Google Nexus 5

Das Nexus 5 bietet pures Android

ohne Schnickschnack und kombiniert dieses

mit Highend-Hardware und einem

überaus attraktiven Preis.

Highend-Hardware zum erschwinglichen Preis? Dass das durchaus geht, bewiesen bereits das im vergangenen Jahr erschienene Nexus 4 und das hervorragende Nexus 7 (2013). Beim jüngsten Spross der Nexus-Familie setzen Google und LG erneut auf das Preisleistungs-Argument.

Vom No-Name zum Superstar

Während Samsung mit seinen Galaxy-Smartphones einen Verkaufsrekord nach dem anderen bricht und sich mit HTC, LG, Motorola, Sony und Co. um die breiteste Feature-Palette rangelt, versucht Google mit der Nexus-Serie seit Jahren einen nüchternen Gegenpol zu schaffen. Anders als bei den meisten Android-Smartphones ist ausser einigen wenigen Google-Diensten keine Software vorinstalliert, zudem kommen Android-Updates direkt von Google und sind entsprechend zeitnah zu haben. Dieses an sich attraktive Gesamtpaket konnte aber nur wenige Käufer locken: Das von HTC gefertigte Nexus One und die beiden von Samsung hergestellten Nachfolger Nexus S und Galaxy Nexus waren und sind zwar bei einer kleinen Gruppe von Android-Profis und Entwicklern beliebt, bleiben letztlich aber als veritable Ladenhüter in Erinnerung. Das Nexus 5 schlägt nun in eine ähnlich Kerbe wie der Vorgänger Nexus 4 oder das bereits in der zweiten Generation erschienene Tablet Nexus 7. Zusätzlich zum schlanken, aktuellen Betriebssystem kommt bei den jüngeren Mitgliedern der Nexus-Familie nämlich ein weiterer, nicht ganz unerheblicher Aspekt hinzu – und zwar der Preis.

Top-Hardware für wenig Geld

Was beim Nexus 5 für 349 Euro (16 GB-Modell) beziehungsweise 399 Euro (32 GB-Modell) geboten wird, ist beachtlich. Da wäre zum einen das hervorragende Display mit 4,95 Zoll und einer Full HD-Auflösung also 1080p respektive 1920 mal 1080 Pixel, was eine tadellose Pixeldichte von 445 ppi ergibt. Damit spielt das Nexus 5 in Sachen Display in der gleichen Liga wie andere aktuelle Top-Smartphones, wobei Farben bei vergleichbaren LCD-Bildschirmen wie etwa jenen des HTC One oder dem LG G2 einen Tick satter wirken. Dennoch: Das Display des Nexus 5 ist zweifellos ein echter Hingucker und braucht sich vor anderen Top-Geräten nicht zu verstecken.

In Sachen Performance spielt das Nexus 5 dank Qualcomm Snapdragon 800 in der Oberliga mit. In synthetischen Benchmarks hinkt es (wohl aufgrund fehlender Android 4.4-Anpassungen der Benchmark-App) Geräten mit Android 4.3 hinterher.

Im Inneren des Nexus 5 schlummert ein bei Highend-Smartphones schon fast zum Standard gewordener Snapdragon-Chip aus dem Hause Qualcomm. Genauer gesagt ein Snapdragon 800, der auch das Sony Xperia Z1, das LG G2 oder das Samsung Galaxy Note 3 zu Benchmark-Bestnoten beflügelt. Im Alltag arbeitet das Nexus 5 entsprechend performant, Apps laden ohne Wartezeit und aufwendige Spiele wie Asphalt 8 oder Dead Trigger 2 laufen mit maximalen Details absolut flüssig. Neben der Quad Core-CPU mit je 2,26 GHz und einer Adreno 330-Grafikeinheit sind im Nexus 5 wie bereits im Vorgänger 2 GB Arbeitsspeicher verbaut. Ebenfalls ein vom Nexus 4 bekanntes Feature ist die Möglichkeit, das Smartphone kabellos per Wireless Charging mit speziellen QI-Standard-Ladegeräten aufzuladen.

Eigenständige Designsprache …

Die Nexus-Serie steht seit jeher für nüchternes oder gar unspektakuläres Design. Beim fünften Smartphone der Reihe scheint Google aber endlich eine eigenständige Designsprache gefunden zu haben, die sich sehr stark am bereits seit Sommer erhältlichen Nexus 7 (2013) orientiert. An der Front sticht die kreisrunde Hörmuschel ins Auge, die sich vom ansonsten weitgehend üblichen Lautsprecher-Schlitz abhebt. Ansonsten finden sich hier eine Frontkamera mit 1,3 Megapixel für Videotelefonie sowie ein Licht- und Annhäherungssensor. Unterhalb des Displays ist wie bei der Nexus-Serie üblich ein Benachrichtigungs-LED verbaut, welches in verschiedenen Farben leuchten kann.

