Android kommt ins Wohnzimmer: Der Nexus Player im Test

Redaktion 19. Mai 2015 0 Kommentar(e)

Im Zuge von Android 5.0 Lollipop hat Google auf der letzten Entwicklerkonferenz den Nexus Player und Android TV angekĂŒndigt. Wir haben uns jenes GerĂ€t etwas genauer angesehen und sagen euch, ob die kleine Allround-Konsole ĂŒberzeugen kann.

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Nachdem Google TV nicht den gewĂŒnschten Erfolg erzielen konnte und schon nach wenigen Monaten nach dem Start des Programms zum Scheitern verurteilt war, nimmt jetzt Google erneut Anlauf und versucht seine GerĂ€te in unseren Wohnzimmern zu platzieren. Dieses Mal lĂ€uft das Ganze unter dem Namen Android TV und soll vor allem durch eine intuitive Bedienung und einer Vielzahl an Inhalten punkten.

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Der Player

Sehen wir uns aber zuvor das GerĂ€t selbst an. Der Nexus Player ist mit einem Durchmesser von 120 Millimeter etwas grĂ¶ĂŸer als ein Hockey-Puck und wirkt Ă€ußerst kompakt. Im Lieferumfang ist zudem auch noch eine Fernbedienung enthalten, die etwas wie ein Mikrofon aussieht und sehr angenehm in der Hand liegt. ZusĂ€tzlich zu der Fernbedienung kannst du dir ein Gamepad kaufen, welches mit 50 Euro nicht gerade gĂŒnstig ist. FĂŒr den hohen Preis ist die VerarbeitungsqualitĂ€t zu niedrig und das Material zu ungĂŒnstig gewĂ€hlt (Klavierlack auf der Oberseite hinterlĂ€sst unschöne FingerabdrĂŒcke). DafĂŒr lassen sich aber die Knöpfe erstklassig drĂŒcken und auch die Analog-Sticks machen ein prĂ€zises Steuern möglich. Etwas schade ist, dass das Gamepad nur mit einem Nexus Player gekoppelt werden kann. Wer den Controller auch in Verbindung mit seinem Smartphone oder Tablet nutzen will, muss erneut in die Tasche greifen und sich ein anderes GerĂ€t anschaffen.

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Die Bedienung

Der Nexus Player wird nach der erfolgreichen Einrichtung ĂŒber die Fernbedienung sowie das Gamepad bedient. Beim Anblick der Fernbedienung muss man sagen, dass es einfacher bzw. minimalistischer nicht mehr gegangen wĂ€re. Ein Button fĂŒr die Spracherkennung, ein Navigationsring mit Auswahltaste sowie ein ZurĂŒck-, Pause und Home-Button sind alles, womit die Fernbedienung aufwarten kann und deutet ganz klar an, dass man auf eine einfache Bedienung abzielt. Dieser Minimalismus stĂ¶ĂŸt aber schon beim Login via Google-Account an seine Grenzen. Über den billig wirkenden Navigationsring muss man sich durch ein eingeblendetes Keyboard klicken und E-Mail-Adresse sowie Passwort eingeben. Wie wĂ€re es hier mit einem Login ĂŒber das Smartphone, Google???

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Die Software

Kommen wir aber jetzt zum HerzstĂŒck des Nexus Players – der Software. Android TV soll sich vor allem durch die einfache und intuitive Bedienung von den unterschiedlichen Konkurrenzprodukten abheben. Das gelingt auch durch die ZusammenfĂŒhrung von Inhalten aus unterschiedlichen Quellen. Das Hauptaugenmerk liegt dabei natĂŒrlich auf den unterschiedlichen Streaming-Angeboten. Vor allem die eigenen Dienste wie YouTube oder die Play Movies stehen hier im Vordergrund. Besonders interessant ist die Personalisierung. Anhand der angesehenen Inhalte trifft Android TV eine Vorauswahl und zeigt die Serien, Filme und Videos, die dich auch interessieren könnten.

