Das Smartphone als Arzt

Hartmut Schumacher 30. April 2018 Kommentare deaktiviert für Das Smartphone als Arzt Kommentar(e)

Diese Apps und Gadgets helfen Ihnen dabei, gesund zu werden – oder zu bleiben!

Bitte verzeihen Sie die etwas sensationelle Überschrift: Natürlich ist ein Smartphone nicht imstande, einen Arzt komplett zu ersetzen. Dennoch kann ein solches Gerät – in Kombination mit den richtigen Apps – in gesundheitlicher Hinsicht sehr hilfreich sein.

Denn ein Smartphone kann uns erstens dabei unterstützen, Informationen zu sammeln, die es uns und dem Arzt ermöglichen, unseren Gesundheitszustand richtig einzuschätzen – und dann die geeignetste Behandlung zu finden. Zweitens ist ein Smartphone in der Lage, uns dabei zu helfen, einen gesunden Lebensstil zu führen und dadurch gar nicht erst krank zu werden. Und drittens kann ein Smartphone dank entsprechender Apps in Notfällen lebensrettende Erste-Hilfe-Informationen zur Verfügung stellen.

„Umfassende Belege für den Nutzen“ von Gesundheit-Apps „fehlen bisher“ zwar – laut der vom Gesundheitsministerium geförderten „CHARISMHA“-Studie. „Allerdings gibt es einzelne Hinweise darauf, dass Apps eine positive Auswirkung auf die Zunahme der körperlichen Aktivität, die Anpassung der Ernährung und die Gewichtskontrolle haben können.“

90 Prozent interessiert

Das Interesse an derartigen Apps ist groß (siehe Kasten rechts): Schon fast jeder zweite Smartphone-Nutzer (genauer gesagt: 45 Prozent) in Deutschland verwendet Gesundheits-Apps (laut einer Umfrage des Branchenverbandes Bitkom). Ebenso viele Nutzer können sich zumindest vorstellen, dies in Zukunft zu tun.

Auch Ärzte stehen Gesundheits-Apps laut dem „DAK-Digitalisierungsreport 2018“ insgesamt positiv gegenüber. Allerdings: „Bei mehr als 100.000 Gesundheits-Apps ist es für Bürger, aber auch für Ärzte nicht einfach, zwischen guten und schlechten Angeboten zu unterscheiden“, warnte schon im Jahr 2016 der Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe. Zumindest eine Orientierungshilfe bieten hier die Tests der Informations- und Bewertungsplattform HealthOn (www.healthon.de).

Krankenversicherungen haben ebenfalls Interesse daran, sich die gesammelten Daten derartiger Apps übermitteln zu lassen. Unumstritten ist das nicht. Die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen, Maria Klein-Schmeink, bezeichnet dies als „ein weiteres Einfallstor für eine fortschreitende Aushöhlung des ­Solidargedankens“.

Virtuelle Arztbesuche

Dank des E-Health-Gesetzes gehören in Deutschland seit Juni 2017 Videosprechstunden zur Regelversorgung, deren Kosten von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden. Diese Videosprechstunden lassen sich mit Hilfe eines PCs, aber auch mit Tablets oder Smartphones verwirklichen. Die Voraussetzung dafür ist, dass der Patient innerhalb der letzten zwei Quartale direkten Kontakt mit dem Arzt hatte.

In Baden-Württemberg ist es im Rahmen von Modellprojekten Ärzten bereits erlaubt, auch Erstdiagnosen mittels eines Video-Chats zu stellen.

Videosprechstunden helfen prinzipiell nicht nur dabei, Unbequemlichkeiten wie Wartezeiten in der Praxis zu vermeiden, sondern stellen auch ein Mittel gegen die Unterversorgung in ländlichen Regionen dar.

Flächendeckend durchgesetzt haben sich virtuelle Arztbesuche jedoch noch nicht: Einer aktuellen Studie der DAK zufolge haben lediglich 8 Prozent der Ärzte in Deutschland schon Erfahrungen damit gemacht.

Health-Apps

Diese Apps verwandeln Ihr Smartphone in einen Arzthelfer.