Die kreisrunde Hörmuschel ist ein Hingucker und und hebt das Nexus 5 auch an der Front von anderen Smartphones ab.

Das Gehäuse ist zwar aus Polycarbonat, vermittelt dank gummiartiger Beschichtung einen unheimlich wertigen Eindruck. Die Rückseite wurde an das ikonische Design des Nexus 7 (2013) angepasst.

Interessanter wird es wiederum bei der Unterseite: Links und rechts neben dem microUSB-Port befinden sich hier zwei Lautsprecher-Grills, die fälschlicherweise Stereolautsprecher suggerieren, wie sie etwa beim Nexus 7 (2013) oder beim HTC One zu finden sind. Dem ist aber nicht so, denn hinter dem rechten Grill befindet sich das Mikro und hinter dem linken ist ein wenig berauschender Mono-Lautsprecher versteckt. Wenig berauschend deshalb, weil er einerseits nicht besonders laut ist, andererseits aber zum Übersteuern neigt, wenn es in Richtung Maximallautstärke geht. Insgesamt liegt das Nexus 5 trotz seiner Größe hervorragend in der Hand. Genau wie das LG G2 oder das Samsung Galaxy S4 ist das Nexus 5 zwar zur Gänze aus Plastik gefertigt, allerdings kommt kein Hochglanz-Finish, sondern eine Art gummierte, rutschfeste Oberfläche zum Einsatz. Beim Anfassen könnte man fast meinen, dass sich unter dieser Beschichtung ein Metallgehäuse verbergen könnte. Aber auch das verhältnismäßig geringe Gewicht von 130 Gramm trägt viel zur gelungenen Haptik bei.

… und puristische Ausstattung

Ab Werk ist lediglich das Nötigste vorinstalliert: Dazu zählen neben den üblichen Telefonie- und System-App vor allem Google-Dienste wie Gmail, Maps, Keep, Google+ oder die jüngst von Google übernommen Office-Suite Quickoffice. Besondere Gimmicks oder Extras, die man als Samsung Galaxy- oder LG-User auf den entsprechenden Geräten vorfindet, sucht man hier also vergeblich. Aufgrund des ungemein reichhaltigen App-Angebot im Play Store ist dieses Ausstattungs-Minus aber verschmerzbar.

Links sind ein Großteil jener (Google)-Apps zu sehen, die ab Werk vorinstalliert sind. Rechts die App Hangouts, die die althergebrachte SMS-App ersetzt.

Stärker ins Gewicht fallen da schon die Ausstattungs-Abstriche bei der Hardware. So lässt sich der Speicherplatz wie bei Nexus-Geräten gewohnt nicht per microSD-Karte erweitern, außerdem ist der abermals Akku nicht austauschbar. Das ist vor allem deshalb ein dickes Minus, weil anders als beim nächsten Verwandten, dem LG G2, kein 3.000 mAh starker Kraftprotz, sondern ein etwas unterdimensioniert wirkender Akku mit 2.300 mAh verbaut wurde. Immerhin stellt dieser gegenüber dem Nexus 4 (2.100 mAh) aber einen kleinen Schritt nach vorne dar. Allerdings hat Google ordentlich am Ressourcenmanagement von Android 4.4 KitKat geschraubt, wodurch der Akku durchaus stark genug ist, um das Nexus 5 locker durch einen geschäftigen Tag zu bringen. Durch das deaktivieren von Google Now und der Verwendung der Auto-Helligkeit kann man tagsüber nach Lust und Laune telefonieren, im Netz oder in sozialen Medien stöbern und auch das ein oder andere Spiel spielen und hat dennoch nach 15 Stunden noch ausreichend Saft übrig.

Die Software als Ass im Ärmel

Traditionell wird mit einem neuen Nexus-Gerät eine neue Android-Version eingeführt, beim Nexus 5 feiert Android 4.4 KitKat sein Debüt. Wie zu Beginn des Artikels bereits erwähnt, ist dies wohl auch das größte Unterscheidungsmerkmal zu technisch sehr ähnlichen Top-Geräten anderer Hersteller. Denn die pure, unangepasste Google-Variante von Android kommt deutlich schlanker daher, als etwa ein vor Features, Extras und Gimmicks strotzendes TouchWiz aus dem Hause Samsung. Gleichzeitig sind einige spannende Neuerungen an Bord: Etwa ein überarbeitetes Farbschema, welches die mit Android 4.0 eingeführte, schwarz-blau gehaltene Optik durch eine weitaus freundlichere, hellere Farbgebung ersetzt.

