Pures Android ohne Root

2. Oktober 2013 5 Kommentar(e)

Sie haben genug von der überfrachteten und langsamen Zusatz-Software, die auf Ihrem Smartphone installiert ist? Dann sind Sie reif für das pure, unverfälschte Android-Erlebnis.

Fast jeder Hersteller von Android-Smartphones oder -Tablets ergänzt das Betriebssystem durch seine eigene Software – welche die Bedienungsoberfläche verändert und Zusatzfunktionen mit sich bringt. Bei Samsung beispielsweise heißt diese Software „Touch-Wiz“, bei HTC „Sense“ und bei Sony „Timescape“. Allerdings können diese Apps nervig sein, unansehnlich, unausgereift, langsam oder aber zu speicherhungrig. Und spätestens wenn Sie einmal die reine Android-Oberfläche von Nexus-Geräten erlebt haben, wird vielen Anwendern klar, dass deren Schlichtheit durchaus ihre Vorteile hat.

Prinzipiell lässt sich Abhilfe schaffen, indem der Anwender das Smartphone rootet und ein anderes ROM auf das Gerät aufspielt. Diese Vorgehensweise ist jedoch relativ aufwendig – und auch nicht ganz risikolos. Erfreulich ist daher, dass es Apps gibt, mit deren Hilfe das Smartphone dazu gebracht werden kann, sich beinahe so wie ein Gerät mit unverändertem Android-Betriebssystem zu verhalten. Der erste Schritt besteht darin, den vorinstallierten Launcher durch ein zurückhaltenderes und schnelleres Pendant zu ersetzen. Darüber hinaus können Sie einen anderen Sperrbildschirm und eine bessere Bildschirmtastatur installieren.

1. Launcher

Entscheidend für den optischen und funktionalen Eindruck, den ein Smartphone hinterlässt, ist zum großen Teil der Launcher – also die Kombination aus Home-Bildschirm und Apps-Fenster.

Es gibt einige Launcher, die sich stark am Launcher von Android 4.x orientieren – darunter die drei hier vorgestellten Apps Nova Launcher, Apex Launcher und Holo Launcher. Aber auch der Android-4.x-Launcher ist – bei aller Sympathie – nicht ganz ohne Fehl und Tadel. Vor allem ist er ein wenig zu einfach geraten. Die alternativen Launcher jedoch beheben dieses Manko und kombinieren die schlichte Eleganz des Original-Launchers mit einigen dringend benötigten Zusatzfunktionen.

Als praktisch erweist sich vor allem die Tatsache, dass die alternativen Launcher im Apps-Fenster im Sinne einer besseren Übersicht mehrere Register verwenden. Ebenfalls nützlich: Die Dock-Leiste am unteren Bildschirmrand besteht ähnlich wie der Home-Bildschirm aus mehreren Teilen, zwischen denen Sie mit einer Fingerbewegung wechseln können. Dadurch passen mehr App-Symbole in die Leiste.

In diesem Fenster legen Sie fest, welchen Launcher das Smartphone standardmäßig verwendet.

In diesem Fenster legen Sie fest, welchen Launcher das Smartphone standardmäßig verwendet.

Wenn Sie nach dem Installieren eines alternativen Launchers zum ersten Mal die Home-Taste betätigen, dann erscheint das Dialogfenster „Aktion durchführen“. Wählen Sie dort den neuen Launcher aus und tippen Sie die Schaltfläche „Immer“ an. Anschließend können Sie den neu installierten Launcher einfach über die Home-Taste aufrufen. Wenn Sie den Launcher nur kurz testen möchten, dann tippen Sie stattdessen die Schaltfläche „Nur diesmal“ an.

Um die Zuweisung des Launchers zu der Home-Taste wieder rückgängig zu machen, gehen Sie folgendermaßen vor: Rufen Sie das „Einstellungen“-Programm „Apps“ auf. Wählen Sie dort den Launcher aus. Abschließend tippen Sie in dessen „App-Info“-Fenster die Schaltfläche „Standardeinstellung zurücksetzen“ an.