Auch Netflix oder der Media-Center-Client Plex werden in die Vorauswahl miteinbezogen, sobald diese eingerichtet und bereits einmal verwendet wurden. Hier kommt wieder die Schattenseite des Minimalismus zum Tragen, der die Einrichtung sehr umstÀndlich macht.

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Suche und Steuerung via Sprache

Eine der StĂ€rken von Android TV ist die Sprachsuche. Über einen Druck auf die Mikrofon-Taste auf der Fernbedienung kannst du die Sprachsuche aufrufen und so nach Inhalten suchen. Eine Besonderheit ist dabei die Vielseitigkeit. WĂ€hrend du ganz normal „Der Herr der Ringe“ in das Mikro sprechen kannst und folglich eine Auflistung der unterschiedlichen Teile aufgelistet bekommst, gibt es noch eine weitere Möglichkeit. Diese beruht auf dem Knowledge Graph von Google. So kannst du beispielsweise nach „Filme mit Orlando Bloom“ suchen und schon werden dir die entsprechenden Werke angezeigt, in denen der Schauspieler mitgespielt hat. Das funktioniert auch umgekehrt, sodass du dir eine Liste der Schauspieler eines bestimmten Filmes anzeigen kannst. Die Spracherkennung sowie die Ausgabe der Inhalte funktioniert dabei recht ordentlich und arbeitet zuverlĂ€ssig.

Auch auf allgemeine Fragen wie „Wie hoch ist der Mount Everest?“ weiß der Nexus Player die passende Antwort.

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Apps und Spiele auf dem Nexus Player

Der Grundstein fĂŒr den Erfolg des Nexus Players ist damit also schon einmal gelegt. Sicher es gibt die eine oder andere Macke an der noch gearbeitet werden muss, aber alles in allem macht das GerĂ€t einen soliden Eindruck. Wirklich erfolgreich wird der Nexus Player aber erst mit der UnterstĂŒtzung von weiteren Drittanbieter-Apps und Spielen. Jenes Angebot ist derzeit noch sehr ĂŒberschaubar und lĂ€sst noch zu wĂŒnschen ĂŒbrig. Eigentlich erstaunlich, denn laut Google sind fĂŒr die App-Entwickler nur wenige Anpassungen notwendig, damit die App auch Android TV-tauglich wird.

Was die Spiele angeht, sind auch nur relativ wenige im Play Store erhĂ€ltlich. Diejenigen, die bereits zur VerfĂŒgung stehen, sind die typischen VerdĂ€chtigen. Vor allem Asphalt 8 macht auf dem Nexus Player in Verbindung mit dem Gamepad ordentlich Bock und lĂ€sst echtes Konsolen-Feeling aufkommen.

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Der bessere Chromecast?

Super ist auch noch, dass Google dem Nexus Player das Google Cast-Protokoll mit auf den Weg gibt. Damit ist folglich ein Betrieb wie mit einem Chromecast möglich. Streaming von Browser-Tabs oder Ă€hnlichem sind damit kein Problem. Einziger Vorteil gegenĂŒber dem HDMI-Stick: Der Nexus Player unterstĂŒtzt dank IEEE 802.11ac das 5 GHz Frequenzband.

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Fazit

Google hat auf der letzten Google I/O mit Android TV ein vielversprechendes Konzept vorgestellt. Mit dem Nexus Player haben wir jetzt auch endlich einen Blick auf die finale Umsetzung dessen werfen dĂŒrfen. Leider hat sich das Ganze auf dem Papier besser angehört, als es dann tatsĂ€chlich war. Vor allem der geringe Funktionsumfang und die teilweise sehr umstĂ€ndliche Bedienung (vor allem die Einrichtung) können nicht ĂŒberzeugen. Nicht zuletzt wĂŒrde es uns nicht wundern, wenn Google den App-Entwicklern die Daumenschrauben ansetzt, sodass diese ihre Anwendungen fĂŒr Android TV optimieren mĂŒssen.

Wie sich Android TV entwickeln wird, ist derzeit noch schwer zu sagen. Sollte Google nicht fĂŒr eine weitere Verbreitung und ein grĂ¶ĂŸeres Angebot bei den Apps sorgen können, dann wird Android TV zum nĂ€chsten Flop.

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