Ist Google Now aktiviert, wird dieses automatisch eingeblendet, wenn mit dem Finger nach rechts gewischt wird (linkes Bild).

An vorinstallierten Apps ist nur das nötigste Vorhanden, um mit dem Nexus 5 die üblichen Telefonie-Funktionen nutzen zu können. Als Software-Extras setzt die pure Android 4.4-Version wenig überraschend ausschließlich auf 100 Prozent Google: Gmail, Google+, Maps, Keep, Drive, Youtube und Play Music stehen zur Kommunikation, Navigation und zum Medienkonsum bereit. Andererseits gibt es bei Android 4.4 auch einige Neuzugänge zu vermelden. So ist die vor kurzem von Google einverleibte Office-Suite Quickoffice mit dabei, außerdem lassen mit einer schlicht „Fotos“ genannten App selbst gemachte Bilder bearbeiten. Für etwas Verwirrung kann mitunter die Tatsache sorgen, dass es die klassische SMS-App nicht mehr gibt und Google diese Funktionalitäten komplett in die Chat-App „Hangouts“ integriert hat. Der Übergang zwischen per SMS, MMS oder via dem Google Talk-Nachfolger versandten WhatsApp-Konkurrenten Hangouts ist somit fließend.

Gemischte Gefühle bei Kamera und Lautsprecher

Einer der größten Schwachpunkte des Nexus 4 ist zweifellos die Kamera. Ist das Licht nicht ideal, sind schnelle Schnappschüsse schwierig und mit Flaggschiffen von Apple, HTC oder Samsung nicht zu vergleichen. Beim Nexus 5 haben Google und LG nun nachgebessert, wobei einige Probleme weiterhin bestehen. Die optisch stabilisierte und mit einem 8 MP-Sensor ausgestattete Rückkamera liefert im Freien, bei gutem Licht, aktiviertem HDR+ Modus und unbeweglichen Objekten zwar mitunter sehr gute Bilder, sobald es etwas dunkler wird und sich das Motiv bewegt, hat die Optik aber mit einem langsamen Autofokus und zu langen Verschlusszeiten zu kämpfen. In Summe ist der Eindruck, den die Kamera hinterlassen hat, ein Zwiespältiger: Bei ausreichender Beleuchtung gelingen tolle Landschafts- oder Makro-Aufnahmen, in der Dämmerung, in schummrigen Innenräumen oder bei sich schnell bewegenden Motiven hält der optische Bildstabilisator aber nicht was er verspricht.

Die Kamera-App ist wie gehabt extrem minimalistisch gehalten. Der Autofokus enttäuscht, dafür liefert der HDR+ Modus ansehnliche Bilder.

Testfotos:











Ähnlich verhält es sich beim Lautsprecher: Die Platzierung an der Unterseite ist interessant und sinnvoller, wie eine Platzierung auf der Rückseite. Im Alltag kann sich diese Designentscheidung aber auch als negativer Aspekt entpuppen. Wird das Nexus 5 bei Spielen wie Asphalt 8 im Querformat gehalten, überdeckt meist eine Hand den Lautsprecher. Gleichzeitig löst die Audio-Qualität selbst keine Freudensprünge aus, eher das Gegenteil ist der Fall. Der Mono-Speaker hat überraschend wenig zu bieten, ist vergleichsweise leise und neigt trotzdem bei voller Lautstärke zum Übersteuern.

Der erste Eindruck täuscht: Hier sind keine Stereo-Lautsprecher verbaut, sondern hinter dem rechten Grill ist das Mikro versteckt.

Fazit

Das Nexus 5 ist wie ein aufs Wesentliche reduzierter Sportwagen, für den Austattungs-Extras unnötiger Ballast sind und deshalb bewusst auf diese verzichtet. Als Käufer muss man sich über diesen Umstand im Klaren sein, und so ist das Nexus 5 – anders als beispielsweise das für die breite Masse attraktivere Nexus 7 (2013) – bestimmt kein Gerät für jeden Geschmack. Wer aber auf einen austauschbaren Akku, fehlende Erweiterbarkeit des Speichers und breit gefächerte Software-Extras verzichten kann, bekommt eines der aktuell besten Smartphones geboten. Kurzum:  Im Preissegment um 350 Euro unschlagbar und in der Highend-Liga gegen mitunter doppelt so teure Geräte absolut konkurrenzfähig.