Adieu, Mountain View: Amazon will Google von Android-Smartphones drängen

Redaktion 26. Januar 2016 0 Kommentar(e)

Das Fire Phone mag zwar tot sein, Amazons Smartphone-Pläne sind aber offenbar noch quicklebendig: Wie US-amerikanische Medien berichten, solle sich der Onlinehändler derzeit in Gesprächen mit verschiedenen Herstellern befinden, um die eigenen Apps und Services tief auf den jeweiligen Smartphones vorzuinstallieren. Auf diese Weise soll Konkurrent Google umgangen werden. 

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Das Fire Phone war ein Flop – für Amazon aber dennoch kein Grund, die Flinte ins Korn zu werfen.

Das Fire Phone war ein Flop – für Amazon aber dennoch kein Grund, die Flinte ins Korn zu werfen.

Es ist vor allem eine Frage der Mentalität, die Deutschland von den USA unterscheidet. Während hierzulande jede Bruchlandung ein Stigma nach sich zieht, wird in den Vereinigten Staaten der Misserfolg geradezu zelebriert. Denn nur aus Fehlern, so der Gedanke dahinter, kann man lernen und sich verbessern. Dass Amazons Fire Phone also ein Flop war, bedeutet demnach noch lange nicht, dass das Unternehmen wie ein gebranntes Kind das Feuer scheut und sich aus dem Smartphone-Markt zurückzieht. Ganz im Gegenteil sogar, wie The Informationen berichtet.

Den Kollegen zufolge soll Amazon mit verschiedenen Smartphone-Fabrikanten eine Zusammenarbeit auf „Herstellerebene“ diskutiert haben. Was das konkret bedeutet? Eine Koppelung von Amazons eigenen Apps und Services – weit mehr, als es bisher bei einigen Herstellern bereits der Fall ist. Denkbar wäre beispielsweise, dass statt des Google Play Store der Amazon App Store vorinstalliert ist oder die Nutzer statt über Chrome mit Amazons Silk-Browser ins Internet gehen. Damit würde Amazon Google frontal angreifen, denn bislang hat der Suchmaschinenanbieter die Hoheit über Android-Smartphones.

Strenge MADA-Bestimmungen

Zwar greifen Samsung, HTC und Co. mit ihren Herstelleroberflächen bereits tief ins Android-System ein. Über das Mobile Application Distribution Agreement (MADA), kann das Unternehmen aus Mountain View jedoch en détail festlegen, welche und wie viele der eigenen Google-Apps auf dem Mobiltelefon vorinstalliert sein müssen, wo sich das Such-Widget befindet und dergleichen mehr. Zuletzt hat Google die Bestimmungen zwar etwas gelockert, grundsätzlich bleibt es aber auch weiterhin dabei: Verstößt ein Hersteller gegen diese Auflagen, droht der Entzug der entsprechenden Android-Lizenz und der Zugang zum Google Play Store, Google Mail, YouTube usw. bleibt verwehrt. Da für die meisten Nutzer es aber eben jene Apps sind, die den Reiz von Android ausmachen, halten sich die Hersteller ohne Murren an das MADA.

Kooperation mit chinesischen Herstellern?

Angesichts dieses Damoklesschwertes, das über jeden Android-Hersteller schwebt, dürfte es fraglich bleiben, ob Amazon mit seinen Plänen langfristig Erfolg haben wird. Sicher, der Amazon App Shop besitzt zwar ebenfalls ein großes App-Angebot – kann es aber weder in Sachen Quantität noch Qualität mit dem Google Play Store aufnehmen. Denkbar wäre schon eher, dass Amazon möglicherweise mit einem kleinen chinesischen Hersteller, der nicht groß im Android-Markt vertreten ist, zusammenarbeitet und mit ihm ein entsprechendes Smartphone mit tiefer Amazon-Integration auf die Beine stellt. Ein Testballon quasi, um im Anschluss über weitere Schritte nachzudenken.

Quelle: The Information, via: Business Insider

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