Das Huawei Mate 10 Pro im androidmag Test

21. October 2017 Comments Off on Das Huawei Mate 10 Pro im androidmag Test Kommentar(e)

 

Lange mussten Mate-Fans warten, nun ist das neue Phablet von Huawei endlich offiziell vorgestellt. Wir haben das Gerät gleich nach der Präsentation einem ausführlichen Test unterzogen.

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Smart ist out. Zumindest, wenn es nach Huawei geht. Als erstes „intelligentes Smartphone“ bezeichnet der Hersteller das Mate 10 Pro. In München wurde die neue Modellserie Mitte Oktober offiziell vor einem weltweiten Publikum präsentiert. Neben der „Pro“-Variante gibt es übrigens auch noch das „normale“ Huawei Mate 10 und einen Lite-Ableger. In Österreich und Deutschland war die ersten Wochen lediglich das Huawei Mate 10 Pro erhältlich, mittlerweile ist aber auch die Lite-Variante in den Regalen aufgereiht. Damit stehen sich die beiden äußeren Geräte im Portfolio gegenüber: Das Lite links der preislichen Mitte als das klar günstigste und entsprechend schwächer ausgestattete Variante, das Mate weit rechts als teurer und opulent bestückter Anführer der Mate 10-Serie. Das Mate 10 (ohne Pro-Zusatz, um etwaiger Verwirrung vorzubeugen) markiert in dieser Ansicht die erwähnte Mitte, wird aber auch in absehbarer Zeit nicht den Weg in hiesige Gefilde finden. Das ist verständlich, würde sich Huawei sonst doch den eigenen Markt zumindest partiell abgraben.

Dünne Ränder Ganz rahmenlos ist das Huawei Mate 10 Pro nicht, dank 18:9-Display und dünnen seitlichen Rändern liegt es aber gut in der Hand.

Dünne Ränder
Ganz rahmenlos ist das Huawei Mate 10 Pro nicht, dank 18:9-Display und dünnen seitlichen Rändern liegt es aber gut in der Hand.

 

Solo-Stecker Anders als noch der Vorgänger muss das Huawei Mate 10 Pro ohne Kopfhörer-Ausgang auskommen. Ein Typ C-Headset liegt aber bei.

Solo-Stecker
Anders als noch der Vorgänger muss das Huawei Mate 10 Pro ohne Kopfhörer-Ausgang auskommen. Ein Typ C-Headset liegt aber bei.

 

Hochglanz-Rücken Huawei setzt erstmals auf Glas. Gut zu erkennen: Ganz sauber wird die Rückseite leider nie.

Hochglanz-Rücken
Huawei setzt erstmals auf Glas. Gut zu erkennen: Ganz sauber wird die Rückseite leider nie.

Intelligenter Prozessor

Folglich: Für österreichische oder deutsche Staatsbürger hält sich die Qual der Wahl in Grenzen. Wer High End von Huawei will, muss sich für das Mate 10 Pro entscheiden. Nicht, dass das schlecht wäre – immerhin knackte das Smartphone als erstes Gerät überhaupt die 40/40 Punkte-Marke unserer Rangliste. Wie das zustande kam?

Werfen wir zunächst einen Blick auf den technischen Unterbau. Huawei verbaut im Mate 10 Pro den auf der IFA vorgestellten Kirin 970, der auf acht Kerne zugreifen kann und über eine zusätzliche NPU verfügt. NPU steht für „Neural Processing Unit“, was sich etwa mit „Chip für neuronale Prozesse“ übersetzen lässt. Dazu kommen wir aber später noch ausführlicher, in aller Einfachheit handelt es sich dabei aber um jene Einheit, die das Mate 10 Pro intelligent machen soll. Dazu aber später noch mehr.

Die Leistungsdaten des Kirin 970 siedeln sich jedenfalls im Spitzenfeld an, für den ersten Platz reicht es aber nicht – den behält unseren Messwerten zufolge das Samsung Galaxy Note 8, wenngleich die Unterschiede marginal ausfallen. Vor allem beim Grafik-Benchmark liegen das Galaxy Note 8 und das Mate 10 Pro fast gleichauf, beim Geekbench-Test, der die reine Prozessor-Leistung misst, liegen beide Geräte in absoluten Zahlen sogar noch näher beieinander. Power-Nutzer werden mit der Leistung des Mate 10 auf jeden Fall zufrieden sein, dank 6 GB RAM geht das Smartphone auch unter Volllast nie in die Knie. Allerdings: Hinsichtlich der nackten Daten spielt das neue Huawei-Flaggschiff zumindest beim Display nicht ganz vorne mit.

