Technik: Bluetooth Kopfhörer im Test

Martin Reitbauer 17. Dezember 2016 Kommentare deaktiviert für Technik: Bluetooth Kopfhörer im Test Kommentar(e)

Kopfhörer – damit verbinden die meisten Nutzer nach wie vor Kabel und Klinkenstecker. Nachdem Apple den 3,5 mm-Audio-Ausgang beim iPhone 7 aber wegrationalisiert hat, rückt die drahtlose Anbindung per Bluetooth wieder stärker ins Scheinwerferlicht. Schon seit 2003 erlaubt es der Bluetooth-Standard über das sogenannte A2DP-Profil hochqualitative Audiodaten zu übertragen. Und Smartphones unterstützen diesen Standard seit Jahren praktisch ohne Ausnahme. Zuletzt wurde die Qualität mit dem aptX-Protokoll noch einmal gesteigert und einige wenige Hersteller haben schon den nächsten Schritt (aptX HD) gemacht.

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Bildquelle: Beyerdynamic

Bluetooth erlaubt nicht nur die Übertragung des Tons, es lässt auch die grundlegende Steu­erung der Wiedergabe zu: Fast alle ­Kopfhörer verfügen über Bedienelemente (im Kabel, am Bügel oder der Hörmuschel), mit denen man die Lautstärke ändern, die Musik pausieren, ­einen Track vor- oder zurückschalten kann.

Die meisten Kopfhörer verfügen auch über ein ­Mikrofon zum Telefonieren – Anrufe lassen sich über einen Knopf am Bedienelement ­annehmen oder ablehnen. Zu viel sollte man sich von der Funktion allerdings nicht versprechen – die (abgehende) Sprachqualität kommt an jene von speziellen drahtlosen oder kabelgebundenen Telefonie-Headsets oder gar die des im Smartphone verbauten Mikrofons nicht heran.

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Die Verbindung des Kopfhörers zum Smartphone ist drahtlos, es gibt kein Verheddern mehr. Gut möglich, dass Bluetooth-Kopfhörer sich bald weiter verbreiten als kabelgebundene.

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Teufel Move BT

Die „Move BT“ sind die ersten drahtlosen In-Ear-Kopfhörer des Berliner Herstellers Teufel. Zwei vergleichsweise voluminöse und schwere Ohrstücke sind mit einem feinen und angenehm flexiblen Kabel verbunden, an dem auch das Bedienelement mit drei Knöpfen und dem Mikrofon sitzt. Geladen wird per Micro-USB-Anschluss, die Buchse ist mit einer dichten Abdeckung versehen. Die Kopfhörer sind dadurch spritzwassergeschützt. Sehr praktisch ist die mitgelieferte „Teufel Tube“ – ein Aufbewahrungsröhrchen für die verschieden großen Silikon-Hörmuscheln. Sie lässt sich zur Reinigung der Aufsätze mit Wasser füllen. Mit Hörmuscheln in der richtigen Größe versehen, schirmen die Move BT den Nutzer auch gut gegen Umgebungslärm ab. Der Klang ist über alle Frequenzbereiche gut ­ausgewogen und überzeugt mit kraftvollen (aber nicht übertrieben starken) Bässen. Mit 20 Stunden ist die Akkulaufzeit exzellent, der abgehende Ton beim Telefonieren nicht schlecht, aber zu leise. hier erhältlich

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Beyerdynamic Byron BT

Die Ohrknöpfe des Byron BT von Beyerdynamik sind klein, dezent und mit einem flexiblen Flachkabel („Linguine“) verbunden. Ein in die Kabelführung integriertes Bedienelement erlaubt es, Tracks zu wechseln, zu pausieren und die Lautstärke zu kontrollieren. Außerdem enthält es das Mikrofon zum Telefonieren und die Ladebuchse, die mit einer Gummiabdeckung geschützt ist. Hörmuscheln werden in verschiedenen Größen mitgeliefert, außerdem kann man einen biegsamen Bügel aufstecken, der die Knöpfe auch beim Sport gut im Ohr fixiert. Musik wird mit kräftigen, gut definierten Bässen wiedergegeben, die Höhen (bei Hi-Hats etc. ) drangen im Hörtest etwas stärker durch als bei anderen Modellen. Ganz ausgezeichnet war im Test die Bluetooth-Reichweite: Im Büro konnten wir uns fast 15 Meter vom gekoppelten Smartphone entfernen, obwohl eine Stahlbetonwand zwischen Sender und Empfänger lag. Die Laufzeit ist vergleichsweise kurz, die Sprachqualität beim Telefonieren gut. hier erhältlich

