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Die Welt der Smartphone-Betriebssysteme ist fein säuberlich aufgeteilt: Weltweit benutzen 79 Prozent der Geräte das Betriebssystem Android von Google. Und 17 Prozent verwenden das Betriebssystem iOS von Apple. Eine kleine Schar unbeugsamer Benutzer allerdings hört nicht auf, Widerstand zu leisten, und verwendet stattdessen alternative Betriebssysteme.
Dahinter steckt nicht lediglich Eigensinn, denn es gibt tatsächlich gute Gründe, den beiden Platzhirschen den Rücken zu kehren: Zum Ersten legen viele alternative Betriebssysteme Wert darauf, seltener „nach Hause zu telefonieren“, also weniger oder im Idealfall keine Informationen über den Benutzer an den Hersteller des Smartphones oder des Betriebssystems zu senden.
Zum Zweiten bieten alternative Betriebssysteme häufig zusätzliche Funktionen, um die Daten des Benutzers zu schützen – beispielsweise durch eine bessere Verschlüsselung, durch eine stärkere Abschottung der Apps, durch die Möglichkeit, Sensoren abzuschalten, durch das Verändern der Zifferntasten-Anordnung beim Eingeben von Geheimzahlen oder durch das Verwenden quelloffener Apps.
Zum Dritten sind manche alternativen Betriebssysteme in der Lage, auf älteren Smartphones zu laufen, die vom Hersteller nicht mehr mit Updates versorgt werden. Das erhöht die Sicherheit, spart Geld und schont die Umwelt.
Alternative Betriebssysteme basieren meist auf dem Android Open Source Project (AOSP), das auch die Grundlage bildet für die Android-Version, die von Google vertrieben wird und auf den meisten Smartphones vor-installiert ist.
Überraschend ist das nicht, denn der Rückgriff auf das Android Open Source Project hat zwei große Vorteile: Erstens steht dadurch ein ausgereiftes Betriebssystem zur Verfügung, das man „lediglich“ nur noch verändern oder um die gewünschten Zusatzfunktionen ergänzen muss. Zweitens führt das Verwenden des Android Open Source Project dazu, dass auf dem „neuen“ Betriebssystem die meisten Android-Apps lauffähig sind – so dass das Smartphone gut mit Software versorgt ist, statt lediglich eine Handvoll Apps zur Auswahl zu haben.
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Es gibt auch einige alternative Smartphone-Betriebssysteme, die auf Linux basieren. Meist verwenden Sie eine „Kompatibilitätsschicht“, also eine Software, die dafür sorgt, dass Android-Apps prinzipiell auf den Smartphones lauffähig sind. Und wie sieht es mit dem Apple-Betriebssystem iOS aus? – Es gibt keine alternativen Smartphone-Betriebssysteme, die auf iOS basieren. Einfach deshalb, weil Apple den Quellcode seines Betriebssystems nicht veröffentlicht.
Alternative Betriebssysteme lassen sich nur auf Android-Smartphones und -Tablets installieren, nicht jedoch auf iPhone- oder iPad-Modellen. Der Grund dafür: Bei vielen Android-Geräten ist es möglich, den Bootloader zu entsperren, also die Software, die das Betriebssystem startet. So lassen sich auch alternative Betriebssysteme verwenden. Auf Apple-Geräten dagegen kann beim Starten ausschließlich Software ausgeführt werden, die von Apple signiert wurde.
Allerdings ist längst nicht jedes alternative Betriebssystem auf jedem Android-Smartphone lauffähig. Ein Blick in die Kompatibilitätslisten der Betriebssystem-Anbieter schafft Klarheit – und oft auch für Frustration, denn die Wahrscheinlichkeit ist relativ hoch, dass das gewünschte Smartphone nicht in diesen Listen zu finden ist.
Alternative Betriebssysteme sind generell eine feine Sache, bringen aber durchaus auch Nachteile mit sich: Ein derartiges Betriebssystem auf einem Smartphone oder Tablet zu installieren, ist zwar kein Hexenwerk. Man muss jedoch etwas Zeit, Mut und technisches Verständnis mitbringen, wenn man zum Ziel kommen möchte. Ebenfalls nicht ganz unwichtig: Nicht alle Android-Apps sind tatsächlich auf allen alternativen Betriebssystemen lauffähig. Banking- und Streaming-Apps beispielsweise können Schwierigkeiten bereiten.
Für Anwender, denen es zu nervenaufreibend und zeitaufwendig ist, ein alternatives Betriebssystem eigenhändig zu installieren, existiert glücklicherweise eine Lösung: Einige Smartphone-Hersteller haben Geräte im Sortiment, auf denen bereits ein derartiges Betriebssystem vorinstalliert ist. Auf der nächsten Doppelseite stellen wir Ihnen sechs solcher Smartphones kurz vor.
Das Betriebssystem Graphene-OS basiert auf dem Android Open Source Project, fügt jedoch etliche Verbesserungen hinzu, die die Sicherheit und den Datenschutz erhöhen. Die Google-Play-Dienste sind nicht vorinstalliert, lassen sich aber nachträglich in einem abgeschotteten Bereich (in einer „Sandbox“) installieren. Derzeit lässt sich Graphene-OS ausschließlich auf neueren Pixel-Smartphones von Google installieren. Voraussichtlich im nächsten Jahr sollen auch Geräte eines anderen großen Herstellers unterstützt werden.