Mehr Länge, weniger Breite

Während Samsung schon länger auf WQHD-Displays setzt und auch die neuesten Modelle von LG (V30) oder HTC (U11) deutlich über Full HD auflösen, hat sich Huawei beim Mate 10 Pro für eine Auflösung von 2.160 x 1.080 Pixel (Full HD+) entschieden. Diese Auflösung ist werkseitig voreingestellt, wer mag (etwa, um Akku zu sparen), kann die Pixeldichte auch auf HD+ reduzieren. Dann lassen sich einzelne Bildpunkte aber auch mit freiem Auge erkennen. Ein Rückschritt in frühere Zeiten gewissermaßen, aber eben auch ein möglicher Retter der so wichtigen Akkukapazität. Das Seitenverhältnis des 6 Zoll-Displays: 18:9, also deutlich länger als breit. Bei der Präsentation wurde die Entscheidung damit argumentiert, dass die Akkuleistung im Vordergrund stehen soll und WQHD außer für VR-Inhalte nicht benötigt wird. Wer mehr Auflösung will, muss auf das reguläre Mate 10 zurückgreifen, das eben mit einem WQHD-Display ausgestattet ist. Die Helligkeitswerte siedeln sich im oberen Viertel an, sind aber etwas unter den Herstellerangaben ausgefallen. Subjektiv betrachtet sind die Inhalte aber auch im freien (bei Sonnenschein) noch sauber ablesbar.

Akkuwerte: Sehr stark

Kommen wir zum Akku. Der ist auf dem Papier mit einer Nennkapazität von 4.000 mAh stark bemessen, viele Mitbewerber liegen deutlich unter diesem Wert. Zwei Tage sollen selbst Vielnutzer mit einer Ladung über die Runden kommen. Das können wir nach einigen Wochen mit dem Gerät bestätigen. Die Laufzeit ist schlichtweg überragend, ein Wochenende ohne Stromanschluss lässt sich mit dem Mate 10 Pro problemlos überstehen. Das auch, weil Huawei abermals auf ein ausgeklügeltes Energie-Management setzt. Neben der Reduzierung der Auflösung hat sich der Hersteller einige sinnvolle Kniffe einfallen lassen, um dem Akku eine längere Lebensdauer zu verschaffen. So lassen sich die Oberflächenfarben dunkler einstellen, damit die Bildpunkte des AMOLED-Panels nicht extra beleuchtet werden müssen. Außerdem hat der Nutzer volle Kontrolle über Anwendungen im Hintergrund. Sehr positiv auch: Huawei liefert den hauseigenen SuperCharge-Ladestecker mit, der den Akku in gerade einmal 30 Minuten auf starke 58 (??) Prozent lädt. Ebenfalls im Lieferumfang enthalten: Eine Schutzhülle. Die wird auch benötigt, die überarbeitete Rückseite aus Glas ist nämlich sehr anfällig für unschöne Flecken – da war die Alu-Rückseite des Mate 9 noch deutlich weniger sensibel und auch haptisch besser. Huawei begründet das mit rein optischen Vorteilen. Tatsächlich sieht die Rückseite sehr schick aus; zumindest, nachdem sie frisch geputzt ist. Flächendeckend stößt dieser Schritt aber nicht auf Gegenliebe, für einen Punkteabzug reicht diese Entscheidung aber nicht.

Kamera und KI

Bis hierhin ist das Mate 10 Pro ein tolles Smartphone, ohne Frage. Allerdings eines ohne ganz großen Wow-Effekt. Für den soll die eingangs erwähnte KI sorgen. Allein: Die künstliche Intelligenz hält sich meist vornehm im Hintergrund, ein solides Bild ihrer tatsächlichen Leistungsfähigkeit wird sich erst mit einer längeren Nutzungsdauer ergeben. So soll die Technologie beispielsweise dafür sorgen, dass die Aufgaben aller aktiven Anwendungen automatisch an den Prozessor, den Grafikchip und eben die NPU verteilt werden. Das soll helfen, die Performance hochzuhalten und Energie zu sparen. Inwieweit das bereits mit den starken Messdaten und dem tadellosen subjektiven Eindruck zusammenhängt lässt sich allerdings nicht zweifelsfrei feststellen.