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Onkyo E300BT

Die E300BT sind das „mittlere Kind“ der jüngst vorgestellten Bluetooth-Kopfhörerreihe von Onkyo. Eine Stufe darunter liegt der E200BT für 80 bzw. der E700BT für 150 Euro. Die Gehäuse der Ohrknöpfe sind aus Aluminium gefertigt und mit einem aus zwei Strängen verzwirbelten Kabel verbunden – diese Eigenart sorgt dafür, dass sich das Kabel nicht so einfach verheddert. Das Gerät lässt sich (an Smartphones, die das beherrschen auch) per NFC koppeln. Das ist nicht nur beim ersten Herstellen einer Verbindung („Pairing“) von Vorteil, es macht es auch einfacher, am Smartphone zwischen mehreren Bluetooth-Verbindungen (wie etwa einem Drahtlos-Lautsprecher und den Kopfhörern) hin- und herzuschalten. Etwas störend ist, dass Links und Rechts auf den Ohrknöpfen nicht markiert ist. Die E300BT lieferten im Hörtest die höchste Lautstärke, allerdings auch schwache und wenig definierte Bässe. Die Sprachqualität beim Telefonieren ist von mittlerer Qualität. hier erhältlich

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Jabra Halo Smart

Bei Jabras „Halo Smart“ hängen die beiden Ohrknöpfe mit Flachkabeln an einem Nackenbügel. Die Bauform hat Vor- und Nachteile: Einerseits finden im Bügel die schweren Bauteile Platz, so dass weniger Gewicht auf den Ohren lastet. Außerdem landen die Kopfhörer nicht auf dem Boden, selbst wenn die Knöpfe aus dem Ohr rutschen sollten. Andererseits ist der Bügel beim Transport aber unhandlich und reduziert in manchen Situationen den Tragekomfort. Dazu kommt im Fall des Halo Smart, dass die Knöpfe recht leicht aus den Ohren rutschen, wenn man den Kopf dreht. Die Klangqualität geht aber in Ordnung: Die Bässe sind füllig, die Mitten treten etwas in den Hintergrund. Nettes Extra: Über eine „Sprachtaste“ am Bügel lässt sich der Sprachassistent Google Now bzw. Siri aufrufen – so kann man Informationen abrufen oder z.B. eine WhatsApp-Nachricht verschicken, ohne das Smartphone zur Hand nehmen zu müssen. Der abgehende Ton beim Telefonieren ist gut verständlich. hier erhältlich

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Sudio VASA BLÅ

Vom schwedischen Hersteller Sudio kommen die (bis auf die goldfarbenen Treiber-Gehäuse) schlicht gehaltenen, drahtlosen „Vasa Blå“ – nicht zu verwechseln mit der kabelgebundenen ­Variante, die einfach „Vasa“ heißt.

Die Ohrknöpfe sind leicht einzuschieben, sitzen bequem und dennoch fest. In das Flachkabel, das die Knöpfe verbindet, ist eine Verdickung für die ­Bedienelemente und das Gehäuse für den Akku eingearbeitet. Geladen wird per Micro-USB, der Anschluss ist mit ­einer Staubkappe geschützt.
Wie auch bei den Modellen von Jabra und Philips fehlt die Unterstützung für den HD-Audiocodec aptX. Die Klangqualität ist dennoch überzeugend – der Sound ist ausgewogen, die Bässe sind kräftig (wofür auch der gute Sitz im Ohr mitverantwortlich ist – ohne gute Abdichtung im Gehörgang gehen tiefe ­Frequenzen verloren).

Die Aufnahmequalität des Mikrofons ist allerdings schlecht – zum ­Telefonieren sind die Vasa Blå kaum geeignet. hier erhältlich

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Philips SHB5950

Die SHB5950 von Philips ist das günstigste Modell in unserer Aufstellung. So wie das Produkt von Jabra ist es eines mit flexiblem Nackenbügel, von dem zwei kurze Kabel zu den Ohrknöpfen führen. Die Bedienknöpfe liegen am Bügel, ebenso der Ladeanschluss, der mit einer Kappe gegen Staub und Wasser geschützt ist. Eine weitere Gemeinsamkeit mit dem Jabra-Modell ist die fehlende Unterstützung für „aptX“, die Codierung für hochqualitative Audio-Übertragung, die viele Smartphones mittlerweile beherrschen. Einen dramatischen Unterschied zu Modellen mit aptX stellten wir im Hörtest aber nicht fest: Die Treiber liefern warmen Klang mit dominantem, weichen Bass aber ­etwas zu schwachen Mitten. Die maximale Lautstärke ist mehr als ausreichend. Obwohl im Nackenbügel sicherlich Platz für einen größeren Akku gewesen wäre, laufen die Kopfhörer nur 7 Stunden. Zum Telefonieren eignen sie sich wegen der schlechten abgehenden Tonqualität gar nicht. hier erhältlich

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Martin Reitbauer   Chefredakteur

Als Chefredakteur von Android Magazin und der Plattform-agnostischen Zeitschrift SMARTPHONE ist Martin hauptsächlich mit den Print-Magazinen des Verlags hinter androidmag.de beschäftigt. Ab und an bleibt dennoch Zeit für einen Blog-Artikel. Neben Android gilt seine Begeisterung GNU/Linux und freier Software ganz allgemein.

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