Yotaphone 2 im Test

Peter Mußler 11. Februar 2015 0 Kommentar(e)
Yotaphone 2 im Test Androidmag.de 4 4 Sterne

Der Wunsch nach einer Anzeige, die die Vorteile eines dynamischem Displays mit denen herkömmlichen Papieres kombiniert, ist nicht neu. Der russische Hersteller Yota startete den zweiten Anlauf zur Verwirklichung: mit zwei Displays.

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Ist das Electronic Paper-Display

ĂŒberhaupt ein Kaufargument?

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Da zwar innovativ, aber nicht ganz ausgereift, ist dieses GerĂ€t eher fĂŒr Pioniere und Individualisten.

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In erster Linie schreckt das sehr schwache EPD-Display ab. Leseratten haben damit keinen Spaß.

Das Tolle am bedruckten Papier ist: Es braucht keinen Strom und ist ermĂŒdungsfrei zu lesen, selbst in der prallen Sonne. Womit man schon bei einemNachteil wĂ€re. Ohne fremdes Licht kann man die „gespeicherten“ Informationen ĂŒberhaupt nicht verarbeiten. Anders das beleuchtete Display. Es braucht keinen Lichtspender. Außerdem hat es noch einen riesigen Vorteil: Es ist nicht starr, kann also Bewegungen abbilden. DafĂŒr will es aber Energie haben und die ist gerade bei MobilgerĂ€ten chronisch knapp. Einen Kompromiss bietet das Electronic Paper Display (EPD) – fĂŒr schnelle Bewegungen, noch dazu in Farbe, aber keinen befriedigenden.

Technischer Fortschritt

Der russische Hersteller Yota hat deshalb einfach zwei Displays an einem Smartphone angebracht. Neben dem konventionellen wartet auf der RĂŒckseite ein EPD. Das erste GerĂ€t 2012 wurde als Test gesehen und hatte vor allem mit der eingeschrĂ€nkten Nutzbarkeit des Zweitdisplays zu kĂ€mpfen. Anders der Nachfolger: Alle Apps sind per Mirror-Funktion auch in Tinte anzeigbar, bei schnellen Bewegungen (Spielen) macht das naturgemĂ€ĂŸ aber wenig Sinn. Die Reaktionen sind bei diesem Medium deutlich zĂ€her. Das hat zur Folge, dass bei Tage das Gros an ĂŒblicher Telefonarbeit ĂŒber den energieknausrigen EPD abgewickelt werden kann: Mails, Nachrichten, News etc. Das spart wertvolle Power, schließlich ist das beleuchtete Display der grĂ¶ĂŸte Stromkonsument im System. Je nach Nutzung sind so mehrere Tage ohne Ladung möglich. Da das Always-On-Display alles einfriert, bleiben wichtige Dinge (Stadtplan oder Flugticket) verfĂŒgbar, auch wenn die Batterie einmal am Ende ist.

Ein Bild wie eine Bleistiftzeichnung. NatĂŒrlich wird hinten alles schwarz-weiß dargestellt, mehr SchĂ€rfe und Kontrast könnten aber sein. Deutlich ist hier noch die alte Screenbelegung zu sehen.

Ein Bild wie eine Bleistiftzeichnung. NatĂŒrlich wird hinten alles schwarz-weiß dargestellt, mehr SchĂ€rfe und Kontrast könnten aber sein. Deutlich ist hier noch die alte Screenbelegung zu sehen.

 

Leider nicht so scharf

Blöd nur, wenn das Lesetools bei seiner Hauptaufgabe versagt. Im Vergleich mit modernen E-Readern wirkt das E-Papier hier weniger scharf. Das verwundert anhand der nackten Zahlen: Das Yota-EPD bietet eine Pixeldichte von 234ppi, der Kindle Paperwhite nur 212. Die Kontrastarmut könnte eine ErklĂ€rung sein. Obendrein scheinen bereits verloschene Seiten auf aktuellen noch durch. Da nĂŒtzt auch die kurze Refreshzeit nichts, das LesevergnĂŒgen ist empfindlich getrĂŒbt. Es bleibt eigentlich nur der theoretische Verbrauchsvorteil. Wie aus einer anderen Dimension wirkt dagegen das ultrascharfe AMOLED-Display auf der Vorderseite. Es bringt es bei 5 Zoll auf 441ppi. Einzig an der Helligkeitsschraube könnte man noch drehen.