Bild: Hersteller
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LineageOS ergänzt das Android Open Source Project um Funktionen, die einerseits die Sicherheit verbessern und andererseits dem Benutzer weitergehende Anpassungen der Bedienungsoberfläche erlauben. Die hauptsächliche Existenzberechtigung von LineageOS besteht darin, auch ältere Smartphones mit neuen Android-Versionen zu versorgen. Die Google-Apps lassen sich nachinstallieren. LineageOS unterstützt unter anderem Smartphones von Google, Samsung, Motorola, Xiaomi, OnePlus, Nokia und Fairphone.
Bild: Hersteller
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/e/OS ist eine Abspaltung von LineageOS, die den Schwerpunkt auf Datenschutz legt. Dies geschieht unter anderem durch den Verzicht auf die Google-Dienste, die durch die quelloffene Alternative MicroG ersetzt werden. Die meisten vorinstallierten Apps sind ebenfalls quelloffen. /e/OS lässt sich auf etlichen Smartphones, unter anderem von Google, Samsung, Gigaset und OnePlus, installieren. Im Murena-Web-Shop sind einige Smartphones verfügbar, auf denen dieses Betriebssystem bereits vorinstalliert ist.
Bild: Hersteller
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Ubuntu Touch ist eine mobile Version der Linux-Distribution Ubuntu. Apps für grundlegende Aufgaben sind vorinstalliert. In einem Online-Shop lassen sich knapp 1.000 weitere Apps herunterladen. Mit Hilfe der Software Waydroid sind auch viele Android-Apps lauffähig.
Installieren lässt sich das Betriebssystem auf einigen Smartphones unter anderem der Hersteller Google, Xiaomi, Fairphone und One Plus. Die Geräte des Herstellers Volla kann man wahlweise mit Ubuntu Touch als vorinstalliertem Betriebssystem kaufen.
Bild: Hersteller
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Das Shiftphone 8.1 verwendet als Betriebssystem ShiftOS, das auf Android 14 basiert – und wahlweise mit oder ohne Google-Dienste daherkommt. Das Smartphone zeichnet sich durch seine leichte Reparierbarkeit aus: „Mehr als 13“ Bestandteile lassen sich lediglich mit Hilfe eines Schraubenziehers austauschen. Der Akku ist wechselbar. Kameras und Mikrofone lassen sich mit Hardware-Schaltern deaktivieren.
shift.eco
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Auf dem Volla Phone X23 ist als Betriebssystem wahlweise Volla OS oder Ubuntu Touch vorinstalliert. Volla OS basiert auf dem Android Open Source Project, verzichtet aber dem Datenschutz zuliebe auf die Google-Dienste und verwendet stattdessen die quelloffene Alternative MicroG. Das robuste Smartphone hat eine Bildschirmdiagonale von 6,1 Zoll. Die Kamera hat eine Auflösung von 48 Megapixeln. Der Akku ist austauschbar.
volla.online
Bild: Hersteller
Auf dem Jolla C2 kommt das Betriebssystem Sailfish OS 5.0 zum Einsatz – eine Linux-Version, auf der auch viele Android-Apps lauffähig sind. Das System verspricht, die Privatsphäre der Benutzer mehr zu respektieren, als Android dies tut. Der Bildschirm hat eine Diagonale von 6,52 Zoll. Die Hauptkamera bietet eine Auflösung von 64 Megapixeln. Der 128 GB große Massenspeicher lässt sich durch eine Speicherkarte ergänzen.
commerce.jolla.com
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Das Murena Fairphone (Gen. 6) verwendet das datenschutzorientierte Betriebssystem /e/OS (siehe linke Seite). Zwölf Bestandteile (einschließlich des Akkus) lassen sich mittels eines Schraubenziehers austauschen. Das Smartphone besteht zu 50 Prozent aus „fairen und recycelten Materialien“. Der 120-Hertz-Bildschirm hat eine Diagonale von 6,31 Zoll. Die Hauptkamera bietet eine Auflösung von 50 Megapixeln.
murena.com
Bild: Hersteller
Das Nitrophone 5 Pro basiert auf dem Google-Smartphone Pixel 9 Pro, verwendet als Betriebssystem aber GrapheneOS (siehe linke Seite). Der Bildschirm misst 6,3 Zoll in der Diagonale. Die Hauptkamera wartet mit einer Auflösung von 50 Megapixeln auf. Der Massenspeicher ist 128 GB, 256 GB oder 512 GB groß. Das Smartphone ist auch mit entfernten Mikrofonen und Kameras erhältlich.
shop.nitrokey.com
Bild: Hersteller
Auf dem Hiroh Phone ist als Betriebssystem wahlweise /e/OS (siehe linke Seite Seite) oder Android 16 installiert. Die Kameras und Mikrofone lassen sich über Hardware-Schalter deaktivieren. Der 120-Hertz-Bildschirm hat eine Diagonale von 6,7 Zoll. Die Hauptkamera verfügt über eine Auflösung von 108 Megapixeln. Der 512 GB große Massenspeicher lässt sich durch eine Speicherkarte ergänzen.
hiroh.io