Nova_Launcher

Nova Launcher

Der Nova Launcher ist ab Android 4.0 lauffähig. Die Dock-Leiste am unteren Rand bietet Platz für bis zu 33 Apps. Die kostenpflichtige Version Nova Launcher Prime (3,00 €) erlaubt es Ihnen, im Apps-Fenster Register und Ordner anzulegen. Darüber hinaus ermöglicht sie, Apps durch Fingergesten zu starten.

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Apex Launcher

Der Apex Launcher setzt Android 4.0.3 voraus. In der Dock-Leiste lassen sich bis zu 30 Apps unterbringen. Im Apps-Fenster bietet die Software ein separates Register für heruntergeladene Programme. In der kostenpflichtigen Version Apex Launcher Pro (2,99 €) ist es möglich, eigene Register sowie Ordner anzulegen.

In der Dock-Leiste lassen sich bis zu 30 Apps unterbringen.

In der Dock-Leiste lassen sich bis zu 30 Apps unterbringen.

Holo Launcher

Der Apex Launcher setzt Android 4.0.3 voraus. In der Dock-Leiste lassen sich bis zu 30 Apps unterbringen. Im Apps-Fenster bietet die Software ein separates Register für heruntergeladene Programme. Bei der kostenpflichtigen Version Apex Launcher Pro (2,99 €) ist es möglich, eigene Register sowie Ordner anzulegen.

2. Sperrbildschirm

Für den Sperrbildschirm gilt Ähnliches wie für den Launcher: Schlicht und zweckmäßig ist besser als aufwendig und verwirrend. Er hat ja lediglich die Aufgabe, das Smartphone vor unbeabsichtigtem Einschalten zu schützen und es dem Anwender dennoch einfach zu machen, das Gerät zu benützen. Die App Holo Locker bringt den Sperrbildschirm der Android-Version 4.1 auf Ihr Smartphone. Das ist nicht nur für diejenigen Anwender interessant, die den Sperrbildschirm des Hardware-Herstellers ersetzen möchten, sondern auch für all jene, für deren Smartphone kein Update auf Android 4.1 erhältlich ist. Denn Holo Locker ist bereits ab der Android-Version 2.2 lauffähig.

Holo_Locker_zusammen

Die kostenpflichtige Version Holo Locker Plus (1,59 €) bietet mehr Einstellungsmöglichkeiten als die kostenlose Version: Unter anderem ist es möglich, ein anderes Hintergrundbild auszuwählen. Darüber hinaus kann Holo Locker Plus die Anzahl der eingetroffenen Anrufe und Nachrichten anzeigen. Und nicht zuletzt dürfen Sie festlegen, welche Apps sich direkt vom Sperrbildschirm aus starten lassen.

Andere_Apps_Starten

1) Andere Apps starten

In den Einstellungen für den Schnellzugriff können Sie unter „Benutzerdefinierte Kamera-App“ und „Benutzerdefinierte Such-App“ nicht etwa einfach nur alternative Kamera- und Such-Programme auswählen, sondern auch beliebige Andere, die Sie dann vom Sperrbildschirm aus starten können.

Home_Taste_lahmlegen

2) Home-Taste lahmlegen

Standardmäßig lässt sich der Sperrbildschirm umgehen, indem Sie die Home-Taste betätigen. Wenn dies nicht in Ihrem Sinne ist, dann schalten Sie in den „Allgemeinen Einstellungen“ die Option „Home-Tastenhelfer“ ein.

Statusleiste_ausblenden

3) Statusleiste ausblenden

In den Grafik-Einstellungen können Sie unter anderem die Farbe des Textes auf dem Sperrbildschirm festlegen, die Statusleiste ausblenden oder aber über die Option „Benutzerdefinierter Provider“ andere Wörter statt des Namens Ihres Mobilfunkanbieters anzeigen lassen.

3. Tastatur

Suchen Sie für Ihr Smartphone eine bessere Bildschirmtastatur? Die am besten auch gleich das „Gesture Typing“ unterstützt, wie viele es von Android 4.2 kennen? Dann lohnt sich ein gründlicher Blick auf die App SwiftKey.

