstichigen Ergebnis des Nexus 5X.

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Im Detail:

Große Ähnlichkeit
Durch die dezente Gestaltung der Vorderseite und die runderen Kanten ähnelt das P10 dem iPhone noch stärker als sein Vorgänger P9.

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Noch mit Kopfhörerbuchse
Deutliche Unterschiede zum iPhone: Eine USB-C-Buchse mit Schnellladefunktion und ein 3,5 mm Klinken-Anschluss.

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Still two eyes
Auf der Rückseite sitzt wieder eine Doppelkamera (Monochrom + RGB) mit Laser-Autofokus und Dual-­Blitz. Die Ergebnisse sind gut, aber nicht top.

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Positiv: Die starke Hardware, darunter der feinjustierbare und helle Bildschirm, überzeugen genauso wie der Preis und das Design.

Negativ: Wenn es einen Schwachpunkt gibt, dann ist es im Vergleich die Kamera. Auch sollte ein Top-Phone heutzutage wasserdicht sein.

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Peter Mußler   Redakteur

Als Ästhet beschäftigt er sich gerne mit formschönen Geräten und Überschriften, so geschmeidig wie ein poliertes Alugehäuse. Als Redakteur für die Magazine des CDA-Verlags taucht er in die Tiefen der Recherche aber auch ab bis zum Grund. Denn: Eine Überschrift alleine macht noch keinen Artikel.

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