Die Kameras trumpfen nicht mit Rekordmeldungen bei den Pixeln auf und kommen abgesehen von einem TiefenschĂ€rfemodus nur mit den Android-ĂŒblichen Bearbeitungstools. Die BildqualitĂ€t ist aber durchaus beachtlich. Clou am EPD: Durch das zweite Display kann man mit der Hauptkamera SelbstportrĂ€ts machen.

Viel Plastik, aber gute Verarbeitung. Mit dem Always-On-Display kann man mit aktueller LektĂŒre angeben - oder sich blamieren. Die SIM-Karte wird hinterm LautstĂ€rkeregler eingefĂŒhrt.

Viel Plastik, aber gute Verarbeitung. Mit dem Always-On-Display kann man mit aktueller LektĂŒre angeben – oder sich blamieren. Die SIM-Karte wird hinterm LautstĂ€rkeregler eingefĂŒhrt.

 

Gute Power

In der Sandwichposition zwischen den Displays kommt bewÀhrte Technik zum Einsatz. Der Snapdragon 801 mit 2,3-GHz-Quadcore zieht in unserem Speedtest gar am Galaxy S5 vorbei und auch bei der Browsergeschwindigkeit ergibt sich ein Topwert. Lediglich die Grafikperformance ordnet sich im Mittelfeld ein. Alles in allem entsprechen die Ergebnisse denen der unteren Oberklasse, einen Leistungsmangel gibt es also nicht. Nur die erhöhte WÀrmeentwicklung kann beunruhigen.

Durch die Platznot bei zwei Screens entfĂ€llt ein SD-Slot (die 32 GB Fixspeicher dĂŒrften aber reichen), die Nano-SIM teilt sich den Zugang zum GehĂ€use mit dem LautstĂ€rkeregler.
Erfreulich ist, dass auf dem Yotaphone 2 bald auch Android Lollipop laufen soll. Ob mit neuer Software auch der oft missverstĂ€ndliche oder zumindest gewöhnugsbedĂŒrftige Wechsel zwischen den Displays leichter vonstatten geht? Es bleibt zu hoffen.

Das Wende-Smartphone wirkt wie ein Outdoor-Telefon, nicht wie ein Lifestyle-Produkt. Kunststoff an allen Ecken und Kanten macht einen robusten Eindruck. Die opulente Verpackung allerdings ist fĂŒr russische Oligarchen nur angemessen.

Das Wende-Smartphone wirkt wie ein Outdoor-Telefon, nicht wie ein Lifestyle-Produkt. Kunststoff an allen Ecken und Kanten macht einen robusten Eindruck. Die opulente Verpackung allerdings ist fĂŒr russische Oligarchen nur angemessen.

Fazit

Das Yotaphone lĂ€uft außer Konkurrenz, es gibt nichts Vergleichbares. FĂŒr das gleiche Geld bekommt man aber  ein Android-Spitzenmodell plus einen E-Reader. Nicht 2-in-1, aber einzeln besser. Mit besserem EPD wird‘s interessant.

daumen_hoch
Innovativ und einzigartig
Akkuschonend trotz gehobener Leistung

daumen_runter

eInk-Display noch nicht ausgereift
Hoher Preis

 

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YotaPhone 2 Smartphone (5 Zoll Display, 32 GB Speicher, Android 4.4) schwarz

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3.9 von 5 Sternen (53 customer reviews)

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Android
4.4
5,0"
1920x1080
Gewicht
145 g
8,0 MP
2,1 MP
Kamera
32 GB
GB
Speicher
2 GB
RAM
4x
2,3 GHz
CPU



OK USB OK Audio OK GPS OK HSPA+ OK NFC OK WLAN (a,b,g,n,ac) OK Bluetooth 4.0
Abmessungen: : 144,9x69,4x9 (in mm - Höhe x Breite x Tiefe)

Display: 4 Sterne
Speed: 3 Sterne
Akku: 4 Sterne
Verarbeitung: 4 Sterne
Ausstattung: 5 Sterne
Design: 4 Sterne
Haptik: 4 Sterne
Kamera: 4 Sterne
Leistung:
39290
 
Grafik:
1261
 
Browser:
3114
 
Akku:
500
 
Max. 80627
Max. 4942
Max. 7176
Max. 910
Gesamtwertung: 32/40
 

GerÀtevergleich Rang 1

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Peter Mußler   Redakteur

Als Ästhet beschĂ€ftigt er sich gerne mit formschönen GerĂ€ten und Überschriften, so geschmeidig wie ein poliertes AlugehĂ€use. Als Redakteur fĂŒr die Magazine des CDA-Verlags taucht er in die Tiefen der Recherche aber auch ab bis zum Grund. Denn: Eine Überschrift alleine macht noch keinen Artikel.