Gesture Typing bedeutet, dass Sie Text nicht eingeben, indem Sie die einzelnen Buchstaben antippen – sondern indem Sie den Finger von Buchstabe zu Buchstabe ziehen. SwiftKey unterstützt beide Arten der Texteingabe. Anders als die Bildschirmtastatur von Android 4.2 erlaubt es SwiftKey, auch Leerzeichen per Gesture Typing einzugeben – so dass Sie komplette Sätze schreiben können, ohne den Finger vom Bildschirm abzuheben. Für das Vorhersagen von Wörtern verwendet die SwiftKey-App nicht nur Ihr Wörterbuch, sondern lernt auch durch Ihre Eingaben hinzu. Darüber hinaus ist die Software imstande, die Texte Ihrer E-Mail-Nachrichten sowie Facebook-, Twitter- und Blog-Beiträge zu verarbeiten, um Ihren Wortschatz kennenzulernen.

SwiftKey kann Wörter aus bis zu drei Sprachen gleichzeitig erkennen. Die Hauptsprache legen Sie direkt nach dem ersten Programmstart fest. Die beiden zusätzlichen Sprachen wählen Sie bei Bedarf später über die Option „Sprachen & Layouts“ aus. Die Option „Design – Pfeiltasten“ blendet auf der Bildschirmtastatur Pfeiltasten ein, die sehr hilfreich sind beim Verschieben der Schreibmarkierung im Text. Sind Ihnen die Tasten zu klein oder aber zu groß? Mit der Option „Erweitert – Tastenhöhe […]“ können Sie die Tastengröße zu verändern – sinnvollerweise unabhängig voneinander für das Hochformat und für das Querformat. Die kostenlose SwiftKey-Version funktioniert einen Monat lang. Die Vollversion kostet € 1,99. Unter dem Namen „SwiftKey Tablet“ ist auch eine Version für Tablets erhältlich.

Die Bildschirmtastatur SwiftKey bietet zwei verschiedene Methoden, Text einzugeben.

Die Bildschirmtastatur SwiftKey bietet zwei verschiedene Methoden, Text einzugeben.

4. Weitere Möglichkeiten

Custom_Roms

Custom-ROMs

Wenn Sie Ihr Smartphone rooten, können Sie beispielsweise mit der App „ROM Manager“ ein anderes Custom-ROM installieren. Die Versionen 10 und 10.1 des CyanogenMod-ROMs (erhältlich auf der Entwickler-Website: www.cyanogenmod.com) basieren auf den Android- Versionen 4.1 und Android 4.2. Allerdings sind diese ROMs nicht für alle Smartphone-Modelle erhältlich.

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Jelly Bean Keyboard

Das Jelly Bean Keyboard bringt die Bildschirmtastatur von Android 4.1 auf Ihr Smartphone – auch falls es schon älter ist, denn die App ist bereits ab Android 1.6 lauffähig. Das deutsche Wörterbuch
(„German Dictionary“) müssen Sie zusätzlich herunterladen. Die kostenpflichtige Version Jelly Bean Keyboard Pro (2,47 €) zeigt keine Werbung an.

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Standard-Apps

Auf manchen Smartphones sind nicht alle Standard-Apps vorinstalliert (weil der Hardware-Hersteller sie durch seine eigenen Versionen ersetzt hat). Aber im Google-Play-Store können Sie einige dieser
Original-Apps (beziehungsweise Portierungen) herunterladen. Unter anderem Google Calendar, Clock JB, Calculator (Xlythe), Gallery ICS, Camera ICS und True Contacts.

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Jelly Bean Wallpapers

Vielleicht fehlen Ihnen zu Ihrem Glück ja lediglich die Hintergrundbilder von Android 4.x. Und genau damit wartet die App Jelly Bean Wallpaper Gallery auf. Sie wählen die Bilder entweder über das Einstellungsprogramm „Display“ aus oder aber über die App Jelly Bean Gallery. Das Symbol der App lässt sich entfernen, ohne dadurch die Bilder zu deinstallieren.

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