Welches sind die beliebtesten Arten von Gesundheits-Apps? – 53 Prozent der Smartphone-Benutzer interessieren sich laut einer Bitkom-Umfrage für Apps, die Körper- und Fitness-Daten aufzeichnen. 49 Prozent haben Interesse an Apps, die sie über Gesundheits-, Fitness-, Gewichts- oder Ernährungsthemen informieren. 29 Prozent können sich für Apps erwärmen, die Motivations- oder Verhaltensratschläge geben. Und 29 Prozent finden Apps nützlich, die an Impfungen oder an das Einnehmen von Medikamenten erinnern.

Health

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Die App Health gehört seit der iOS-Version 8 zum Apple-Betriebssystem für iPhones und iPads.

Die Software ist einerseits imstande, selbst bestimmte Gesundheitsdaten zu erfassen, kann aber auch derartige Daten von anderen Apps sammeln und übersichtlich anzeigen. (Damit dies funktioniert, müssen diese anderen Apps die HealthKit-Schnittstelle unterstützen. Die Software listet freundlicherweise geeignete Apps auf.)

Die Health-App kann (ab dem iPhone 5s) die Anzahl Ihrer Schritte und die zurückgelegten Entfernungen aufzeichnen. Wenn Sie eine Apple Watch besitzen, dann nimmt die App auch deren Aktivitätsdaten entgegen sowie die aufgezeichneten Herzfrequenzdaten.

Darüber hinaus akzeptiert die Health-App die Daten von anderen Herzfrequenzmessgeräten, die sich per Bluetooth an das iPhone anbinden lassen. Und nicht zuletzt lassen sich etliche Gesundheits- und Fitness-Daten von Hand eintragen – darunter das Körpergewicht, die Ergebnisse von Blutdruck- und Blutzuckermessungen, die UV-Belastung sowie Daten über die „reproduktive Gesundheit“ (zum Beispiel Menstruationszyklen und Basaltemperatur).

Ebenfalls nützlich: die Möglichkeit, in der App einen Notfallpass mit Informationen über beispielsweise Blutgruppe und Allergien anzulegen.

Samsung Health

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Die App Samsung Health verwaltet ebenfalls sowohl selbst gesammelte Daten als auch Daten, die aus anderen Quellen stammen. Selbst protokollieren kann die App unter anderem die Anzahl der zurückgelegten Schritte. Aber auch die Dauer einer Vielzahl sportlicher Aktivitäten lässt sich mit der Software aufzeichnen – darunter Klassiker wie Laufen, Kniebeugen und Liegestütze, aber auch etwas ausgefallenere Sportarten wie Badminton, Kanufahren oder Wasserski.

Darüber hinaus können Sie mit der Samsung-App Informationen über Ihre Nahrungs-, Wasser- und Koffein-Aufnahme, Ihren Schlaf, Ihr Gewicht, Ihren Blutdruck und Ihren ­Blutzuckerspiegel verwalten. Derartige Daten lassen sich einerseits manuell eingeben. Die Software ist aber auch imstande, per Bluetooth Informationen von Waagen, Pulsmessern, Blutdruck- und Blutzuckermessgeräten sowie Fahrradsensoren entgegenzunehmen. Naheliegenderweise funktioniert dies ebenfalls mit Samsung-Wearables wie den Smartwatches Gear S3 und Gear Sport sowie den Fitness-Armbändern Gear Fit2 und Gear Fit2 Pro.

Und nicht zuletzt kann die Samsung-App Daten von kompatiblen anderen Fitness- und Gesundheits-Apps und -Diensten übernehmen. (Eine Liste derartiger Apps und Dienste lässt sich direkt aus der Samsung-Health-App heraus aufrufen.)

Tägliche und wöchentliche Auswertungen geben Ihnen einen Überblick über Ihre Aktivitäten – und verraten Ihnen als Motivation auch, wie nahe Sie Ihren gesetzten Zielen bereits gekommen sind.

App hier erhältlich

Erste-Hilfe-App

Die Erste-Hilfe-App des Malteser-Hilfsdienstes dient einerseits zum Auffrischen des Wissens aus Erste-Hilfe-Kursen. Andererseits kann sie im Ernstfall die benötigten Informationen darüber liefern, wie Sie verletzte Menschen am besten behandeln, bevor professionelle Helfer eintreffen.

