Google Nexus 9

Noch im April 2014 machte das Gerücht die Runde, Google werde seine Nexus-Produktlinie einstellen und durch das Programm „Android Silver“ ersetzen. In diesem sollten Geräte von Drittherstellern mit purem Android ausgestattet und (anders als mit der schon bestehenden „Google Play Edition“) ihre Käufer über konventionelle Vertriebswege erreichen. Schon im September war „Android Silver“ aber auf Eis gelegt, die Vorstellung von Nexus 6 und Nexus 9 räumt nun zumindests vorerst alle Zweifel am Weiterbestand der Nexus-Linie aus.

HTC steigt zusammen mit Google

wieder in den Tablet-Markt ein

Handliches Format und doch groß genug zum Arbeiten. Fantastische Performance-Werte.

Wegen des 4:3-Formats nicht ideal für den Video-Konsum. Leichte Abstriche beim Display.

Alle Neune

Die ideale Größe eines Tablets muss jeder Nutzer selbst für sich finden. Die namensgebenden neun Zoll des Nexus 9 sind jedenfalls ein guter Kompromiss zwischen dem ultra-portablen Format eines Sony Xperia Z3 Tablet Compact und dem eines 10,5 Zöllers wie dem Samsung Tab S. Beim Gewicht liegt das Google-Gerät mit 425 g ebenfalls im Mittelfeld, mit 7,9 mm ist es dünner als das kleinere Nexus 7. Das Seitenverhältnis des Bildschirms liegt bei 4:3 – ganz wie beim Konkurrenten iPad. Google positioniert das Nexus 9 damit als Lese- und Office-Gerät: beim Lesen im Hochformat sind die Zeilen länger, beim Schreiben im Querformat (aufgestellt mittels Tastatur-Cover) haben mehr Zeilen Platz. Beides bedeutet: weniger scrollen. Es handelt dem Gerät allerdings Nachteile beim Medienkonsum ein – Videos in den Standardformaten 16:9 oder 16:10 tragen im Vollbild schwarze Balken oben und unten. Immerhin: Die Stereo-Lautsprecher des Nexus liefern sehr guten Klang mit (für Tablet-Verhältnisse) angenehm viel Bass.

Anders als die kleineren Kollegen Nexus 7 und Nexus 5 lässt sich das Nexus 9 nicht drahtlos laden. Dieser Umstand ist wohl der Größe des Geräts und des verbauten Akkus geschuldet – auch das (mittlerweile nur noch schwer erhältliche) Nexus 10 ist beim Laden auf microUSB angewiesen.

Mit einem Seitenverhältnis von 4:3 eignet sich das Nexus 9 hervorragend zum Lesen und Arbeiten. Beim Ansehen von 16:9 – Videos ergeben sich leider schwarze Balken oben und unten.

Kraftprotz

Das Hardware-Herzstück des Nexus 9 ist ein Tegra K1 (Denver) – Systemchip in 64-Bit-fähiger Architektur, die mit Android Lollipop passenderweise erstmals auch softwareseitig unterstützt wird. Der Prozessor enthält nur zwei Kerne. Diese haben es allerdings in sich: Mit einem anTuTu-GesamtScore von beinahe 54.000 Punkten (Kollegen haben z.T. über 57.000 gemessen) lässt das Nexus die Konkurrenz am Auspuff schnüffeln. Auch die integrierte Grafikeinheit liefert Höchstleistungen, die Benchmark-Werte bei Grafik und Browser gehen dementsprechend durchs Dach. Spiele-Entwickler werden sich gehörig anstrengen müssen, die Möglichkeiten des Nexus auszureizen.

Schade nur, dass sich das Gerät im Alltag ab und zu kleine Hänger genehmigt. Das dürfte jedoch an Bugs im zum Testzeitpunkt aktuellen Android-Image liegen, man kann davon ausgehen, dass die Fehler rasch behoben werden. Die Alltagsperformance ist abgesehen davon exzellent – oft hat man geradezu das Gefühl, eine Aktion würde schon ausgeführt, bevor der Finger überhaupt das Display trifft.

Die Rückseite des Tablets ist nicht gummiert, der Kunststoff ist dennoch griffig. Das in Metall eingefasste Kamera-Objektiv lugt aus dem Gehäuse hervor – ganz wie beim Nexus 5.

Appropos Display

Der Bildschirm (der sich übrigens per Doppeltipp aktivieren lässt) löst mit 2048×1536 Pixeln auf, die Darstellung ist dementsprechend scharf. Auch die maximale Helligkeit ist mehr als zufriedenstellend. Viele Reviews bemäkelten sogenannte „Lichthöfe“, also Stellen, an denen die Hintergrundbeleuchtung bei dunklen Bildern vom Rand des Displays zur Mitte hin weiß überstrahlt. Diese waren auch bei unserem Testgerät zu sehen und können bei schwarzen Bildern in dunkler Umgebung mitunter störend wirken. Insgesamt fällt das Urteil über das Display dennoch sehr positiv aus.

Tastaturfolio

Google konzipiert das Nexus 9 als Arbeitstier und bietet deshalb als Zubehör ein Cover mit integrierter Bluetooth-Tastatur, genannt „Tastaturfolio“ an. Dieses haftet an mehreren Stellen mittels Magneten am Metallrahmen des Tablets und erlaubt es, dieses in zwei Neigungswinkeln aufzustellen. Im geschlossenen Zustand schützt das Cover das Display beim Transport. Ein kürzliches Update von Google Docs bringt vom PC gewohnte Tastaturkürzel auf die mobilen Geräte – STRG+Z etwa macht Aktionen rückgängig, STRG+Rücktaste löscht ganze Wörter. Außerdem kann man mit ALT+TAB systemweit zwischen den zuletzt verwendeten Fenstern wechseln – das spart Zeit beim Arbeiten am Tablet. Geladen wird die Tastatur per microUSB, der Preis beträgt stolze 130 Euro.

Mit dem separat erhältlichen „Tastaturfolio“ lässt sich das Google-Tablet in mehreren Neigungswinkeln aufstellen. Magneten in der Hülle haften am Metallrahmen des Geräts.

Fazit

Top-Performance, gefälliges Design, angenehme Größe und aktuelle Software – das Nexus 9 ist ein gelungenes Produkt. Mit dem 4:3-Format eignet es sich optimal zum Lesen und Schreiben, bei Videos stört das Format dafür. Das Tastatur-Cover ist eine sinnvolle (wenn auch teure) Ergänzung. Die leichten Mängel beim Display wiegen nicht schwer genug für einen Punkteabzug.

Die Kamera des Nexus 9 ragt auch ein wenig aus dem Gehäuse des Geräts heraus – ähnlich wie beim Nexus 5.

Hat man sich erst einmal an die kleinen Tasten gewöhnt, kann man mit dem separat erhältlichen Tastatur-Folio auch unterwegs produktiv sein.

Wie man auch auf dem Foto sehr schön sehen kann, gerät Schmutz oder Staub sehr schnell in die Aussparungen der Lautsprecher.

Anders als bei vielen anderen Tablets hat das Nexus 9 abgeschrägte Kanten, die von der Seite aus gesehen ein Trapez bilden.