Fraunhofer Institut testet Tablets auf Recylcing- bzw. Reperaturfreundlichkeit

Tam Hanna 21. September 2013 0 Kommentar(e)

Ein Palm IIIc geht kaputt. Kurz nachdem er im Versandcentrum ankommt, macht sich ein Techniker an die Arbeit – wenige Tage später kommt das Gerät mit einem reparierten Motherboard zurück…

Heute ist das nicht mehr möglich. Viele Hersteller sammeln defekte Devices ein und ersetzen sie einfach durch Neugeräte: Reperaturen sind aufgrund der teuren Arbeitszeit und der extrem hohen Integrationsdichte nicht wirschaftlich durchführbar.

Das Fraunhofer Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration hat sich nun 21 Tablets ins Labor geholt – das Endergebnis davon ist eine Analyse der Reparabilität und Zerlegbarkeit. Dabei kam ein ernüchterndes Bild zu Tage: desto „besser verarbeitet“ ein Tablet oder Smartphone ist, desto schlechter lässt es sich reparieren.

Dieser Zusammenhang folgt aus der Logik: ist ein Gerät verklebt, so kann nichts klappern. Leider muss sich der Techniker im Fall eines Defekts an einer Komponente dann „durch die Klebstoffpampe nagen“ – die Nutzung von Schrauben und Formschlüssen würde die Reperatur wesentlich erleichtern.

Für das Recycling ist es wichtig, dass sich der Akku ohne viel Aufwand entnehmen lässt. Das war (trotz diversen EU-Vorschriften) nur bei einem Gerät der Fall. Hier dürfte ein klarer Fall von „wer zahlt schafft an“ vorliegen: China besitzt Tonnen von Staatsanleihen der betreffenden Staaten.

Die Studie des Fraunhofer Instituts geht sehr ins Detail – falls ihr ein Tablet konstruieren möchtet, solltet ihr euch das Dokument unbedingt ansehen. Amüsanterweise anonymisieren die Forscher die in der PDF-Datei enthaltenen Daten, um Rückschlüsse auf die einzelnen Hersteller zu vermeiden.

Die einzelnen Geräte werden nur als DUT, kurz für Device Under Test, bezeichnet (Bildquelle: Fraunhofer IZM)

Die einzelnen Geräte werden nur als DUT, kurz für Device Under Test, bezeichnet (Bildquelle: Fraunhofer IZM)

Das dürfte zweierlei Gründe haben. Erstens sind einige Hersteller als extrem klagefreudig bekannt. Zweitens möchte sich das Institut aus den diversen Fanboy-Battles heraushalten, um die Aussagekraft der Studie nicht zu gefährden: eine emotional geführte Debatte über die Reparierbarkeit von Tablets eines gewissen Obsthauses wirft soviel Staub auf, dass die eigentliche Botschaft im Geschrei untergeht.

Amüsanterweise gibt das IZM offen zu, dass es einen Zielkonflikt zwischen Reparierbarkeit und Recyclierbarkeit gibt. Ein gutes Beispiel dafür ist die Frage nach der Art der Vernietung der Komponenten:

Zum Beispiel wäre eine Verschraubung von Einzelteilen eines Tablets für einen späteren Austausch einzelner Teile ideal. Für den Recycelvorgang hingegen ist die Verwendung von Plastikclips, die sich leicht aufbrechen lassen, vorteilhafter

Ist es euch wichtig, dass sich euer Tablet problemlos wieder instandsetzen lässt? Oder vertraut ihr bei mobilen Geräten auf die russische Methode: lässt sich ein Handcomuter nicht mehr einschalten, so ist es Zeit für das Nachfolgemodell?

Wir freuen uns über eure Meinung – bitte hinterlasst uns doch ein Kommentar…

Quelle: IZM

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Tam Hanna   Redakteur

Tam Hanna entwickelt Software für verschiedene Plattformen, beschäftigt sich mit Mobilgeräten und Prozessrechnern und betreibt einen YouTube-Channel mit zehnminütigen Clips zu Interessantem und Lehrreichem aus der Welt der Elektronik.

 

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