Hervorragende Aufnahmen

Was sich aber sagen lässt: In Sachen Fotografie zeigt die NPU ihre Stärken. Bis zu 2000 Motive soll die Kamera pro Minute erkennen können, visualisiert durch ein Symbol am unteren Displayrand. Wer beispielsweise Essen fotografiert, bekommt unten eine Gabel und ein Messer angezeigt – und die Kamera passt sich automatisch an das Motiv an. Wer einen Hund vor die Linse bekommt, entdeckt an gleicher Stelle das Symbol eines kleinen Hundes. Das ist (wie beim vorangegangenen Beispiel mit dem Essen) das Zeichen, dass die Knipse weiß, was man fotografieren möchte. Die perfekte Abstimmung der Kamera ist zu diesem Zeitpunkt schon gefunden. Jeder der beiden verbauten Sensoren (abermals in Kooperation mit Leica) kann auf einen eigenen sogenannten „Image Signal Processor“ zugreifen, der die Daten wiederum für die NPU aufbereitet. Diese Messdaten werden von der künstlichen Intelligenz in Echtzeit analysiert, wodurch der Fotograf ohne Umschweife zu sehen bekommt, wie das Bild letztendlich aussehen wird. 100 Millionen Beispiele stehen der NPU zu diesem Zweck zur Verfügung, auf alle kann die Einheit offline zugreifen. Die Kamera-Daten: Rückseitig sitzt eine Dual-Knipse mit 20 MP (Monochrom) und 12 MP (RGB) inklusive Bildstabilisator und großer Blende (f/1.6). Die Fotos werden, auch dank Unterstützung der KI, ausgezeichnet. Sie steht den Kameras der Mitbewerber um nichts nach und verfügt vor allem mit der NPU um ein Totschlagargument.

Die Ausstattung

Unterhalb der Knipsen verbaut: Der Fingerprintsensor. Eine leichte Berührung reicht aus, um das Mate 10 (und alle Ableger) zu entsperren. Gerade in diesem Bereich bietet Huawei immer noch die beste Lösung, zumal der Sensor auch Wischbewegungen erkennt. Damit lassen sich beispielsweise Fotos weiterwischen oder die Benachrichtigungsleiste öffnen. Zur Platzierung: Durchdacht. Wie bei Geräten in dieser Größenregion unvermeidbar, werden Besitzer mit zierlichen Händen mitunter Probleme bekommen, das Gerät intuitiv zu entsperren. Aber: Die Positionierung ist deutlich sinnvoller als beim Samsung Galaxy Note (ebenfalls ein Kandidat für das Punktemaximum) und lässt sich darüber hinaus deutlich leichter erfühlen. Ein versehentliches Berühren der Kamera-Linsen ist damit fast ausgeschlossen. Noch einmal verstärkt werden diese Aspekte, wenn das Mate 10 Pro in der mitgelieferten Silikon-Hülle steckt.

Ein microSD-Slot entfällt aufgrund der Materialwahl. Ins Gewicht fällt das allerdings nicht weiter, verbaut Huawei doch bis zu 128 GB Festspeicher. Rund 101 GB davon lassen sich frei belegen. Das am lautesten beklatschte Feature war (neben der NPU) aber ein einfaches HDMI-Kabel, um etwas populistisch zu formulieren. Huawei bedient sich in diesem Punkt ein wenig an der DeX-Funktion von Samsung, allerdings ohne, dass eine eigene Station benötigt wird. Wer ein USB-C-auf-HDMI-Kabel besitzt, kann das Mate 10 Pro mit einem Monitor verbinden. „Easy Projection“ nennt der chinesische Hersteller das, beworben wird es gewissermaßen als mobiles Büro. Das fasst die Funktionalität gut zusammen. Das Mate 10 Pro liefert die Hardware, der Nutzer kann mit einer angepassten Desktop-Oberfläche arbeiten. Maus und Tastatur werden via Bluetooth mit dem Smartphone verbunden.

Fazit

Alle Punkte! Das ist (auch, weil die Rangliste laufend abgewertet wird) ein bislang einmaliges Ergebnis in unseren Tests. Das Mate 10 Pro erfüllt aber schlichtweg alle Ansprüche an ein High End-Smartphone und bietet darüber hinaus auch noch ebenso sinnvolle wie exzellent umgesetzte Zusatzfunktionen. Wir sind begeistert!

xc

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oliver

Oliver Janko   Chefredakteur

Studiert in Wien und schreibt Reportagen, Tests und Reviews für die Printausgaben des Verlags. Bei Fragen – Facebook, Google+ und Co. sind allzeit bereit.

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