Die Tipps lassen sich über Stichwörter wie „Wunden“, „Kälte“, „Vergiftung“ und „Insekten“ abrufen. Darüber hinaus helfen einige kurze Fragen zur Situation Ihnen dabei, schnell die angemessenen Hilfsmaßnahmen zu finden.

App hier erhältlich 

Defikataster

Die Defikataster-App verrät Ihnen, wo in Ihrer Umgebung Sie Defibrillatoren finden können. Die Standorte dieser Geräte zeigt Ihnen die Software auf einer ­Google-Maps-Karte an. Dabei unterscheidet die App sinnvollerweise zwischen Defibrillatoren, die jederzeit verfügbar sind, und solchen Geräten, die nur zugänglich sind zu den Öffnungszeiten der Geschäfte, in denen sie untergebracht sind. Auch bei Defibrillatoren, die sich in Fahrzeugen befinden, zeigt die Defikataster-App die gegenwärtigen Standorte an.

App hier erhältlich 

MyImpf-Uhr

Die App MyImpf-Uhr informiert Sie darüber, welche Impfungen für Sie nötig oder ratsam sind. Zu jeder Impfung lassen sich detaillierte Informationen abrufen – unter anderem über die Krankheit und über den Auffrischungsrhythmus.

Darüber hinaus kann die Software die bereits stattgefundenen Impfungen von Ihnen und Ihren Familienangehörigen verwalten – und zeigt auch die anstehenden Impftermine an.
Auf dem iPhone erledigt die App Vaccy eine ähnliche Aufgabe.

Rückenschule

Die App Rückenschule des Pharmaunternehmens Ratiopharm stellt 24 Übungen vor, die dabei helfen, die Muskulatur des Rückens zu stärken, um Rückenschmerzen zu vermeiden. Die Anleitungen für diese Übungen lassen sich in Form von deutschsprachigen Videos abspielen.

Darüber hinaus bietet die App weiterführende Informationen über die Rückenmuskulatur, über Fehlhaltungen und über Schmerzen allgemein sowie über medikamentöse und nichtmedikamentöse Behandlungsmöglichkeiten.

Die Migräne-App ist eine digitale Umsetzung des bewährten Kopfschmerztagebuchs, das dem Patienten und dem Arzt dabei hilft, Auslöser zu identifizieren und die Wirksamkeit von Medikamenten zu beurteilen.

Darüber hinaus warnt die Software vor zu häufiger Medikamenteneinnahme und bietet einen Test, der herausfindet, ob Ihre Kopfschmerzen chronisch werden können. Zudem lassen sich akustische Anleitungen (samt passender Musik) für Muskelentspannungsübungen abrufen.

App hier erhältlich 

Migräne-App

Die Migräne-App ist eine digitale Umsetzung des bewährten Kopfschmerztagebuchs, das dem Patienten und dem Arzt dabei hilft, Auslöser zu identifizieren und die Wirksamkeit von Medikamenten zu beurteilen.

Darüber hinaus warnt die Software vor zu häufiger Medikamenteneinnahme und bietet einen Test, der herausfindet, ob Ihre Kopfschmerzen chronisch werden können. Zudem lassen sich akustische Anleitungen (samt passender Musik) für Muskelentspannungsübungen abrufen.

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Pollen

Die Pollen-App zeigt für die nächsten drei Tage die Belastung durch Allergene wie Erle, Esche, Birke und Gräser an. Und zwar wahlweise für den aktuellen Standort oder für eine ausgewählte Stadt (in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Schweden, Spanien und Großbritannien). Die Software berücksichtigt dabei entweder alle ihr bekannten Allergene oder aber nur ausgewählte Allergene. Auf Wunsch informiert die Software auch über das Allergierisiko, das sich aus den Pflanzenpollen und der Luftverschmutzung zusammensetzt.

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Hartmut Schumacher   Redakteur

Hartmut ist ganz vernarrt in Smartphones und Tablets. Allerdings hielt er auch schon Digitaluhren für eine ziemlich tolle Erfindung. Er betrachtet Gedankenstriche als nützliche Strukturierungsmittel – und schreibt nur gelegentlich in der dritten Person über sich selbst.

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