Die Smartphone-Sucht bekÀmpfen: So kommst du vom Handy weg

Redaktion 24. Januar 2016 0 Kommentar(e)

Smartphone-Sucht: Dieser Begriff klingt eher abstrakt und manch einer mag gar keine Verbindung erkennen – dennoch wird gerade dieses Problem immer mehr zu einer neuen Herausforderung der zunehmend digitalisierten Gesellschaft.

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Ich sitze mit Claudia beim Italiener um die Ecke. Eigentlich habe ich mich auf dieses Treffen gefreut, denn wir haben uns schon seit Jahren nicht mehr gesehen. Doch es kommt anders als erwartet.

Elektronischer Störenfried

Sie setzt sich breit grinsend mir gegenĂŒber an den Tisch und legt ihr Smartphone in der gefĂŒhlten GrĂ¶ĂŸe eines FrĂŒhstĂŒcksbrettchens neben sich. „Wie geht es dir?“, frage ich sie. „Prima“, entgegnet sie freudestrahlend. „Ich habe jetzt einen Job bei …“.

Weiter kommt sie nicht, denn das Handy scheppert drauflos. „Sorry“, murmelt sie, greift zu dem Ding und tippt eine ganze Weile irgendeinen Text ins Display. Danach strahlt sie mich wieder an: „Wo waren wir stehen geblieben?“ „Wie es dir geht“, wiederhole ich geduldig.

„Ach so, stimmt. Ich habe jetzt einen neuen Job bei …“, beginnt sie erneut, doch dann faulen mir um ein Haar die Ohren ab, als ohne Vorwarnung Miley Cyrus umher blökt. Ihr Handy „klingelt“.

Ohne ein weiteres Wort nimmt sie den Anruf an, redet eine Weile, legt auf, tippt wieder eine Menge Zeug ins Display.

„Das war voll wichtig“, lĂ€sst sie mich noch wissen, doch kaum möchte sie fortfahren, meldet sich mit dem charakteristischen Pfeifton die nĂ€chste WhatsApp-Nachricht. Ich gebe es auf.

Der Ernst der Lage

FĂŒr manch einen mag das jetzt noch ziemlich ulkig klingen. Was hier ĂŒberzeichnet dargestellt wurde, ist ein zunehmendes PhĂ€nomen in der Gesellschaft seit dem Siegeszug der Smartphones. Immer wieder lassen wir uns von unserem digitalen Begleiter ablenken, ja, wir machen uns regelrecht abhĂ€ngig davon. Verpassen wir vielleicht eine wichtige Neuigkeit, wenn wir eine eingehende Kurznachricht vorĂŒbergehend ignorieren? Könnte gerade etwas passieren, woran ich nicht teilhaben kann? Wird mir der Chef den Hals umdrehen, wenn ich nicht sofort antworte?

Nach einer Untersuchung der UniversitĂ€t Bonn, die mithilfe der App „Menthal“ durchgefĂŒhrt wurde, aktivieren wir im Durchschnitt 53 Mal am Tag unser Smartphone. Das bedeutet, dass wir etwa alle 18 Minuten unsere derzeitige TĂ€tigkeit unterbrechen, um uns die neueste Chat-Nachricht oder die neueste Mitteilung vorzunehmen. Dadurch leidet unter anderem die QualitĂ€t unserer Arbeit ganz erheblich.

Mögliche Folgen

Wer glaubt, ein derartiges Nutzungsverhalten habe keine Konsequenzen, der irrt gewaltig. Fehlende Regenerationszeiten und stĂ€ndige Erreichbarkeiten machen auf lange Sicht krank und fĂŒhren zu einem massiven ProduktivitĂ€tsverlust, auch bedingt durch lange Ausfallzeiten wegen Krankheiten, die aus Erschöpfungssyndromen resultieren. Allerdings kann es auch keine Lösung sein, diese modernen Kommunikationsmittel zu verdammen oder gar zu verbannen.

Iris Dohmen, Betriebspsychologin beim TÜV Rheinland, erlĂ€utert hierzu: „Der völlige Verzicht auf digitale Medien ist nicht die Lösung. Im Beruf wie im Privatleben sind sie wertvolle Hilfsmittel: Sie unterstĂŒtzen beispielsweise bei der Terminverwaltung und stellen den Kontakt zu Kollegen und Kunden, aber auch zu Freunden und Verwandten sicher. Was wir brauchen, ist ein intelligenter Umgang mit dem Smartphone. Das bedeutet, auch bewusst Zeiten der Nichterreichbarkeit einzuhalten. Eine wichtige Grundlage dafĂŒr sind klare Vereinbarungen zum Umgang mit den digitalen Medien.“

Kinder & Smartphones

Bereits bei Kindern nimmt das Nutzungsverhalten mit Smartphones mitunter bedenkliche Formen an. So können Sie gegensteuern.

  • Lassen Sie Ihre Kinder erkennen, was sich nur durch einen Chat oder telefonisch klĂ€ren lĂ€sst. Oft ist ein einfacher Anruf effektiver.
  • Newsfeeds in sozialen Netzwerken mĂŒssen nicht stĂ€ndig abgerufen werden. Legen Sie vernĂŒnftige Intervalle fest.
  • Push-Nachrichten nur bei Apps einstellen, wo es wirklich wichtig ist. Das verhindert stĂ€ndige Ablenkung durch unwichtige Meldungen.
  • Bei Messengern lĂ€sst sich die Statusmeldung einstellen, dass der Nutzer beschĂ€ftigt ist. Ihre Kinder sollten auch davon Gebrauch machen.
  • Bei Treffen sollte das Handy auch mal Pause machen – das ist respektvoll anderen gegenĂŒber. Da kann es auch mal stummgeschaltet werden.

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Apps um sich von der digitalen Welt abzukoppeln

 

Handysucht in Zahlen

AlltagsphÀnomen oder Sucht? WÀhrend viele die Entwicklungen lediglich als Zeichen der Zeit abtun, sprechen die Statistiken eine andere Sprache.

176 Mio. Suchtkranke

Im Vorjahr wurden weltweit mehr als 176 Millionen Suchtkranke gezĂ€hlt. Als Smartphone-sĂŒchtig gelten Personen, die mehr als 60 Mal am Tag eine App aufrufen.

85% 12-13-jÀhrige

Satte 85% der 12-13-jÀhrigen nutzten bereits 2014 zumindest gelegentlich ein Smartphone.

10x so viele Nutzer

Unter den Smartphone-SĂŒchtigen sind 10 x mehr MĂŒtter vertreten, als in anderen Nutzergruppen.

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